Im Heiligen Tuch steckt ein Stückchen Krefeld

Maschinenbau : Im Heiligen Tuch steckt ein Stückchen Krefeld

Der Krefelder Maschinenbauer Saurer Technologies beschäftigt sich mit einem religiösen Thema – dem Heiligen Tuch Kiswa. Für Muslime ist der Schmuck für die Kaaba in der Großen Moschee in Mekka ein Begriff. Für Saurer mittlerweile auch. Er liefert eine neue Maschine, die das seidene Garn für das Heilige Tuch herstellt.

Für den Krefelder Maschinenbauer Saurer Technologies ist der Auftrag der staatseigenen Fabrik Holy Al Kiswa aus Saudi-Arabien etwas ganz Besonderes. Finanziell spielt die Order eher eine untergeordnete Rolle, ideell ist sie unbezahlbar. „Der Auftrag macht uns unheimlich stolz und wird in der muslimischen Geschäftswelt sicherlich beachtet“, sagte Verkaufschef Richard Klein.

Saurer Technologies liefert eine Maschine, mit der das seidene Zwirn produziert wird, das für die jährlich neu erfolgende Herstellung des Heiligen Tuchs des Islams benötigt wird. Das 260 Quadratmeter große mit Gold- und Silberfäden verwebte Seidentuch (Kiswa) schmückt die Kaaba (das größte Heiligtum des Islam) im Inneren der Großen Moschee im saudi-arabischen Mekka. Es ist mehr als eine Tonne schwer und reich mit Ornamentik und Versen des Koran verziert. Jedes Jahr pilgern rund 2,5 Millionen Muslime zur Haddsch nach Mekka, während Nicht-Muslimen das Betreten der Stadt verboten ist.

In der staatseigenen Kiswa-Fabrik in Mekka arbeiten mehr als 100 Männer das ganze Jahr, um das Tuch mit den Stickereien anzufertigen. Sie verarbeiten pro Jahr etwa 400 Kilogramm Gold- und Silberdrähte, die weniger als ein Drittel Millimeter dick sind und aus 999er Gold und Silber bestehen. Die Kiswa wird jährlich ausgetauscht, weil die hohe Luftfeuchtigkeit dem Glanz der Kiswa abträglich ist. Die Heiligen Tücher werden fein säuberlich eingelagert und aufbewahrt.

Ferdinand Klein, Verkaufsleiter von Saurer Technologies in Krefeld am Weeserweg, ist sehr stolz über den Auftrag aus Saudi-Arabien. Foto: Andreas Bischof/Andreas Bischof Tel.+49(0)171285

In der übernächsten Woche kommt eine fünfköpfige Delegation des Auftraggebers zu einer dreitägigen Inspektionsreise nach Deutschland und nach Krefeld. Am Weeserweg wird die viermal acht Meter große und zwei Meter hohe Maschine zusammengebaut. Das Hauptstück kommt aus chinesischer Saurer-Produktion und das so genannte Gatter aus Chemnitz. Das Gatter ist quasi ein Gestell zur Aufnahme der Seidenspulen um etwa ein Millimeter dickes Garn aus 24 einzelnen Seidenfäden herzustellen. Das Gatter ist mit einer Vielzahl von Sensoren bestückt, die den gesamten Prozess überwachen und sofort melden, wenn nur einzelner Faden reißt.

Der technische Leiter Cenk Duralti von Saurer inspiziert das Gatter für die neue Maschine, die nach Mekka geliefert wird. Foto: Andreas Bischof/Andreas Bischof Tel.+49(0)171285

Nach der Fertigstellung und der Inspektion der arabischen Gäste wird die modifizierte Maschine, die ursprünglich für die Produktion von Glasfilamentgarnen gedacht ist, nach Dschidda verschifft und dort von einem Krefelder Monteur eingerichtet. er übernimmt auch die Schulung der Beschäftigten des Auftraggebers. „Unser Monteur muss muslimischen Glaubens sein, weil Christen den heiligen Ort des Islams nicht betreten dürfen“, berichtete Klein. Die Firma Holy Al Kiswa liegt in einem 15-Kilometer-Radius um die Kaaba und der Aufenthalt für Nicht-Muslime dort tabu.

Früher wurde das Heilige Tuch in Ägypten gewebt. Die Firma dort hatte vor 18 Jahren bereits eine Maschine von Saurer aus der Schweiz angeschafft. 2014 entstand der Kontakt neu, Krefelds Firmenleiter Gerd Pöhlmann traf 2015 dann saudi-arabische Gesprächspartner im italienischen Mailand und brachte das neue Geschäft in Gang. Der Kunde Holy Al Kiswa sei in doppelter Hinsicht etwas ganz Individuelles, berichtete Klein. Über das einzigartige Geschäftsfeld hinaus, betreibe er noch ein Museum.

Die Kaaba ist das wichtigste Heiligtum des Islam – ein 14 Meter hohes würfelförmiges fensterloses Gebäude aus schwarzem Stein. Die Pilger müssen es bei ihrer Wallfahrt mehrmals umkreisen. Wie die saudi-arabischen Behörden schon vor Jahren mitgeteilt hatten, kostet ein neues, mit goldenen Fäden besticktes Kaaba-Tuch rund 20 Millionen Rial (etwa vier Millionen Euro). Nach islamischer Vorstellung wurde die Kaaba von Adam erbaut und die zwischenzeitliche Ruine von Abraham in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Ismael als Wallfahrtsstätte wiedererrichtet.

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