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Andreas Simon: "Ich" - ein Tanzprojekt für Kinder

Andreas Simon : "Ich" - ein Tanzprojekt für Kinder

Der Choreograf hat mit Sieben- bis 14-Jährigen ein Stück erarbeitet, das sich mit Populismus auseinandersetzt.

Andreas Simon ist Tänzer, Choreograf, Theaterpädagoge und Leiter der Stadtkindertanzgruppe des Kreschtheaters. Mit seiner Tanzgruppe hat er das Stück "Ich" erarbeitet, das am Sonntag, 13. Mai, um 16 Uhr in der Fabrik Heeder Premiere hat. Über die Umsetzung in seinem und die Situation wenige Tage vor der Premiere sprach er mit RP-Mitarbeiterin Isabel Mankas-Fuest.

Worum geht es in Ihrem neuen Kindertanzstück "Ich"?

Andreas Simon Unser Thema ist Populismus, nicht ganz einfach für ein Kindertanzstück und mitunter auch ein bisschen düster. Die Kinder tragen schwarze Kostüme, was man normalerweise bei Kindern nicht machen würde. Gemeinsam mit den Kindern stelle ich mir die Frage, wie das Thema tänzerisch umgesetzt werden kann. Was sind die tänzerischen Ausdrucksformen des Populismus. Im Stadtkindertanz ist der Körper immer das primäre Ausdrucksmittel zur Stückentwicklung.

Die Kinder sind zwischen 7 und 14 Jahre alt, also teilweise noch sehr jung, gab es da überhaupt Berührungspunkte zwischen dem politisch besetzten Thema und der Lebenswelt der Kinder?

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Simon Wir fangen ohne Drehbuch an. Ich halte den Kindern keine Predigt, aber ich versuche das Thema transparent zu machen, indem ich Fragen stelle, wie "Von wem oder was lässt du dich gerne lenken?, "Wem folgst du?" oder "Hast du selbst schon einmal auf Strategien des Populismus zurück gegriffen?" Botschaften, die einfach sind, suggerieren Sicherheit, auch die Kinder sind davon betroffen. Wichtig ist, dass es hierbei kein Falsch oder Richtig gibt, es sind Denkanstöße, die uns bei der Stückentwicklung helfen. Viele Impulse kamen von den Kindern. Sie haben einen sicheren Rahmen und sind bis hin zur Improvisation sehr frei. Ich gebe Feedback und sage, wie es auf den Zuschauer wirkt und frage, ob sie diese Wirkung beabsichtigt haben.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Simon Im Austausch mit den Kindern wurde klar, dass das Kindchenschema populistische Züge hat. Da es so beliebt bei Kindern ist, alle konnten etwas dazu beitragen. Also haben wir eine Szene zum Thema Kindchenschema entwickelt, in der ein Kind sein niedliches Gesicht aufsetzt, um damit etwas bei den Erwachsenen zu erreichen. Parallel zum tänzerischen Part wird ein wissenschaftlicher Text vorgelesen, der davon erzählt, wie das Kindchenschema längst auch von der Werbeindustrie zu Verkaufszwecken eingesetzt wird. In anderen Szenen wiederum wird improvisiert, die Kinder bringen den Mut auf, "aus der Reihe zu tanzen", alle sind das gesamte Stück auf der Bühne zu sehen, es gibt keine Rückzugsorte - alle sind ständig gefordert.

Wie sieht der Bühnenraum aus?

Simon Bevor die Zuschauer den Bühnenraum betreten, können sie wählen, ob sie lieber in die Gruppe "Sicherheit" oder die "Risiko" möchten. Schon zu Beginn muss sich das Publikum also entscheiden. Ein transparenter Vorhang wird durch den Zuschauerraum gespannt sein, so dass der Eindruck entsteht, die zwei Gruppen bekämen auch zwei unterschiedliche Vorstellungen zu sehen, doch in Wirklichkeit gibt es nur eine Realität, alles andere sind hartnäckige Vorurteile, die man im Kopf hat und immer mit sich rum trägt. Von der Decke werden 14 Spiegel in den Bühnenraum hängen, damit werden wir viel arbeiten und mit Licht.

Was möchten Sie den Kindern jenseits von tänzerischen Fähigkeiten mitgeben?

Simon Es geht in meiner Arbeit immer auch um Persönlichkeitsentwicklung. Ich versuche nicht alles über die Wortschiene zu machen, weniger kognitiv, stattdessen sollen die Kinder ein Gespür dafür entwickeln, auf ihren Körper zu hören. Fragen wie "Wie arbeitet das Unterbewusstsein in mir?", oder "Welche Sprache spricht mein Körper, wenn wir so ein Thema behandeln?", spielen dabei eine zentrale Rolle. Was haben die Kids mit Trump zu tun? Sie haben eher etwas damit zu tun, wenn man ihnen ständig sagt, was falsch oder richtig ist. Das Stück soll sie darauf vorbereiten, nicht auf die scheinbar einfachen Botschaften des Populismus reinzufallen.

(RP)