Krefeld: Hüls lebt mit doppelter Identität

Krefeld : Hüls lebt mit doppelter Identität

Ein Marketingexperte referierte bei der Volksbank über den Charakter von Hüls – gleichzeitig ist der beschauliche Ort im Krefelder Norden Stadt und Dorf.

Ein Marketingexperte referierte bei der Volksbank über den Charakter von Hüls — gleichzeitig ist der beschauliche Ort im Krefelder Norden Stadt und Dorf.

Hülser Klausur – hier hat Hüls historischen Charakter. Foto: Heußen

Hüls ist auf dem Weg attraktiver zu werden. Wie sich das entwickelt, skizzierte Professor Richard Jung am Dienstagabend bei seinem fast zweistündigen Vortrag in der Hülser Volksbank zur zukünftigen Marketing-Strategie für den Stadtteil. Die Schwierigkeit sei, "wie man zwei Dinge zusammenbekommt, die zusammengehören, aber nicht zusammenpassen wollen." Jede Gemeinde im Umkreis großer Metropolen leide darunter, nicht wirklich wahrgenommen zu werden, erklärte Jung. Er schlug vor, Hüls mit einem Slogan strahlen zu lassen: "Hüls: Stadtlandleben", war ein Vorschlag. Jung: "Hüls ist mit 17000 Einwohnern kein Dorf mehr, sondern Stadt. Gleichzeitig hat sich Hüls aber auch den dörflichen Charme des Landlebens erhalten. Hüls ist Stadt und Land zugleich." Damit müsse Hüls pokern, so der Marketing-Experte.

In der Werbebranche hatte es Richard Jung bis auf den Chefsessel der namhaften Hamburger Agentur "Scholz & Friends" geschafft. Seit einigen Semestern lehrt er Kommunikations-Design und Corporate Identity an der Hochschule Niederrhein. Grundlage für die vorgestellte Planung war die Untersuchung des Einzelhandelsverbandes Krefeld-Kempen-Viersen, wie Hülser, aber auch Bewohner aus dem Umland, Hüls sehen. Die meisten Hülser Bürger sind mit dem Angebot der örtlichen Händler zufrieden. Gleichzeitig vermissen sie aber auch bestimmte Produkte. Und nicht alle Hülser würden Hüls als Einkaufsstadt weiter empfehlen. Hüls hat ein eigenes Gesicht. Rund 80 Prozent der Befragten geben ihrem Stadtteil Bestnoten. Er zeichnet sich durch Sport und Tradition aus, aber auch durch Erholung und Geselligkeit. Hier sieht Jung Ansätze, aus der positiven Bewertung von Hüls eine eigene "Marke" zu machen. Positive Ansätze sieht Jung im Bottermaat oder in der Burgsanierung, bei der Vertreter unterschiedlicher Vereinen und Gruppen gemeinsam etwas unternommen haben. Doch das reicht noch nicht aus. Gerade in Zeiten, in denen die öffentlichen Gelder knapper werden, müssen die Bürger stärker eingebunden werden. Auch, um ein "Wir in Hüls-Gefühl zu schaffen.

Jung skizziert die großen Unternehmen Apple und Sony: Beide hätten die gleichen Chancen gehabt. Während Apple eine Idee, ein Gefühl verkaufe und damit weltweit erfolgreich sei, habe Sony, das zwar alle Produkte besitze, sie aber auf unterschiedliche Firmennamen verteile, zuletzt kaum noch Erfolge erzielt.

Dabei wäre für die Hülser der Einstieg in eine gemeinsame Identität relativ einfach und kostengünstig: Jung hatte sich die verschiedenen Internetauftritte der Hülser Vereine, Parteien und öffentlichen Einrichtungen angesehen. "Doch nirgendwo erkennt man, sei es durch Farbe oder das einheitliche Hüls-Logo, wir sind Hüls", so Jung. Als nächster Schritt wird der Aktivkreis Hüls mit den einzelnen Vereinen, öffentliche Einrichtungen und Organisationen Kontakt aufnehmen und nach der Bereitschaft zur Mitgestaltung von Logo und Hülser Corporate Identity sprechen. Denn die Marke Hüls ist auch ein Lebensgefühl.

(RP/ac)
Mehr von RP ONLINE