Omas Waffe gegen Erkältungen Hilft Hühnersuppe wirklich gegen grippale Infekte?

Serie | Krefeld · Zurzeit grassieren schwere Erkältungskrankheiten, auch in Krefeld. Ein altes Hausmittel ist seit jeher die Hühnersuppe. Wir fragten nach: Hilft sie wirklich? Das sagt die Wissenschaft.

Schon zu Großmutters Zeiten eine Medizin gegen Erkältungen und grippale Infekte: eine Hühnersuppe.

Schon zu Großmutters Zeiten eine Medizin gegen Erkältungen und grippale Infekte: eine Hühnersuppe.

Foto: Pixabay

Zurzeit grassieren Erkältungskrankheiten, landläufig „Grippe“ genannt – gemeint sind meist grippale Infekte; die echte Grippe als Influenza ist ungleich gefährlicher. Immer wieder kann man hören: Hühnersuppe hilft. Stimmt das wirklich? Oder ist Omas Geheimwaffe gegen laufende Nasen nur eine schöne Legende aus der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat? Wir wollten wissen, ob die Hühnersuppentheorie auch wissenschaftlich haltbar ist oder unter die bekannte niederrheinische Kategorie „nützt nix, schadt’ aber auch nix“ fällt.

Das gehört in die Hausapotheke
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Foto: Norbert Prümen

Wir fragten Ute Meusel, studierte Ernährungswissenschaftlerin (Ökotrophologin) und Ernährungsberaterin mit einer Praxis in Bockum. Ihre Antwort lautet klar: Ja, die Suppe hilft, und das ist auch wissenschaftlich untermauert.

„Hühnersuppen enthalten zum Beispiel die Aminosäure Cystein und Zink. Beide Stoffe wirken entzündungshemmend. Cystein ist hilfreich zum Abschwellen der Schleimhäute und wichtig für den Heilungsprozess.“ Beide Stoffe werden beim Kochen aus den Sehnen des Huhns gelöst; daher empfiehlt Meusel, eine Hühnersuppe mit einem Suppenhuhn oder – bei kleineren Portionen – mit einigen Hühnerbeinen immer kalt anzusetzen, langsam aufzukochen und eineinhalb Stunden köcheln zu lassen.

Ute Meusel, Ernährungsberaterin aus Bockum

Ute Meusel, Ernährungsberaterin aus Bockum

Foto: umeusel

Auch über das bei solchen Suppen gern genommene Gemüse wie Möhren, Sellerie, Porree oder Zwiebeln gelangten viele Mineralstoffe in die Suppe, die ebenfalls den Körper beim Heilungsprozess unterstützten. „Ich kann aus langjähriger Erfahrung nur sagen, dass diese Suppe wirkt: Natürlich geht eine schwere Erkältung nicht einfach weg, aber es wird angenehmer, sie auszuhalten.“ Meusel ist übrigens nicht nur Ernährungsberaterin mit Schwerpunkt Psychologie, sie gibt in Kochkursen auch praktische Tipps für eine gesunde Ernährung. Die Nächsten beginnen im Februar.

Es gibt mehr Gründe, warum Suppen bei Erkältungen helfen. Heißer Suppendampf ist gut, weil er die Schleimhäute befeuchtet und dafür sorgt, dass Sekret in Hals und Nase besser abfließen kann – im Grunde ähnlich wie beim Inhalieren. Und da sie ja heiß gegessen wird, breitet sich die wohlige Wärme sozusagen mit jedem Löffel im Körper mehr aus. Die klassischen Gemüsebeigaben wie Lauch, Sellerie, Möhren und Zwiebeln gibts in der Regel als fertiges Suppengemüse bereits abgepackt zu kaufen und liefern zu Aminosäure und Zink etwa Vitamin K und Betacarotin.

Wer die Suppe zum Abschluss mit krauser Petersilie verfeinert, gibt eine Extraportion Vitamin C hinzu. Auch Ingwer als Zutat hat eine gewisse Wirkung gegen Rhinoviren („Schnupfenviren“) - in der traditionellen chinesischen Medizin wird die Wurzel schon seit mehr als 2.000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Ingwer enthält unter anderem Eisen, Vitamine, Kalzium und Kalium. Medizinisch bedeutsam sind seine ätherischen Öle und Scharfstoffe, die sogenannten Gingerole. Ob diese Inhaltsstoffe tatsächlich eine antivirale und antibakterielle Wirkung haben, ist allerdings noch nicht eindeutig durch Studien erwiesen.

Zum Kochen selbst noch zwei Tipps aus der Praxis: die Zwiebel mit Schale in der Suppe kochen; das sorgt für eine schönere Färbung - funktioniert auch bei Rindfleischsuppe. Und der zweite: Durch die lange Kochzeit wird das Gemüse weich und verliert auch an Geschmack. Wer's knackiger mag, schöpft das gekochte Gemüse aus der fertigen Brühe hinaus und fertigt eine zweite Portion Suppengemüse an - vielleicht sogar mit einem Julienneschneider geschnitten, der dann aus den Möhren lange, feine Streifen macht. Das ist zwar etwas aufwendiger, macht aber optisch mächtig was her. Das frische Gemüse kommt dann zum Schluss dazu.

Dass Hühnersuppe gesund ist, besagt etwa eine Studie der Universität von Nebraska: Demnach blockiert Hühnersuppe im Organismus bestimmte weiße Blutkörperchen, sogenannte Neutrophile, die für Entzündungsprozesse mitverantwortlich sind. Neutrophile werden bei Virusinfektionen, so auch bei grippalen Infekten, in großen Mengen freigesetzt. Durch die Blockade werden sie also abgeschwächt und dadurch in ihrer Wirkung beeinträchtigt.

Hühnchen ist auch reich an Tryptophan. Das hilft dem Körper, Serotonin zu produzieren, das wiederum die Stimmung verbessert und ein Gefühl von ‚Komfort‘ vermitteln kann, sodass Hühnernudelsuppe ein wahres ‚Wohlfühlnahrungsmittel‘ ist - eine echte Geheimwaffe fürs Seelenheil eben.

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