Krefeld: Hühnerhof im Klassenzimmer

Krefeld: Hühnerhof im Klassenzimmer

Kinder der Lindenschule haben bei einem Sachkundeprojekt viel über die Natur gelernt. Zum Beispiel, dass die Natur gnadenlos ist und nur die Küken überleben lässt, die es schaffen, sich selber aus dem Ei zu befreien.

Die ersten Küken überraschen die Grundschüler der Klasse 1a und Klassenlehrerin Dimka Döhler an einem Dienstagmorgen. Über Nacht hatten die flauschigen Jungvögel ihre Eierschalen aufgepickt und begrüßen die Erstklässler der Lindenschule zum Unterrichtsbeginn mit munterem Piepen.

Dieses besondere Naturereignis mitzuerleben, ist spannend für die Kinder, die sich in 21 Tagen zu echten "Hühner-Profis" entwickelt haben. Denn so lange dauert es etwa, bis ein Küken aus dem Ei schlüpft - eine Geduldsprobe für die Jungen und Mädchen. In der Brutzeit überprüften die Kinder Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur des Brutautomaten, zweimal täglich drehten sie vorsichtig die Eier. Abends und am Wochenende kümmerte sich der Hausmeister der Schule um die Hühnereier. "Ihm ist ein besonders großes Dankeschön auszusprechen", sagt Dimka Döhler.

Fachlich betreut wurde das Projekt von Wendelin Martin, dem Vorsitzenden des Hülser Rassegeflügelzuchtvereins. Er baute den vereinseigenen Brutautomaten in der Klasse auf. "Für die Schüler ist es ein Erlebnis, zu sehen, wie aus einem Ei neues Leben wird. Das wird ihnen noch lange in Erinnerung bleiben", sagt Martin. Zum Lernerlebnis gehört für die Erstklässler auch die Erfahrung, dass von den 54 Eiern rund die Hälfte gar nicht befruchtet sind und daher gar kein Küken schlüpfen kann. Und dass vier der Küken in den übrigen Eiern noch vor dem Schlüpfen sterben. Denn am 17. Tag muss das Küken mit dem Schnabel die Ei-Membran durchstoßen und auf Lungenatmung umstellen. Wer das nicht schafft, stirbt noch im Ei. Und auch der Weg durch die Schale ist mühsam: Das Küken muss es aus eigener Kraft schaffen zu schlüpfen.

Nach dem Schlüpfen der ersten Küken in der Nacht zum Dienstag, erfüllt freitags das Gezwitscher von 19 Jungvögeln, die den mühsamen Weg aus dem Ei geschafft haben, das Klassenzimmer der 1a. Als "flauschig" beschreiben die Kinder die Tiere, außerdem pikse es ein wenig, sie zu halten. "Die Küken zittern, wenn man sie in der Hand hält", erzählen die Erstklässler aufgeregt.

Das Interesse an der Aktion geht über das Klassenzimmer hinaus. Lehrer bringen ihre Kinder mit, Schüler ihre kleineren Geschwister, um der 1a und Dimka Döhler einen Besuch abzustatten und die Küken zu betrachten. Mit ihrem neu erworbenen Wissen können die Erstklässler dann besonders glänzen und Fragen ihrer Mitschüler beantworten. Die Aktion findet sogar so großen Anklang, dass sie nun alle zwei Jahre wiederholt werden soll.

"Ein sehr tolles Projekt. Für Kinder und Erwachsene gleichermaßen faszinierend.", resümiert Claudia Gehlings, die Schulleiterin.

Zuvor konnten sich die Erstklässler im Rahmen des Kunstunterrichtes auf die Küken einstimmen: Ihre bunten Bilder schmücken zur Osterzeit Fenster und Wände des Klassenzimmers.

(RP)