HSG Krefeld will Aufstieg in die Zweite Handball-Bundesliga

HSG Krefeld will in die Zweite Handball-Bundesliga: „Ein großer Schritt“

Die Eagles wollen den Schritt in den professionellen Handball wagen und in die Zweite Liga aufsteigen.

Im sechsten Jahr ihres Bestehens sind die Handballer der HSG Krefeld auf dem Sprung in die Zweite Bundesliga. Die Auswahl von Trainer Ronny Rogawska führt nach dem 17. von 30 Spieltagen die Tabelle der Dritten Liga West mit sechs Punkten Vorsprung an, ist also auf Aufstiegskurs. Wie sich die Macher der Eagles, wie sich das Team nennt, auf den möglichen Schritt in den professionellen Handball vorbereiten, erläutern Manager und Geschäftsführer Thomas Wirtz und der dänische Trainer Ronny Rogawska.

Herr Wirtz, liegt der Sekt für den Aufstieg schon kalt?

Wirtz Nein, das wäre noch etwas sehr früh. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Es sind noch 13 Spiele zu absolvieren, und gerade im Sport kann da noch viel dazwischen kommen.

Zum Beispiel?

Wirtz Vorrangig müssen die Spieler mal alle gesund bleiben, insbesondere unsere Leistungsträger. Dann müssen wir ganz am Ende in der Tabelle oben stehen. Und dann kommt noch die Relegation gegen den Meister der Nordgruppe (derzeit stehen Hildesheim und Rostock ganz oben, die Red.). Dann stehen die Uhren wieder auf Null, dann zählt auch die Tagesform. Von daher bleiben wir lieber zurückhaltend. Damit sind wir auch in der Vergangenheit immer gut gefahren. Aber: Wir wollen aufsteigen, das ist unser Ziel.

In der Zweiten Liga kommen sicherlich erhebliche Änderungen auf Sie zu. Kann die HSG das überhaupt stemmen?

Wirtz Davon gehen wir grundsätzlich aus, auch wenn wir das vielleicht nicht von heute auf morgen schaffen werden. Schon der Schritt von der vierten in die dritte Liga war enorm. Wir haben lange gebraucht, um uns dort zu etablieren. Auch die finanzielle Belastung ist erheblich größer, keine Frage.

Sie sprechen von Vollprofitum.

Wirtz Ja, sicherlich auch. Wir werden in der Zweiten Liga jeden Tag trainieren müssen. Dazu brauchst du auch Spieler, die das können. Bislang ist zumindest ein Tag in der Woche frei. Das geht in der Zweiten Liga nicht. Es funktioniert dann nicht zu sagen: Ich komme heute nicht, mein Chef hat gesagt, ich muss eine Stunde länger arbeiten. Das muss jedem Spieler klar sein.

Kann das die jetzige Mannschaft?

Wirtz Ein Großteil sicherlich ja. Wir haben den Vorteil, dass im Handball viele Akademiker dabei sind, die studieren bzw sich ihr Studium mit dem Handball auch ein Stück weit finanzieren. Und es gibt diejenigen, die sich in der Zweiten Liga einen Traum erfüllen wollen, die dann sagen: Ich probiere es für ein Jahr.

Herr Rogawska, ist Ihr jetziger Kader stark genug für die Zweite Liga?

Rogawska Grundsätzlich finde ich, dass wir eine sehr gut zusammen gestellte Mannschaft haben, sonst würden wir auch nicht so gut in der Tabelle stehen. Aber, wie das so ist: Natürlich können wir uns noch auf der einen oder anderen Position verstärken. Das ist kein Geheimnis, das ist wohl in jeder Sportart so.

Wirtz Da muss man auch sehen, dass wir eine Verantwortung für die Spieler haben. Unser Ziel ist, soviele Spieler wie möglich mit nach oben zu nehmen. Aber man muss sich bei jedem auch fragen: Kann der Spieler in der Zweiten Liga bestehen? Einige Jungs sind an ihrer Leistungsgrenze, sie würden eine Liga höher nur auf der Bank sitzen. Das hilft ihnen ja nicht. Andererseits musst du auch berücksichtigen, mit wieviel Herzblut jeder dabei ist. Manchmal ist es besser, einen Spieler zu holen oder zu halten, der sich zerreißt, um 100 Prozent zu geben, schlichtweg, weil er gut für die Mannschaft und das interne Klima ist. Das ist dann besser als ein Spieler, der 120 Prozent bringen könnte, aber nur 80 Prozent auch tatsächlich umsetzt.

Und Sie als Trainer, Herr Rogawska? Bilden Sie sich für die Zweite Liga gezielt fort?

Handball bei der HSG (im Bild: Tim Gentges) boomt: Die Glockenspitzhalle ist bei den Heimspiele der Eagles stets gut gefüllt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Rogawska (schmunzelt) Nein, nicht gezielt. Ich habe ja schon in der Ersten und Zweiten Liga gearbeitet und weiß, was da auf mich und die Mannschaft zukommt.

Zurück zur Wirtschaftlichkeit: Grundsätzlich aber werden Sie auch im Etat ordentlich draufsatteln müssen.

Wirtz Wir werden unseren aktuellen Etat verdoppeln müssen, ja.

Wow.

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Wirtz Ja, das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen und werden. Wir sind nach wie vor auf Sponsorensuche, um das zu stemmen.

Gibt es eine Größenordnung, welcher Etat für die Zweite Liga Usus ist?

Wirtz Die Deutsche Handball-Liga gibt so eine Art Ratgeber für potenzielle Aufsteiger heraus, was zu beachten ist und dergleichen. Ein Thema ist darin auch der Etat. Angegeben ist dort, dass man für den Einstieg in die Liga mit 700 bis 800.000 Euro rechnen muss. Dann spielst du um den Verbleib in der Liga mit.

Wie wichtig sind da Zuschauereinnahmen?

Wirtz Sehr wichtig. In der Dritten Liga machen sie bei uns etwa 15 bis 25 Prozent des Etats aus. Wir haben einen Schnitt bei den Heimspielen von etwa 700, damit sind wir das beste Westteam der Liga. Im Norden ist der Schnitt höher, da reden wir von um die 2000 Besucher. Das würde uns natürlich auch gut tun. Man muss auch deutlich sagen: Finanziell sind wir nicht das Spitzenteam in der Dritten Liga.

Aber so solide, dass Sie für die Zweite Liga zugelassen werden?

Wirtz Davon gehen wir aus. Bis Ende Februar müssen wir die Lizenz beantragen. Ende März werden wir dann die Wirtschaftlichkeit nachweisen müssen. Bis dahin muss also auch unser finanzielles Konzept stehen. Dazu suchen wir noch Sponsoren.

Den einen Großen, wie etwa beim KFC Uerdingen?

Wirtz Nein, eigentlich nicht, auch wenn wir uns nicht gegen einen Größeren wehren würden. Mir sind aber viele kleinere Geldgeber lieber. Wenn da einer wegbricht, ist es einfacher, diese Lücke aufzufangen, als bei dem Wegfall eines großen. Auch dieses Konzept hat sich in der Vergangenheit bei uns bewährt.

Muss die HSG noch professioneller werden?

Wirtz Grundsätzlich würde sich bei einem Aufstieg strukturell etwas ändern müssen, allein schon aufgrund der Vorschriften, die wir zu beachten haben. In der Ersten oder Zweiten Liga müssen wir von unserer Struktur her von der bisherigen OHG (offene Handelsgesellschaft, die Red) zu einer GmbH werden. Das hatten wir aber ohnehin schon seit Längerem überlegt. Mit einer Umwandlung müssen wir dann auch die Personalstruktur entsprechend anpassen. Wir sind zurzeit dabei, dies zu prüfen. Übrigens unabhängig vom Aufstieg.

Und in Sachen Infrastruktur? Der Umzug in die Glockenspitzhalle war ja ein lang gehegter Wunsch.

Wirtz Wir sind mit der Halle sehr zufrieden. Der Boden ist neu, die Anzeigetafel auch. Sie wird in der Zweiten Liga völlig ausreichend sein, auch wenn ein paar Kleinigkeiten noch gemacht werden müssen. Aber das ist kein Problem.

Würde da ein erfolgreiches deutsches Abschneiden bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land helfen? Heute geht’s ja um 18.15 Uhr gegen Korea los.

Wirtz Kurzfristig sicherlich ja. Wir haben das ja 2007 gemerkt, als plötzlich ein Boom eingesetzt hat (2007 holte Deutschland bei der Heim-WM den Titel, die Red.). Aber: Der Boom war nicht nachhaltig. Das ist sehr schade.

Welche Veränderungen haben sich denn seither ergeben?

Wirtz Nicht nur positive, finde ich. Im Profisport hat die Begeisterung zugenommen, die Erste und zweite Liga brummen, und die sportliche Qualität dort ist herausragend. Dementsprechend sind dort auch die Zuschauerzahlen. Aber: Der lokale Bereich, die Basis, verliert. Das habe ich in den Jahren meiner Arbeit bei Adler Königshof erlebt.

Apropos Basis: Als sich die HSG gegründet hat, gab es aus der hiesigen Handball-Szene arge Bedenken. Die Befürchtungen waren, dass die besten Spieler dann wechseln würden. Wie ist die Akzeptanz der Eagles inzwischen?

Wirtz Ich glaube, dass wir diese Vorurteile ganz gut entkräftet haben. Die Resonanz und Rückmeldung der anderen Clubs aus der näheren Umgebung geht dahin, dass wir als Speerspitze des Krefelder Handballs angesehen werden. Darüber freuen wir uns sehr.

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