Krefeld: Hommage an Israels Königin der Bühne

Krefeld: Hommage an Israels Königin der Bühne

Am Freitag eröffnet das Theater eine besondere Ausstellung: Eine Biografie im Comic-Stil erinnert an die 2014 verstorbene Schau-spielerin und Freiheitskämpferin Channa Maron.

Sie war ein Kinderstar der Weimarer Republik. Sie spielte in Fritz Langs Filmklassiker "M", war das erste Pünktchen auf der Berliner Theaterbühne in Erich Kästners "Pünktchen und Anton", filmte an der Seite von Emil Jannings und Hans Albers und spielte unter der Regie von Max Reinhardt. Doch in Deutschland ist Channa Maron heute vielen kein Begriff - auch nicht unter ihrem Geburtsnamen Hanna Meierzak. Bereits als Zehnjährige ist sie mit ihren Eltern 1933 aus Berlin vor den Nationalsozialisten geflüchtet - zunächst nach Paris, dann nach Palästina. Ihre Heimat wurde Israel. Aus dem begabten Kind wurde dort ein gefeierter Star. Als Channa Maron 2014 in Tel Aviv starb, trauerte das Land um seine Königin der Bühne.

Verschiedene Gesichter einer außergewöhnlichen Frau: David Polonsky zeigt sie als Bühnenstar und hinter den Kulissen. Foto: Goethe Institut Israel

Zwei Jahre nach dem Tod der 92-Jährigen setzten Barbara Yelin und David Polonsky der außergewöhnlichen Frau ein außergewöhnliches Denkmal: Sie erzählten Stationen aus Channa Marons bewegter Biografie jeweils als Graphic Novel - Zeitgeschichte in Comic-Strip-Stilistik. Das Wagnis glückte. Der israelische Illustrator und Animator Polonsky ("Waltz with Bashir") und die deutsche Comic-Künstlerin Barbara Yelin ("Irmina") haben auf Einladung des Goethe-Instituts je zehn Episoden als Plakate entworfen. "Vor allem eins: Dir selbst sei treu" heißt die Wander-Ausstellung über die Schauspielerin Channa Maron, die Matthias Gehrt am Freitag, 18. Mai, um 18.45 Uhr im Glasfoyer des Theaters eröffnet. "Krefeld ist der zehnte Ausstellungsort in Deutschland. Auch in Israel wurde die Ausstellung bereits in mehreren Städten gezeigt, das Interesse ist hoch", sagt Hadassa Levy vom Goethe Institut Tel Aviv.

Foto: Goethe Institut Israel

Polonsky und Yelin zeigen in staken, plakativen Farben eine Grande Dame der Schauspielerei, aber sie zeigen auch die politisch Aktive, die Friedensaktivistin und deren Verwundungen und Narben. Ein bewegtes Leben. Maron war dreimal verheiratet, war befreundet mit Moshe Dayan und Yitzhak Rabin und sah mit ihren polnisch-ungarisch-deutsch-jüdischen Wurzeln die dringende Verpflichtung, für den Frieden zu kämpfen. Im Zweiten Weltkrieg war sie Soldatin in der jüdischen Brigade der britischen Armee, später aktiv bei den Friedensorganisationen in Israel und Gast bei der Unterzeichnung des Oslo-Friedensprozesses in Washington. Sie plädierte für einen eigenen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967. Aber sie bekannte stets, dass Israel ihre Heimat war. 1974 erhielt sie mit den Israel-Preis.

In Deutschland schrieb sie 1970 Schlagzeilen. Damals war sie auf einem Flug nach London bei einer Zwischenlandung in München Opfer des Handgranaten-Anschlags arabischer Guerillas auf die Transitpassagiere der israelischen Fluggesellschaft El Al geworden. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben, elf wurden schwer verletzt. Channa Maron, damals 46 Jahre alt, verlor ihren linken Fuß. Im Krankenhaus in München bekam sie säckeweise Genesungspost und reichlich Besuch - auch von Erich Kästner. Aber mit Deutschland, dem Land, dem sie tiefe seelische Wunden verdankte, wurde sie nie mehr warm.

Ihre Energie büßte die Schauspielerin nie ein. Auch mit Prothese stand sie auf der Bühne. Ihre erste Rolle nach der Genesung war die Medea. Ihre Letzte spielte sie 2011 - mit 89. Das Guinness-Buch der Rekord führt sie als dienstälteste Schauspielerin der Welt.

(RP)