Krefeld: Höchstspannungsleitung: Amprion legt fehlendes Gutachten vor

Krefeld : Höchstspannungsleitung: Amprion legt fehlendes Gutachten vor

Im April vor drei Jahren hätte die neue Höchstspannungsleitung der Firma Amprion entlang der Kleingärten in Tackheide in Betrieb gehen sollen. Doch der Netzbetreiber hatte die Rechnung ohne die Stadt Krefeld und deren Bürger gemacht. Die klagten vor dem Bundesverwaltungsgericht und bekamen Recht. Es fehlten Unterlagen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Kommune und Anlieger verlangen einen größeren Abstand zur Bebauung und eine Verlegung als Erdkabel.

Amprion hat sich eine Menge Zeit gelassen, um die fehlenden Unterlagen nachzuliefern. Wie die Stadt Krefeld gestern mitteilte, liegen die Gutachten jetzt vor. Amprion habe einen Antrag auf Planergänzung gestellt. Das Vorhaben umfasst den Neubau einer rund 7,3 Kilometer langen 380-kV-Höchstspannungsfreileitung. Es stelle den Lückenschluss dar, um die Energieversorgung für die Stadt Krefeld und Umgebung auf dieser Spannungsebene langfristig zu sichern. Es seien 23 neue Masten vorgesehen, durch den Rückbau entfielen allerdings auch 17 Masten, erklärte die Stadt gestern. Die nun eingebrachten Unterlagen enthalten einen Erläuterungsbericht, eine Geräuschprognose und solche über die Umweltauswirkungen. Sie sind im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit ab Mittwoch, 19. April, bis zum 18. Mai beim Fachbereich Vermessungs- und Katasterwesen an der Friedrichstraße 25 während der Dienstzeiten einzusehen. Einwendungen dagegen sind bis zum 1. Juni auf verschiedenen Wegen möglich.

Hintergrund des Verfahrens ist die Klage der Stadt gegen den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Düsseldorf. Das Gericht stellte am 17. Dezember 2013 die Rechtwidrigkeit und Nichtvollziehbarkeit des Planfeststellungsbeschlusses fest. Aus Sicht des Gerichts könne die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung in einem ergänzenden Verfahren nachgeholt werden. Das soll jetzt passieren. Die Stadt hat ihre Haltung in offiziellen Vorgesprächen - so genannten Scoping Terminen - bereits mehrfach vorgetragen und begründet. Demnach sind räumliche Alternativen (eine Verlegung der Trasse nach Westen) ebenso zu untersuchen wie technische Alternativen (Verlegung auf der ursprünglichen Trasse als Erdkabel). Darüber hinaus habe insbesondere die Beurteilung der elektrischen und magnetischen Wirkungen auf Mensch und Natur nicht auf einen Berechnungspunkt, sondern auf die Fläche zu erfolgen.

Die Verantwortlichen bei Amprion machen sich keine Illusionen: Sollte eine erneute Prüfung der Unterlagen zum Bau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung durch Tackheide und Benrad nicht zur Zufriedenheit der Stadt oder der Bürgerinitiative ausfallen, sei mit erneuten Klagen zu rechnen, sagte Amprion-Sprecher Andreas Preuß.

(sti)
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