Höchste Ehrung der DLRG für Krefelder Ortsgruppenvorsitzenden Krokowski.

Ehrung für DLRG-Arbeit : Lebensretter aus Passion

Joachim Krokowski wird mit dem Verdienstabzeichen der DLRG in Gold mit Brillant geehrt. Seine Frau erhält das Abzeichen in Silber. Aus diesem Anlass blicken beide auf ihr Leben im Dienst der Lebensrettung zurück.

Wenn Joachim und Roswitha Krokowski über ihre Zeit bei der DLRG reden, dann sprudeln Geschichten aus ihnen hervor. Schöne, aber auch weniger schöne. Die für beide prägendste spielte sich einst bei der Prüfung zum Lebensretter-Grundschein, dem heutigen Rettungsschwimimerschein in Silber, ab. „Ich war damals bei der DLRG in Linn, Rosi war in Bockum. Wir kannten uns nicht und hatten eigentlich auch gar nicht zusammen die Prüfung. Aber im Becken sollten wir unsere Tauchprüfung gemeinsam machen. Sie in die eine Richtung, ich in die andere. Unter Wasser stießen wir mit den Köpfen zusammen. So haben wir uns kennengelernt“, erzählt Joachim „Joschi“ Krokowski lachend und fügt augenzwinkernd hinzu „Von dem Zusammenstoß habe ich mich bis heute nicht erholt.“

Es entstand eine Ehe in der sich vieles um die Rettung von Menschen und fast alles um das Wasser drehte. „Wir haben Anfangs die Wache am Elfrather See und an einem Abschnitt des Rheins übernommen. Die jungen Menschen, die erstmals eine Saison absolviert haben, wurden dann getauft. Ich war als Neptünchen, der Vertreter Neptuns, verkleidet und gab ihnen die Aufgabe, etwas vom Grund des Wassers zu holen und dann mit dem Gegenstand auf dem Kopf ein Gedicht zu rezitieren. Wenn sie Fehler machten mussten sie ein Getränk trinken, das meine Frau angemischt hat. Das schmeckte nicht gut, war aber durchaus gesund“, erzählt er lachend.

In den Rettungsdiensten kam es immer wieder zu kritischen Situationen. „Meine erste Lebensrettung war ein Mann, der zu viel gegessen und getrunken hatte. Er ging dann bei großer Hitze in den Elfrather See, tauchte ganz normal unter, aber nicht wieder auf. Ich habe es vom Turm gesehen und wir sind sofort ins Wasser und haben ihn rausgezogen. Er hat überlebt“, erinnert sich Ehemann Joschi. Doch nicht immer sei es gut ausgegangen. „Einmal“, sagt seine Frau Rosi, „wurden wir wegen eines Randalierers am Regattasee gerufen. Der hatte Streit mit anderen Badenden und war betrunken und verletzt. Er weigerte sich, ins Krankenhaus zu fahren und auch die Polizei ließ ihn wieder laufen. Wenig später ging er trotz starker Alkoholisierung ins Wasser und ertrank.“

Noch schlimmer sei der Tod eines Jungen gewesen, der im Badesee ertrank. „Der Vater war mit ihm zu den Pontons geschwommen, wo sie sich sonnten. Als der Vater zurück an Land wollte, war der Sohn weg. Auch die Taucher fanden ihn nicht. Erst zwei Tage später wurde die Leiche, die unter den Pontons eingeklemmt war, gefunden“, erinnert sich Joschi traurig. Erschüttert war er damals über die Reaktionen der Menschen. „Die wollten nur, dass der See wieder freigegeben wird. Dass da vermutlich irgendwo ein toter Junge drin ist, hat viele nicht gestört und auch die Stadt hat Druck gemacht“, erinnert er sich bitter.

Sein Leben widmete er auch dem Schwimmunterricht. Wie vielen Kindern er beigebracht hat, sich im nassen Element zu bewegen, weiß er nicht. Aber es waren viele. „Heute werden immer mehr Bäder geschlossen und viele Kinder können nicht schwimmen. Das halte ich für sehr gefährlich“, sagt der 70-Jährige, der seit 2004 Vorsitzender des DLRG-Ortsvereins Uerdingen ist. Frau Rosi war immer mit dabei und arbeitete überdies im Sportamt der Stadt. Als vor Jahren die Decke des Bockumer Badezentrums herunterkam war sie zufällig vor Ort. „Zwei Minuten eher und ich hätte die Platten abbekommen“, erinnert sie sich.

Nach einem bewegten Vereinsleben und 47 bzw. 57 Jahren Mitgliedschaft werden bei der kommenden Mitgliederversammlung beide geehrt. Joschi mit der höchsten Auszeichnung des Vereins, dem Verdienstabzeichen in Gold mit Brillant, Frau Rosi mit dem Verdienstabzeichen in Silber. Ein Ende ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ist dabei nicht absehbar. Die DLRG ist ihrer beider Leben und die Liebe für das, was sie tun ist aus jedem Wort heraus zu hören. Zwar sei die Arbeit heute durch bürokratische Hürden schwerer geworden, aber Familie Krokowski wird dessen ungeachtet weiter dabei bleiben.