Krefeld: Hindus planen Tempelbau in Krefeld

Krefeld: Hindus planen Tempelbau in Krefeld

Der Hinduistische Kulturverein will in Linn am Bruchfeld direkt an der A 57 Europas größten Hindutempel bauen. Die Grundstücksverhandlungen laufen schon, die Finanzierung des 1,5 Millionen Euro teuren Projektes soll über Spenden erfolgen. Die Stadt hat erste Vorgespräche geführt.

Die Krefelder Hindus haben Großes vor — einen Tempelbau von europaweit einmaligem Ausmaß plant der Hinduistische Kulturverein, der vom Krefelder Tamilen Navaratnam Jeganathan (53) geleitet wird. Bisher ist der "Sri Kamadchi Ampal Tempel" in Hamm mit 700 Quadratmetern Grundfläche und 17 Meter hohen Türmen der größte Europas.

Dies ist der Aldi-Markt in Linn, hinter dem sich der Hinduistische Kulturverein ansiedeln will. Der größte Turm des Tempels soll 17 Meter hoch sein. Foto: Thomas Lammertz

"Wir werden größer", sagte Pretheeb Jeganathan, Sohn des Vereinsvorsitzenden, gestern unserer Zeitung. Der Krefelder Tempel für die Hindu-Göttin "Sri Nagambal" soll weit über den Baumbestand an der A 57 in Höhe Linn hinausragen und für Autofahrer deutlich sichtbar sein. Die Spitze soll zu Ehren der Göttin Ganesha mit Elfenbein verkleidet werden.

Der Verein hat seine Pläne am Wochenende in der Schutzengelpfarre Oppum vorgestellt: 760 Quadratmeter Grundfläche würde der Krefelder Tempel haben. Die Baukosten betragen laut Verein etwa eine Millionen Euro, die allein aus Spenden und Darlehen finanziert werden sollen. Die Kosten für das 3500 Quadratmeter große Grundstück in Linn betrüge 350 000 Euro.

Der große Turm (Raja Gopuram) soll 17 Meter hoch sein. Der hintere Turm (Tubi) soll elf Meter hoch sein, der Tempel fünf Meter hoch. Das Bauamt und die Politik sind laut Verein schon informiert. Die Krefelder Stadtverwaltung bestätigte gestern: "Es haben erste beratende Vorgespräche stattgefunden, allerdings noch nichts Konkretes, da nicht einmal ein Grundstück ausgesucht ist", sagte Stadtsprecherin Angelika Peters.

Die Finanzierung des Tempels stellt aus Sicht des Vereins kein großes Problem dar. "Wir haben auch mit Leuten aus Hamm gesprochen, die den dortigen Tempel betreiben. Wir wollen das über Spenden regeln und setzen darauf, dass wir schnell Reaktionen erhalten", sagt Pretheeb Jeganathan. 1,5 Millionen Euro beträgt der Gesamtinvestitionsbedarf. 80.000 Euro bringe der Verein als derzeitiges Eigenkapital ins Projekt, sagt Jeganathan. Für die Spendenakquise liefen auf tamilischen Internetsendern bereits erste Werbespots.

Mit der Sparkasse habe man bereits gesprochen, aktuell liefen die Grundstücksverhandlungen mit einem Immobilienmakler über das Gelände hinter dem Aldi-Markt in Linn, direkt an der Autobahn 57. "Wir sind da auf einem guten Weg, der Makler hat gesagt, dass er uns in vier Wochen Bescheid geben kann", sagt Pretheeb Jeganathan. Aus ganz Europa würden die Hindus nach Krefeld kommen, wenn der Tempel gebaut ist, sagt er. Er rechnet mit einer Fertigstellung im Jahr 2015.

Die ersten Statuen hat der Verein bereits bestellt. die größte Statue für die Göttin "Sri Nagambal" kostet 5000 Euro und soll bald aus Indien per Schiff angeliefert werden.

Der ursprünglich in Indien beheimatete Hinduismus ist mit 900 Millionen Anhängern (13,3 Prozent der Weltbevölkerung) die drittgrößte Weltreligion. Der Hinduismus vereint mehrere religiöse Positionen; alle Hindus eint aber der Glaube an eine Vielzahl an Ritualen und Göttern. Wie viele Hindus genau in Krefeld wohnen, ist nicht bekannt. Laut statistischem Jahrbuch leben 100 Inder und 350 aus Sri Lanka in Krefeld. Teile sind im Verein Hinduistischen Kulturverein organisiert, der seinen Sitz Am Wamershof in Schicksbaum hat. Früher hatte der Verein einen Tempel an der Girmesgath, dort gab es internen Streit. Jetzt will der Hinduistische Kulturverein neu bauen.

(RP)
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