Herbert-Zangs-Ausstellung in Krefeld: Startschuss als Galerist, von Norbert Stirken

Bildende Kunst : Zangs-Ausstellung: Startschuss als Galerist

Jörg Dausend freut sich auf den 2. Februar. Dann ist die Finisage seiner ersten Ausstellung mit Arbeiten von Herbert Zangs. Für den 52-jährigen Traarer ist der vorläufige Schlusspunkte ein Anfang. Er will  in Krefeld eine Galerie eröffnen und führt bereits Gespräche mit renommierten Künstlern. Zangs löse in Krefeld Kontroversen aus – offenbar beanspruchen einige wenige in der Stadt die Deutungshoheit über das Werk des Avantgardisten.

Der Künstler Herbert Zangs löst auch gut 15 Jahre nach seinem Tod in seiner Heimatstadt Krefeld vielfältige Reaktionen hervor. Jörg Dausend hat es erlebt. Der Traarer ist seit Kindesbeinen ein Freund der Kunst. Als Gleichaltrige lieber Fußball spielten, faszinierten ihn Gemälde, Skulpturen und Installationen. „Das ist bis heute so geblieben“, sagt der 52-jährige selbstständige IT-Spezialist.

Vor rund 30 Jahren habe er in der Galerie Benden in Viersen-Süchteln die erste Arbeit von Zangs gekauft – eine Verweißung, für die der Künstler mindestens genau so berühmt wie umstritten ist. In der Übermalung von Alltagsgegenständen in den 1950er Jahren war er seiner Zeit und einem anderen berühmten Krefelder voraus – Joseph Beuys. Zangs entdeckte den so genannten  erweiterten Kunstbegriff früher als der große Provokateur Beuys ihn zu intellektualisieren verstand. Allerdings fiel Zangs auch dadurch auf, dass er einige eben dieser Arbeiten vordatierte.

Für Dausend spielt das nicht die wesentliche Rolle. Allerdings sah er sich bei der Ausstellung von gut 50 Werken in einem gemieteten Ladenlokal an der Marktstraße genau deshalb einigen Verdächtigungen ausgesetzt. Es kam zu lautstarkem Meinungsaustausch. Offenbar, so Dausend, beanspruchen einige wenige in Krefeld die Deutungshoheit über die Arbeiten von Herbert Zangs. „Wir sind dabei, für alle Werke einen Echtheitsnachweis zu finden“, sagt der Traarer. Für mehrere Materialbilder gebe es Galerie-Rechnungen oder Originalquittungen von Zangs.

Die typische Zangs-Symbolik. Foto: Norbert Stirken

Neben den kritisch eingestellten Kunstfreunden gibt es eine große Schar wahrer Zangs-Enthusiasten. Selbst Namensvettern und Familienangehörige hätten die Ausstellung besucht und sich im Gästebuch eingetragen. Viele Interessierte seien zu den Öffnungszeiten gekommen und selbst in den seltenen Fällen, in denen die Räume unplanmäßig offen waren – etwa beim Gespräch mit dem Redakteur der Rheinischen Post – drängten Besucher in die temporäre Galerie.

Strukturen in Rottönen. Foto: Norbert Stirken

Aus der temporären Galerie möchte Dausend eine Dauereinrichtung  machen. Er führt bereits Gespräche um die Arbeiten namhafter Künstler wie Willi Baumeister zeigen zu können. Ob die neuen Räume dann an der Markstraße sein werden, steht noch in den Sternen. Für die Zangs-Präsentation war die Marktstraße ideal. Dort lagerte in einem Keller einst ein Großteil seiner Arbeiten. Der Bezug war also da.

Weiß übermaltes Materialbild. Foto: Norbert Stirken

Dausend ist ein großer Freund der Zero-Bewegung und favorisiert aus der Riege der Vorzeigeprotagonisten ganz besonders Heinz Mack. Neben dessen Werken verfügt der 52-Jährige Vater dreier Kinder über Arbeiten des Jungen Wilden Walter Dahn (geboren in St. Tönis), von El Loco aber auch so prominenter Namen wie Jörg Immendorff. „Von ihm habe ich ein Objekt in meiner Sammlung“, sagte er – eine Dose mit „einer Biene und einem Affen drauf“.

Objektkunst des Krefelders. Foto: Norbert Stirken

Einen Großteil seiner Zeit verbringt der Wahl-Krefelder seit 1990 auf Auktionen, Messen und bei Vernissagen. Dausend besuchte bereits die Art Cologne als sie noch unter anderem Namen firmierte. „Meine Eltern waren leider nicht bereit, mir 7000 Mark für eine Arbeit von Gerhard Richter zu leihen“,sagt er. Richter ist heute der teuerste Künstler der Welt und die Arbeit ein Vielfaches wert. „Kunst ist für mich keine Wertanlage, sondern reine Leidenschaft“, betont Dausend.

Faltungen in Weiß. Foto: Norbert Stirken

Inzwischen legt der Traarer ein Augenmerk auf Comic und Streetart. Max Zorn hat es ihm angetan. Zorn ist ein Künstler aus Amsterdam in Holland, der Sticker aus braunem Klebeband und einem Skalpell erstellt. Hauptsächlich klebt er diese auf Laternen und andere Lichtflächen. „In diesem Genre stehe ich noch ganz am Anfang“, berichtet er. Entscheidend bei seinen Kaufentscheidung sei das Bauchgefühl. Da bewundere er auch seine 20-jährige Tochter. Sie teile seine große Kunstbegeisterung und habe ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Bilder. Sie sei schon jetzt auserkoren, sich einmal um seinen Nachlass zu kümmern. Bis dahin will er aber noch einige schöne Kapitel in der Kunst schreiben – als Galerist in Krefeld.

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