Helios Cäcilien Hospital Hüls hat eine Geriatrie mit Memory-Station

Medizin in Krefeld : Geriater – ein Lotse für ältere Patienten

Im Helios Cäcilien-Hospital gibt es einen geschützten Bereich für Demenzerkrankte: die Memorystation.

(RP) Drei Millionen an Demenz Erkrankte in Deutschland – diese Vision könnte im Jahr 2050 Realität sein, sollte kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingen. In einer Gesellschaft, die schon jetzt 1,6 Millionen Demenzkranke versorgt, richtet sich der Blick auf die Geriatrie, die sich auf die Diagnostik und Behandlung älterer Menschen spezialisiert hat. Dr. Friedhelm Caspers, Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation am Helios Cäcilien-Hospital Hüls erläutert die Herausforderungen und die Zukunft der Altersmedizin.

Im Jahr 2017 wurden mehr als 1500 geriatrische Patienten von Ihnen und Ihrem Team betreut. Welche Herausforderungen stellen sich bei der Behandlung (hoch-) betagter Menschen?

Friedhelm Caspers Ein geriatrischer Patient definiert sich nicht über sein Alter, sondern über eine gewisse Mehrfacherkrankung. Unsere Aufgabe ist es, Betroffene vor den Folgen schwerer Akuterkrankungen und vor chronischen Leiden zu bewahren. Ziel unseres fachübergreifenden Ansatzes ist es, den Menschen möglichst hohe Lebensqualität in ihrer häuslichen Umgebung zu erhalten, sie darin zu fördern, viele Dinge weiterhin selbständig zu bewältigen und bei Bedarf Hilfen anzubieten. Geriatrie ist immer ein Teamprozess: In der Zusammenarbeit aus Ärzten, Pflege, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Seelsorge, Sozialarbeit, Ernährungsberatung und Psychologen ermitteln wir individuell, wo genau der Schuh drückt.

Was bietet die Hülser Geriatrie für Behandlungsangebote?

Caspers Neben der normalen geriatrischen Station gibt es in Hüls einen besonders geschützten Bereich, die sogenannte Memorystation. Die Station hat ein speziell gestaltetes Wohnzimmer im 1960er-Jahre-Stil. Hier zielt alles auf ein gemeinsames Erinnern ab – daher auch der Name der Station. Darüber hinaus gibt es seit 2001 die Geriatrische Tagesklinik mit zwölf Plätzen – die einzige in Krefeld und im Kreis Viersen. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Patienten bereiten sich hier Schritt für Schritt auf eine komplette Rückkehr in den gewohnten Alltag vor.

Wie hat sich die geriatrische Behandlung in den letzten Jahren verändert?

Caspers Unsere Behandlung kaum, aber die der gesamten medizinischen Versorgung hat sich gewandelt: Heute gibt es fast keine Altersbegrenzungen mehr. Auch bei hochbetagten Menschen werden noch alle Eingriffe vorgenommen – wie etwa der Einsatz von neuen  Herzklappen. Es stehen deutlich mehr Medikamente zur Verfügung, die die Lebensqualität verbessern können. Gleichzeitig ist die Anspruchshaltung älterer Menschen eine andere geworden: Sie wollen deutlich länger am aktiven Leben teilnehmen.

Was macht die Pflege so aufwändig?

Caspers An erster Stelle die Multimorbidität – also die Mehrfacherkrankungen. Dann sind viele unserer Patienten stark in ihrer Mobilität eingeschränkt, sind harn-und/oder stuhlinkontinent, leiden an kognitiven Einschränkungen und zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Einige sind von Depressionen und Vereinsamung betroffen. Geriatrische Patienten klagen oft über chronische Schmerzen – dahinter steckt häufig der Wunsch nach jemanden, der sich um sie sorgt. Auch das müssen wir auffangen.

Was bringt die Zukunft? Werden wir irgendwann von Robotern gepflegt?

Caspers Pflege braucht immer Einfühlungsvermögen – in der Geriatrie besonders, denn hier ist zusätzlich ein empathischer Umgang mit den Angehörigen von großer Wichtigkeit. Einen Pflegeroboter, der wäscht und füttert, kann ich mir nicht vorstellen. Aber die Chancen der Digitalisierung kommen auch älteren Menschen zu Gute. In einem „smart home“ könnten intelligente Lautsprecher mit Spracherkennung Hilfestellung leisten, auch möglicherweise gesundheitliche Zustände der Bewohner erkennen und melden. Ein vernetzter Kühlschrank bestellt Lebensmittel nach – ein Vorlesecomputer unterstützt, wenn die Augen schlechter werden.

Können Sie sich vorstellen, dass es irgendwann spezielle Krankenhäuser nur für ältere Patienten gibt?

Caspers Außerhalb der Gerontopsychiatrie macht das keinen Sinn. Eine Klinik benötigt Experten, die in ihrer jeweiligen Fachdisziplin absolute Spitze sind und dann on-top eine Vernetzung mit einer Geriatrie, die den ganzheitlichen Blick bewahrt. Ich begreife Geriatrie als Allgemeinmedizin für ältere Menschen. Sonst fehlen Allgemeinmediziner an Krankenhäusern ja – geriatrische Patienten haben diesen Allrounder mit dem Geriater an ihrer Seite.

(RP)
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