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Hans Butzen – der König von Hüls: ein Porträt

Krefeld Kommunalpolitik : Hans Butzen – der König von Hüls

Der Kommunalpolitiker Hans Butzen schien schon einmal auf dem absteigenden Ast zu sitzen. Als Bezirksvorsteher von Hüls hat er wieder an Einfluss gewonnen. Und er nutzt virtuos wie kaum ein anderer Kommunalpolitiker Facebook.

Als die Grünen für ihr Puppentheater zum Politischen Aschermittwoch die Figur des Bello Butz erfanden, konnte man den Eindruck haben, dass die Laufbahn des SPD-Ratsherrs Hans Butzen sich dem Ende zuneigt. Butzen war im Rat im Zusammenhang mit einer fehlerhaften Steuerrückzahlung in einer Weise Aggressor, die in dieser Hartnäckigkeit und Heftigkeit unter der Hand selbst SPD-Leuten peinlich war. Doch Butzen hielt sich, auch als die SPD den Sessel des Oberbürgermeisters erobert und die Fraktion noch unter ihrem Fraktionschef Uli Hahnen von Konfrontation auf Kooperation mit der CDU umschaltete. Butzen hat es wie kaum ein anderer Kommunalpolitiker verstanden, seine Rolle als Bezirksvorsteher in Hüls zur Profilierung zu nutzen. Heute ist er quasi Hans I., König von Hüls, der von dort aus klarmacht, dass mit ihm zu rechnen ist.

Im Gespräch mit unserer Redaktion stellt er klar, dass er bei der Kommunalwahl 2020 noch einmal antritt, dann 70 Jahre alt. „Es macht mir Spaß“, sagt er, „und ich glaube, dass ich intellektuell noch so weit auf der Höhe bin, dass ich für die SPD mit dazu beitragen kann, deren politische Ziele umzusetzen.“ Als die Rede auf Bello Butz kommt, lächelt Butzen und sagt sofort: „Butzen, der Wadenbeißer.“ Man müsse, sagt er auf die Frage, ob ihn das verletzt habe, „ein Ehr- und Selbstgefühl haben, aber man muss sich auch karikieren lassen“. Das ist, soweit man so etwas von außen beurteilen kann, keine Attitüde. Butzen ist so weit Profi, dass er mit Kritik umgehen kann. Er teilt aus, er steckt ein. Das gehört für ihn zum politischen Betrieb.

Butzen hat auch wie kein anderer Kommunalpolitiker Krefelds die sozialen Netzwerke als Kommunikationsplattform zu nutzen gelernt. Ausgenommen Oberbürgermeister Frank Meyer, der bei Facebook und Twitter mit seiner professionell gestalteten „möglichmacher“-Kampagne längst den Wahlkampf eröffnet hat. Die Zeit der Plakate mag noch kommen, aber viele Menschen erreicht man heute besser, auch: inhaltlich tiefer, digital.

Auch Butzen nutzt die Reichweite und Wirksamkeit sozialer Medien, wo immer es geht. Er hat bei Facebook fast 1100 „Freunde“, also Leute, die seine Facebook-Kommentare beobachten. 1100 – das ist in kommunalen Zusammenhängen eine relevante Öffentlichkeit. Butzen stellt seine Sicht der Dinge dar; im Ton oft berichtend, wobei er selbstredend die Rolle eines gewissen Hans Butzen nie zu erwähnen vergisst. So ist König Hans I. auch Erster Königlicher Korrespondent von Hüls. Und er macht das durchaus geschickt und nicht als plumpes Eigenlob.

Der gebürtige Hülser Butzen stammt aus einem sozialdemokratischen Elternhaus („mein Vater und zwei Onkel waren SPD-Mitglieder“), trat 1973 mit 23 Jahren in die SPD ein und war früh Gewerkschafter. Zur Kommunalpolitik kam er, als Hüls nach Kempen eingemeindet wurde. „Ich wollte Hüls nach Krefeld zurückholen“, sagt Butzen, „Kempen ist eine schöne Stadt, aber die organischen Anbindungen an Krefeld waren viel stärker.“

Die Gewerkschaft hat ihm indirekt eine beachtliche berufliche Laufbahn eröffnet. Butzen wurde über einige Stationen Leiter Personalreferat bei der ÖTV-Zentrale in Stuttgart. Personalchef: Dieser Linie folgte er; zuletzt war er Konzernbereichsleiter Personal/ Prokurist bei der TÜV Nord AG in Essen und Hannover. „Ich habe immer gern und viel gearbeitet“, sagt Butzen rückblickend. Es gilt aber wohl bis heute.

Das ist ein Schlüssel auch zu seiner politischen Laufbahn. Es habe Angebote gegeben, in die höhere Politik einzusteigen, doch er habe nie von der Politik abhängig sein und Berufspolitiker werden wollen, betont er. „Zugetraut hätte ich mir es“, sagt er zum Thema Aufstieg in die Landes- oder Bundespolitik, „Doch die gähnende Langeweile eines Hinterbänklers habe ich mir nie gewünscht.“ Nach dem Motto: Lieber in Hüls der Erste als in Düsseldorf der Soundsovielte sein.

Er sei als Hülser „der Liebe wegen“ nach Fischeln gezogen und lebt seit einigen Monaten wieder in Hüls. Heute ist er 69 Jahre alt, dreifacher Vater und dreifacher Großvater. Als Bezirksvorsteher, berichtet er, sei zur politischen Arbeit „das Repräsentative“ dazugekommen. Er sagt über sich, er sei „ein politischer Mensch durch und durch“ und ein streitbarer Mensch. Aus seiner Zeit als Personalchef habe er gelernt, dass es in Verhandlungen gut sei, „dem Gegenüber die Chance zu lassen sich als Sieger zu fühlen“.

Auf diesem Satz kaut man schon etwas herum, denn Butzen wirkt wie jemand, der selbst sehr gern Sieger ist und gern auch so dasteht. Er sieht sich in der SPD-Fraktion als Meinungsbildner. Mindestens beim Thema Schwimmbad für Hüls hat er Fraktion und Verwaltung vor sich hergetrieben, weil er klar die wahlentscheidende Bedeutung des Themas erkannt hat. Aus Sorge, dass die SPD das Thema vergeigt, hat er sogar einen „Brandbrief“ geschrieben.

Kampf, Spannung, Verhandlung, Streit, Streitschlichtung: Hans Butzen sagt, all das trage auch zu seinem Wohlbefinden bei. Die politische Bühne ist ohne Zweifel sein Element. Bis 75 will er weitermachen, „dann schauen wir mal, was danach noch kommt.“ Ruhestand? Bei einem wie ihm will man daran nicht so recht glauben.