Halsbandsittiche siedeln sich an den Niepkuhlen an

Neue Kolonie : Halsbandsittiche siedeln an Niepkuhlen

In vielen Städten gehören die grünen Kleinpapageien längst zum Stadtbild. In Düsseldorf oder Köln sind sie beliebt, aber sie hinterlassen auch Dreck. In Krefeld siedeln sie sich im Naturschutzgebiet an. Der NABU sieht keine Probleme.

Ihre Futterstation für Meisen und andere Körner fressende Singvögel füllt Brigitte Berlemann eigentlich täglich. „Ich bin eine Verfechterin der Ganzjahresfütterung“, sagt die Rentnerin, die am Heidedyk in Verberg wohnt. Hinter dem Haus liegt das Naturschutzgebiet Niepkuhlen. Entsprechend reichhaltig ist dort die Vogelwelt. Doch seit einiger Zeit bekommt Brigitte Berlemann ungewohnten Besuch von leuchtendgrün gefiederten Gesellen: Die aus anderen Städten am Rhein und in Süddeutschland bekannten Halsbandsittiche haben sich in einer neuen Kolonie in Krefeld angesiedelt. Schon vor einigen Jahren hatte sich eine Kolonie in Oppum niedergelassen.

„Das sind wirklich schöne Tiere, und ich freue mich, wenn sie kommen“, erzählt Berlemann. Natürlich seien die Vögel gerade am Futterplatz oft sehr laut. Aber eben auch hübsch anzuschauen und farbenfroh. Sogar an die Hunde der Familie haben sie sich gewöhnt und lassen sich nicht stören. Brigitte Berlemann hat bislang bis zu vier Tiere gleichzeitig an ihrem Futterspender gesehen. Nach Aussagen aus der Nachbarschaft sei die Niepkuhlen-Kolonie aber mindestens sieben Tiere stark.

Aus ökologischer Sicht ist nichts Bedenkliches daran, wenn die Tieren hier heimisch werden. Stefani Pleines, Ornithologin der biologischen Station Viersen sagt: „Aus ornithologischer Sicht empfinde ich sie als Bereicherung. Natürlich muss man bei Neozoen als neu eingewanderten Arten immer ein waches Auge haben, und es kommt auf die Größe der Population an. Aber bisher sind mir keine negativen Auswirkungen bekannt.“ Ihr Kölner Kollege Achim Kemper schlägt in eine ähnliche Kerbe. In der Domstadt sind die Tiere schon seit den 60er Jahren ansässig und es gibt einige Erfahrungswerte.

„Wir hatten zunächst Bedenken, sie könnten anderen Arten die Nisthöhlen streitig machen. Tatsächlich geschieht das auch bei der Hohltaube. Die brütet aber mehrfach im Jahr, und auch wenn die erste Brut gestört wird, so profitieren spätere Bruten sogar. Insgesamt haben sich die Bestände erhöht“, berichtet er. Die Sittiche weisen ein extrem großes Nahrungsspektrum auf und fressen neben den Früchten von rund 130 Pflanzen auch  Nüsse, Knospen, Blüten und Winterfutter. Damit stehen die Sittiche nicht in Nahrungskonkurrenz zu einheimischen Arten.

Die Naturschützer und Forscher sehen nichts Negatives in einer Ganzjahresfütterung der Halsbandsittiche. „Die Fütterung kommt grundsätzlich allen Arten gleichermaßen zu Gute. Wünschenswert wäre natürlich, wenn wir mehr Ackerrandstreifen, natürliche Hecken und dergleichen hätten. Dann könnten sich die Tiere grundsätzlich selbst ernähren. Im Sommer klappt das auch für gewöhnlich. Schaden tut das Füttern rund ums Jahr aber nach unseren Erkenntnissen nicht“, sagt Thorsten Wiegers von der NABU-Pressestelle.

Nach Einschätzungen von Vogel- und Naturexperten stellen die neu zugezogenen Vögel ökologisch kein Problem dar. Als Kulturfolger könnten sie höchstens in Städten für Schwierigkeiten sorgen, wenn ihre Zahl zu groß wird. Dann können Schmutz oder auch die Lautstärke ihrer Rufe zu einem Ärgernis werden. So ist zum Beispiel in Düsseldorf an der Königsallee der Fall. Wenn die Sittiche aber in einem Naturschutzgebiet leben, ihre Zahl im Rahmen bleibt, können sich die Menschen an den prächtigen Tieren mit dem leuchtend grünen Gefieder erfreuen.

Die Ansiedlung der Neozoen ist eine Folge der globalisierten Welt. Halsbandsittiche schädigen in ihren neu eroberten Gebieten allerdings nicht die heimische Flora und Fauna und richten auch keine Schäden an wie Wollhandkrabbe, Waschbär oder Ochsenfrosch. Deshalb hat Brigitte Berlemann großes Vergnügen an den possierlichen Tieren. Sie könnte die Sittiche auch ohne Schwierigkeiten anfüttern. Allerdings gilt es dann, auch damit zu leben, dass es mächtig laut werden kann. „Wenn wir vergessen, den Futterspender aufzufüllen, dann ist das Geschrei groß. Die Tiere beschweren sich wirklich lautstark“, erzählt sie lachend. Entlohnt wird sie für das Spektakel mit einem schönen Schauspiel an jedem Tag, wenn morgens und abends die Sittiche zu ihren Hauptmahlzeiten einfliegen. Die Berlemanns genießen dann meist ihren Logenplatz.