Krefeld: Gutachter gegen Erdkabel

Krefeld: Gutachter gegen Erdkabel

Die Starkstromleitung im Krefelder Westen wird trotz vieler Anwohnerwünsche wohl nicht als Erdkabel verlegt. Ein Gutachterbüro hat für die Stadt eine Studie erstellt: Gesundheitsgefahr besteht demnach nicht.

Das Gutachterbüro Oswald aus Hannover hat seine Studie zur umstrittenen 380-Kilovolt-Leitung durch den Krefelder Westen erstellt und viele Argumente gegen ein Erdkabel gefunden. Genau dieses Erdkabel hatten Anwohner im Krefelder Westen zuvor gefordert.

Die Firma Amprion will eine 7,3 Kilometer lange Freileitung mit 23 Stahlgittermasten im Krefelder Westen von Fellerhöfe bis St. Tönis bauen. Ein Bauantrag bei der Bezirksregierung ist eingereicht. Die Stadt hat eine Stellungnahme an die Behörde gesendet, in der sie sich gegen eine oberirdische "Freileitung" wendet. Das neue städtische Gutachten, das unserer Zeitung vorliegt, liefert jedoch jetzt der Firma Amprion Argumente für ihr Millionenprojekt.

Das Gutachterbüro hatte drei Varianten geprüft: ein reines Erdkabel, eine oberirdische Freileitung — dazu auch eine Zwischenlösung: teilweise Erdkabel, teilweise Freileitung. "Aus technischer, betrieblicher und wirtschaftlicher Sicht stellt die Freileitung eindeutig die zu bevorzugende Variante dar", heißt es im Fazit der Gutachter. Und selbst aus umweltfachlicher Sicht "haben sowohl die Freileitungs- als die auch (Teil)kabelausführung Vor- und Nachteile." Eine Gesundheitsgefahr sei durch die Freileitung nicht zu erwarten, schreiben die Gutachter. Gerade dies befürchten Anwohner.

Über Gesundheitsgefahr für den Menschen schreibt das Gutachterbüro: "Subjektiv werden die von einer Freileitung ausgehenden Felder von Teilen der Bevölkerung als Beeinträchtigung der Gesundheit oder zumindest des Wohlbefindens empfunden. Ein schlüssiger Nachweis einer gesundheitsgefährdenden Wirkung der von den Leitungen ausgehenden Felder wurde bisher allerdings nicht erbracht." Generell müsste Amprion alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten.

Zwar könnten Brummgeräusche durch die Freileitungen entstehen, diese sollen aber im Krefelder Teilstück auf 38 Dezibel beschränkt sein. Die Schutzgüter Boden und Wasser würden durch ein Erdkabel weit stärker beeinträchtigt als durch eine Freileitung. Eine Freileitung wäre hingegen vorwiegend eine optische Beeinträchtigung.

Auch die Kosten hat das Hannoveraner Gutachterbüro berechnet. Als Freileitung kostet die 380-Kilovolt-Leitung acht Millionen Euro, als Erdkabel nach Studie der Gutachter bis zu 7,2 mal so viel (57,6 Millionen Euro). Dafür würden beim Erdkabel die Wartungs- und Betriebskosten sinken.

(RP)
Mehr von RP ONLINE