Grundwasser: Fördermenge der Stadtwerke Krefeld geht zurück

Umweltschutz : Grundwasser: SWK-Fördermenge geht zurück

Der Bedarf ist seit 30 Jahren rückläufig: Seit 1990 sank die geförderte Menge Grundwasser der Stadtwerke von 17,5 Millionen auf zuletzt 12,3 Millionen Kubikmeter. Naturschützer sehen die Fördermengen dennoch kritisch.

Der zweite Sommer in Folge ist lang und trocken: Viele Städte und Kreise fordern ihre Bevölkerung auf, Wasser einzusparen. Aktuell sorgt sich der Kreis Viersen ums Ökosystem. Niedrige Wasserstände, auch und gerade beim Grundwasser. Nur wenige Kilometer weiter östlich gibt Stadtwerke-Vorstand Kerstin Abraham Entwarnung: „Krefeld hat solche Probleme nicht. Wir gewinnen unser Trinkwasser zu 100 Prozent aus dem Grundwasser. Und davon, das belegen unsere Messungen über Jahrzehnte, haben wir mehr als benötigt wird.“

Damit reagiert die SWK-Chefin offenbar auf Befürchtungen der Naturschützer. Die hatten vor einigen tagen erklärt, dass Grundwasser „in Krefeld und am Niederrhein bislang im Überfluss vorhanden“ gewesen sei. Klimawandel, lange Trockenheitsperioden und zunehmende Starkregenereignisse, die zu oberflächigem Abfluss führen, seien jedoch geeignet, die Bildung neuen Grundwassers zu behindern. Auf Dauer gerate das Gleichgewicht aus dem Lot. Schon heute seien in Krefeld Grenzen erreicht. Und gleichzeitig würden immer größere Grundwasserentnahmen genehmigt. „Das muss unbedingt ein Ende haben“, erklärte Angelika Horster vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Krefeld im Gespräch mit unserer Redaktion.

Christof Epe, Geschäftsführer der Netzbetreiberin Netzgesellschaft Niederrhein (NGN), eine 100-prozentige Tochter der SWK, erklärt: „Es ist nicht nur stets ausreichend Grundwasser vorhanden, wir schöpfen die erlaubten Fördermengen nicht annähernd aus.“ Der Bedarf ist seit 30 Jahren rückläufig. In Zahlen: Laut Wasserrecht dürfte die NGN 19,4 Millionen Kubikmeter Grundwasser per anno fördern. 1990 wurden 17,5 Millionen Kubikmeter so genannter „Nutzbarer Abgabe“ von Bevölkerung und Gewerbe verbraucht, 2005 waren es nur noch 13,2 Millionen Kubikmeter, 2018 schließlich 12,3. Das Trinkwasser wird Krefelder Haushalten und Gewerbekunden über das 800 Kilometer lange Leitungsnetz hochwertig aufbereitet zur Verfügung gestellt.

Die  Niepkuhlen im Naturschutzgebiet reagieren schnell auf Änderungen im Grundwasserstand. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Derweil sind die Niederschlagsmengen nach Erhebungen des Deutschen Wetterdienstes - mit Ausnahme 2018 - seit 30 Jahren konstant. Eine verlässliche Größe: Mitunter dauert es mehrere Jahre, bis ein Tropfen Niederschlag die jeweilige Brunnenfassung erreicht und als Grundwasser gewonnen werden kann. Kerstin Abraham erklärt die Versorgungssicherheit in Krefeld auch perspektivisch als ungefährdet: „Es wird nicht mehr Grundwasser gefördert als sich neues bildet. Die Grundwasserstände unterliegen zudem unserer ständigen Kontrolle.“

Hinter dieser steht eine enorme Logistik: Die NGN betreibt im Auftrag der Stadt zwei Wasserwerke, sieben Gewinnungsanlagen und 41 Brunnen. Nahezu die Hälfte des Gewinnungsgebietes liegt außerhalb Krefelds. 465 Grundwassermesstellen auf dem Stadtgebiet, in St. Tönis, Willich und Meerbusch liefern digitale Werte zur Darstellung der so genannten Grundwasserganglinien. Zuverlässig nachvollziehbar seit 1970.

Für die Wassergewinnungsanlage „In der Elt“ zum Beispiel sei festzustellen, dass die aktuellen Grundwasserstände einen Meter höher lägen als in den 70-ern. An manch anderer Stelle, etwa im Kliedbruch, macht der hohe Grundwasserstand den Anwohnern mitunter sogar Sorgen.  Christof Epe setzt derweil auf das ganzheitliche Grundwassermonitoring der NGN: „Auch wenn uns die Entnahmemengen der Industrie und die von Privaten nicht vorliegen, können wir mit diesen Messungen ein sehr genaues Bild vom Grundwasserkörper aufzeichnen.“

Der BUND hatte angeführt, dass die Entnahmerechte für die  Stadtwerke Krefeld (SWK), die Industrie, die Landwirtschaft und den Gartenbau sich auf enorme 37 Milliarden Liter jährlich belaufen. Der größte Teil entfalle mit 19,5 Millionen Kubikmeter auf die SWK, hauptsächlich für die Trinkwassergewinnung. Der Bedarf der Industrie ist fast genau so groß. Derzeit seien Entnahmerechte für 16,5 Millionen Kubikmeter vergeben. „Mit jeder Produktionsausweitung und Neuanlage steigt in der Regel der Bedarf“, sagt die BUND-Expertin aus Krefeld.