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Krefeld: Grundschulen: Es fehlen Förderschullehrer

Krefeld : Grundschulen: Es fehlen Förderschullehrer

Auch die Grundschullehrer haben Sorgen wegen der Inklusion. Es fehlen schlicht ausgebildete Förderschullehrer. "Wir werden nicht alle Stellen besetzen können", sagt Krefelds Grundschulsprecherin Hildegard Reintges.

Krefelds Grundschullehrer weisen auf ein Problem bei der Einführung der Inklusion an weiterführenden Schulen hin, das bislang noch keine Rolle in der öffentlichen Diskussion spielt: Es fehlen schlicht Förderschullehrer, also Spezialisten für die Bildung von lernbehinderten Schülern wie "ES-Kinder", also Schüler, die "emotional-sozial auffällig" sind. "Es sind nicht genug ausgebildete Förderschullehrer auf dem Markt", sagt Hildegard Reintges, Sprecherin der Krefelder Grundschulen, "wir werden nicht alle Stellen besetzen können."

Für die Grundschulen ist Inklusion kein Neuland wie für die allgemeinbildenden weiterführenden Schulen. "Wir haben seit 25 Jahren Erfahrung damit, wie man das umsetzt", sagt Hubert Fortmeier, Reintges' Stellvertreter und Leiter der Josefs-Grundschule. Beide betonen, dass die Grundschulen daher mit möglichen Engpässen gelassener umgehen können als die Kollegen an den weiterführenden Schulen. "Durch den Erfahrungsschatz, den die Grundschulen gesammelt haben, wissen die Kollegien, wie man damit umgeht, wenn es einmal nicht nach Plan verläuft", sagt Reintges. Dennoch betont sie, dass sie an der Seite der weiterführenden Schulen steht, wenn es um die Forderung nach einer angemessenen Ausstattung der Schulen mit Personal geht: "Das Expertentum der Förderlehrer brauchen wir dringend." Die Grundschullehrer sehen mit Sorge, dass mit dem neuen Schulgesetz auch sie an Stellen verlieren. "Es zeichnet sich ab, dass die Decke für alle Schulformen zu kurz wird." Reintges hatte auch den Brandbrief an die Landesregierung mit unterzeichnet, den die Krefelder Lehrerschaft aus allen Schulformen vor gut einem Jahr auf den Weg gebracht hatte (wir berichteten) und in dem sie auf Probleme bei der Inklusion hinwies. Hauptkritikpunkt: Die Doppelbesetzung in Inklusionsklassen mit einem Fach- und einem Sonderpädagogik-Lehrer werde nicht ausreichend gewährleistet.

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Reintges betont aber, dass sie die Krefelder Grundschulen gut gerüstet sieht, um Inklusion vorerst weiterhin fach- und kindgerecht zu betreiben. "Wir haben den seit vier Jahren laufenden Modellversuch genutzt, um Standards für das gemeinsame Lernen auszuformulieren; das hilft. Wir werden also nicht wurschteln müssen. Dennoch heißt das nicht, dass wir auf Förderlehrerstellen verzichten können."

Die Grundschulen benötigten dringend auch Integrationshelfer und Schulsozialarbeiter. "Der Anteil der Kinder mit hohem Förderbedarf steigt, wobei die Grenze zwischen klassischen Förderkindern und Kindern, die vielleicht noch besonderer pädagogischer Aufmerksamkeit bedürfen, verschwimmt. Wir stellen uns immer öfter die Frage: Ist es noch pädagogischer oder schon sonderpädagogischer Bedarf, den ein Kind hat", sagt Reintges. Phänomene wie Mangel an Konzentration oder soziale Auffälligkeiten gebe es immer häufiger. Ihr Kollege Fortmeier betont, dass die Grundschulen damit nicht in Klagen über angeblich immer leistungsschwächere Kinder einstimmen wollen: "Das ist Unrecht gegenüber den Kindern. Es sind doch Erwachsene, die Kindern den Zugang zu Technik vom Smartphone bis zur Spielekonsole ermöglichen, die dann für Konzentrationsprobleme etwa beim Lesen und Lernen sorgt. Und außerdem darf man nicht vergessen, dass Kinder heute viel mehr, aber eben andere Dinge können müssen als Kinder früher."

(RP)