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Schwerpunkt Politischer Aschermittwoch: Grünes Puppenspiel als Politsatire

Schwerpunkt Politischer Aschermittwoch : Grünes Puppenspiel als Politsatire

Moderatorin Yvonne Schnattersheim berichtete für die TV-Reihe "Haushalts-Check" aus den Fraktionen der Stadt Krähfeld.

Die gestern Abend ausgestrahlte Folge der bekannten TV-Reihe "Haushalts-Check" war bereits vor dem 3. Februar aufgezeichnet worden, und so kam es, dass der damals noch amtierende Schwarze Sheriff (CDU-Fraktionschef Wilfrid Fabel) einen Monat nach seinem Rücktritt noch einmal zu Wort kam. Das erläuterte der Ansager dem Publikum zu Beginn der Sendung. – Zum vierten Mal boten die Grünen in der "Kulisse" der Fabrik Heeder anlässlich des Politischen Aschermittwochs eine witzige, von lokalpolitischen Themen dominierte Vorstellung ihres Kasperletheaters.

Haushaltscheckerin und Moderatorin Yvonne Schnattersheim verweist gleich zu Beginn ihrer Sendung auf einen Auftrag ihrer Freundin Anne (Düsseldorfs Regierungspräsidentin Lütkes), ihre Tipps diesmal nicht in einem Privathaushalt, sondern in der Stadt Krähfeld anzubringen, da die mit dem Haushaltsausgleich nicht zu Potte komme. So macht sich Yvonne Schnattersheim zu ihrer Berichterstattung auf und begegnet vor dem Rathaus dem Oberkasper, der Gregor Kathstede nicht unähnlich sieht. "Das bisschen Haushalt macht sich von allein; das bisschen Schulden kann so schlimm nicht sein", trällert er vor sich hin und verschwindet wieder.

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So wendet sich die Haushalts-checkerin an die Vertreter der verschiedenen Ratsfraktionen. Zuerst trifft sie auf den Schwarzen Sheriff, der von Düsseldorf, der eigenen Stadtverwaltung und vom Oberkasper ("Der hat doch keinen Arsch in der Hose") nichts hält und seine Ideen zur Verbesserung der städtischen Einnahmen darlegt: Einsatz überflüssiger Mitarbeiter der Stadtverwaltung als verdeckte Bettler in allen Stadtteilen, Einführung eines 1000 Euro teuren kommunalen Führerscheins für Radfahrer sowie kalte Platten statt warmen Essens auf Rädern – alles umzusetzen nach den Wahlen.

Zur Melodie "Ich will Spaß" lässt Herr Privatvorstaat (Joachim Heitmann, FDP) wissen: "Ich will spar'n, ich will spar'n; bin im Wahn, bin im Wahn." Das personalentleerte Fraktionsbüro erklärt er mit dem horrenden Mindestlohn von 8,50 Euro und der Feststellung "Bei uns zählt nicht das Wir, sondern das Ich". Zu einer vernünftigen, also privatisierten Nutzung des Kaiser-Wilhelm-Museums habe er für eine Dauerausstellung Fressnapf an der Hand; im Obergeschoss solle ein Casino eröffnen, und aus dem Depot will er ein Kunst-Outlet-Center mit radikalem Abverkauf machen.

Unter dem Motto "Global denken, lokal handeln, vor Ort husten" beantwortet Roter Gockel (Uli Hahnen, SPD) die Frage nach der Haushaltssanierung: "Unsere Hannelore hat doch in Berlin durchgesetzt, dass die Kohle wieder Vorrang hat", erklärt er, warum das Fraktionsbüro jetzt mit dem fossilen Brennstoff geheizt werde und entsprechend luftverschmutzt sei. Einen auf dem Unterbezirksparteitag gefassten Beschluss für ein echt sozialdemokratisches Sparprojekt vermag der Rote Gockel trotz intensiver Suche nicht zu finden. Das misslingt ihm wohl auch, weil Rote Socke (Basri Cakir; die Linke) mit seinen Nato- und EU-Austrittsplänen immer wieder dazwischenfunkt.

Als die Haushaltscheckerin bei den Grünen anklopft, öffnet Frau Grünemanz (Stefani Mälzer), die sogleich mit formidablen Sparvorschlägen aufwartet: das Umhäkeln von Laternenmasten, damit das teure Abknibbeln von roten Streifen entfällt, und: die Einführung grüner Säcke für die Sammlung von Eierkartons zum Zweck der energetischen Sanierung des von Egon Eiermann erbauten Stadthauses!

Nachdem Yvonne Schnattersheim den Versuch von Herrn Kleinkariert aus der Versicherungsbranche (Ralf Krings, UWG) durchschaut hat, den Haushaltsschadensfall zwecks Kassierens der Provision zu versichern, taucht plötzlich der wadenbeißende Bello Butz (Hans Butzen, SPD) auf. Gleichzeitig ist – und bleibt – die Haushaltscheckerin verschwunden. "Bello, du hast doch nicht etwa . . .", mutmaßt der Rote Gockel völlig zutreffend – und freut sich gemeinsam mit den Kollegen aller Fraktionen.

Und als dann Anne aus Düsseldorf drohend die Stimme erhebt, lässt sich der Oberkasper wieder hören: "Das bisschen Haushalt macht sich von allein . . ."

(RP)