Krefeld: Grüne fordern Ausbildungspakt für Krefeld

Krefeld : Grüne fordern Ausbildungspakt für Krefeld

"Die Stadt scheint von der Entwicklung am Arbeitsmarkt abgekoppelt zu sein", sagt Ratsherr Torsten Hansen.

Die Grünen wollen bei der Ausbildungssituation in Krefeld neue Wege gehen. "Wir möchten, dass in einem Ausbildungspakt festgeschrieben wird, dass jeder Ausbildungswillige in Krefeld zum 1. Oktober 2018 auch einen entsprechenden Platz bekommt", sagt Ratsherr Torsten Hansen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und arbeitsmarktpolitischer Sprecher seiner Partei. Als "äußerst unbefriedigend" bezeichnet Hansen die beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten für Schulabgänger. Ausschlaggebend sei zweifellos ein komplexes Ursachenbündel, bei dem sich überdies negative Faktoren wechselseitig verstärkten.

Ein Problem ist - nach Meinung der Grünen - die hohe Arbeitslosigkeit in der Stadt. Während sich die Quote für Krefeld um zehn Prozent bewegt, liegt sie landesweit bei sieben und im Bund bei rund 5,3 Prozent. "Die Stadt scheint von der Entwicklung am Arbeitsmarkt abgekoppelt zu sein. Es ist schon fatal, wenn die Stadt bei der Anzahl der Schulabgänger ohne Abschluss im Städtevergleich weit hinten liegt, gleichzeitig jedem Schulabgänger nur 0,7 Ausbildungsplätze gegenüberstehen und dennoch nicht alle angebotenen Stellen besetzt sind", so Hansen. Angesichts dessen hält der Politiker einen Ausbildungspakt für sinnvoll, der die Wirtschaft, die Agentur für Arbeit, die Schulen und die Wirtschaftsförderung in die Pflicht nimmt: "Der Pakt soll kurzfristig dafür zu sorgen, dass zum Schuljahreswechsel für jeden Schulabgänger in Krefeld auch mindestens ein Ausbildungsplatz zur Verfügung steht." Hansen erinnert daran, dass derzeit rund 12.000 Menschen in Krefeld eine Arbeit suchen, 150 keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. "Die Frage ist doch, welche Perspektive wir den Betroffenen bieten können", so der stellvertretende Fraktionschef.

Deutliche Kritik übt Hansen an der heimischen Wirtschaft. "Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen, die ausbilden könnten, es aber nicht machen", so der Diplom-Betriebswirt. "Wir müssen deshalb gemeinsam schauen, was wir verbessern sollten." Mit Blick auf den steigenden Fachkräftebedarf und den diesbezüglich schon jetzt gegebenen Mangel liege es letztlich im ureigensten Interesse der Wirtschaft selbst, auszubilden und dabei auch schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben. Von der Wirtschaftsförderung, die die Koordination übernehmen soll, erwartet Hansen, dass sie - im Rahmen des Ausbildungspakts - Unternehmen, Hochschule, Gewerkschaft und die Stadtverwaltung ins Boot holt. "So ist zum Beispiel die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen eine Gemeinschaftsaufgabe. Dies nur der Agentur für Arbeit zu überlassen, ist zu kurz gesprungen." Eine Konsequenz aus der unbefriedigenden Situation sei unter anderem die hohe Kinderarmut in Krefeld. "Deren Bekämpfung hat Oberbürgermeister Frank Meyer in seiner Neujahrsansprache 2017 zum Thema gemacht", erinnert Hansen und ergänzt: "Es ist allerdings nicht viel passiert. Wenn es nicht gelingt, das Thema Arbeit in den Griff zu bekommen, dann wird sich die Sozialproblematik in Krefeld weiter erhöhen."

(RP)
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