Grotenburg in Krefeld: Kosten für Stadion-Sanierung gestiegen

Fußballstadion in Krefeld : Kleine Lösung für die Grotenburg

Im Bauausschuss zeichnete sich eine breite politische Mehrheit für die „Kleine Lösung“ zur Grotenburg ab: Das Stadion soll für 21 Millionen Euro fit  gemacht werden für die Zweite Bundesliga. Auch der KFC soll  sich angemessen beteiligen.

Es wurde gestern Abend im Bauausschuss nicht abgestimmt, doch zeichnet sich eine klare Mehrheit aus SPD, CDU und Grünen für die Sanierung der Grotenburg ab. Der Fahrplan: In einem ersten Schritt soll das Stadion für 10,5 Millionen Euro Drittliga-tauglich, in einem zweiten, etwa gleich teuren Schritt fit für die Zweite Bundesliga gemacht werden. Mit diesen 21 Millionen Euro wären die Mindestanforderungen für eine Spiellizenz in den beiden Ligen erfüllt. Grundlage ist ein Gutachten, in dem auch eine Sanierung de Luxe durchgerechnet wurde. In diesem Fall wären 43,5 Millionen Euro fällig. Nebenaspekt  für Bockum: Die Zoobrücke würde abgerissen, deutlich größer und breiter wieder aufgebaut und mit Panzerglas so gesichert, dass Vandalen oder Diebe nicht mehr übers Geländer in den Zoo steigen und dort ihr Unwesen treiben könnten.

Das Gutachten wurde im Bauausschuss gestern zunächst diskutiert; der Rat muss nun die Grundsatzentscheidung fällen, auf der Grundlage der Expertise die Sanierung anzugehen. Eine Richtungsentscheidung: Die FDP hat erneut ihren Vorschlag ins Spiel gebracht, ein neues Stadion an anderer Stelle (etwa gegenüber der Metro; wir berichteten) zu bauen. Die Grotenburg stünde städtebaulich und verkehrstechnisch an der falschen Stelle, erläuterte FDP-Ratsherr Paul Hoffmann, „wir zementieren den Standort, wenn wir so viel Geld investieren“. Zudem wurde die Nachbarschaft zum Zoo geltend gemacht: Der Zoo, betonte Hoffmann, brauche Erweiterungsflächen. Die Linke stützte die FDP in ihren Argumenten. Hoffmann ließ auch grundsätzliche Skepsis erkennen: Wenn der jetzige KFC-Präsident Ponomarev, dem der Aufschwung des Vereins zu verdanken ist, sich zurückziehe, „sind wir ganz schnell wieder in der fünften Liga“, sagte Hoffmann.

Der Vorschlag, an anderer Stelle neu zu bauen, fiel durch; unter anderem, weil ein nagelneues Stadion frühestens in fünf, sechs Jahren spielfertig wäre, wie Planungsdezernent Martin Linne erläuterte. SPD-Ratsherr Jürgen Hengst ging sogar weiter: Seine Fraktion habe sich mögliche Ausweichgrundstücke im städtischen Besitz angesehen, berichtete er. „Es gibt keinen Standort, bei dem nicht eine Änderung des Gebietsentwicklungsplans notwendig wäre“, sagte er, und allein eine solche Änderung würde Jahre brauchen.

Die Grotenburg wäre im Gegenzug  laut Gutachten im dritten Quartal 2020 spielbereit für die Dritte Liga. Und nicht mal die Grünen glauben daran, dass es gravierende Verkehrsprobleme gibt. „Über Verkehrsprobleme mache ich mir keine Sorgen“, sagte die Grünen-Ratsfrau Ana Sanz, „meine Familie kommt aus Madrid; da sind beim Fußball 100.000 Menschen unterwegs, und es gibt kein Chaos.“ Sie freue sich, dass die Grotenburg sanierungsfähig sei. Sie sagte aber auch dies: Ihre Fraktion erwarte, dass der Verein sich „angemessen“ an den Kosten beteilige.

Liest man das Gutachten und die Zeitabläufe, stellt sich eine weitere Frage: Was, wenn der sportliche Aufschwung und die momentane Erfolgswelle des KFC Uerdingen die Stadt überholt?  Nach bisherigem Plan würden 2019 die Planungen für den Ausbau zur Drittligatauglichkeit beginnen und die Ausschreibungen erfolgen, ehe im vierten Quartal 2019 die Arbeiten losgehen könnten. Im dritten Quartal 2020 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein, so dass dann der KFC das Stadion wieder nutzen kann.

Das Problem ist: Theoretisch könnte der KFC bis dahin sogar schon in der Bundesliga spielen – wenn er in der laufenden Spielzeit den Aufstieg schafft und in der Saison 2019/20 den Durchmarsch hin in die Erste Liga.

Die Machbarkeitsstudie des Planungsbüros Albert Speer & Partner zeigt auf: Um Zweitliga-tauglich nach den üblichen Standards zu sein, müsste die Stadt bis hin zu 43,5 Millionen Euro in die Stadion-Sanierung stecken; das wäre die Maximallösung, inklusive einer oberirdischen Großgarage, die an Nicht-Spieltagen die Besucher des Zoos nutzen könnten.

Was in der Studie noch nicht berücksichtigt ist: Die 36 Lizenzvereine der Bundesliga und der Zweiten Bundesliga sind per Lizenzierungsstatut zum Aufbau eines Leistungszentrums für Talente nach festgelegten Kriterien verpflichtet. Das wiederum ist zwar Sache des KFC Uerdingen, aber untergebracht werden muss es ja auch.

Die nun für den ersten Schritt (Herstellung der Drittligatauglichkeit) anvisierten 10,5 Millionen setzen sich wie folgt zusammen: Für das Herrichten der Außenanlage, des Rasens mit einer Rasenheizung, die Flutlichtanlage sowie die Zuschauerbereiche sind 7,14 Millionen geplant. Die Sanierung der Südtribüne kostet rund 950.000 Euro, die der Nord- rund 1,5 Millionen Euro und die der gesperrten Ost- noch einmal rund 750.000 Euro. Der Abbruch schlägt mit rund 90.000 Euro zu Buche.

Um aus dem Stadion ein Schmuckkästchen nach modernen Maßstäben zu machen, dass auch für die Erste und Zweite Liga geeignet ist, liegen die Baukosten noch einmal höher. Während die Kosten für die Nordtribüne annähernd gleich bleiben, stiegen die Kosten für die Osttribüne auf 4,2 Millionen Euro. Die Westtribüne müsste komplett abgerissen und neu errichtet werden. Dafür entstünden Kosten in Höhe von 18,1 Millionen Euro inklusive des Abbruchs. Und sollte dazu noch eine Großgarage kommen, würde diese weitere 6,25 Millionen Euro zur Folge haben.

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