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Krefeld: Großrazzia: 65 Kriminalbeamte heben Kreditbetrüger-Bande aus

Krefeld : Großrazzia: 65 Kriminalbeamte heben Kreditbetrüger-Bande aus

Die Staatsanwaltschaft ließ gestern in neun Städten Wohnungen durchsuchen und Verdächtige verhaften – in Krefeld nahm sie einen 51-jährigen Mann fest.

Die Staatsanwaltschaft ließ gestern in neun Städten Wohnungen durchsuchen und Verdächtige verhaften — in Krefeld nahm sie einen 51-jährigen Mann fest.

Bei einer großangelegten Durchsuchungsaktion in Krefeld und acht weiteren nordrhein-westfälischen Städten ist unter anderem ein 51-jähriger Krefelder festgenommen worden, der Mitglied einer Betrügerbande sein soll, die vorwiegend im Migrationsmilieu tätig war und mehr als 150 Kredite erschwindelt hat. Ob Krefelder Geldinstitute zu den Geschädigten zählen, konnte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilmann Baumert von der Staatsanwaltschaft Wuppertal gestern nicht sagen. Anzunehmen sei aber, dass zahlreiche geschädigte Landsleute des Krefelders nun vor einem Schuldenberg sitzen, weil sie nicht in der Lage sein dürften, die erschwindelten Kredite zu bedienen.

Gegen die Zahlung einer Provision in Höhe von 20 bis 30 Prozent soll die Bande mit frisierten Unterlagen Ausländern ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung oder ohne Einkommen Darlehen beschafft haben. Die Darlehensschuld ist von den Opfern zu begleichen. "Sollten sie von den gefälschten Unterlagen gewusst haben, haben auch sie sich strafbar gemacht", betonte Baumert im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Außer in der Stadt Krefeld sind die 65 Beamte der Kriminalpolizei gestern auch in Wuppertal, Essen, Mönchengladbach, Bedburg, Hamm, Bielefeld, Oberhausen und Köln gegen die mutmaßlichen Mitglieder einer gewerbsmäßig handelnden Betrügerbande vorgegangen.

Seit Oktober 2013 gingen bei der Staatsanwaltschaft vermehrt Hinweise auf betrügerisch erlangte Bankkredite ein. So wurden Kredite von Personen per Post oder über das Internet beantragt, die tatsächlich nicht über die üblicherweise erforderlichen Einkünfte verfügten und zum Teil einen für eine Kreditvergabe ausländerrechtlich nicht ausreichend gesicherten Status aufwiesen. Zu den Anträgen wurden anschließend gefälschte Unterlagen eingeschickt, die neben einer ausreichenden finanziellen Bonität auch einen gesicherten ausländerrechtlichen Status beinhalteten.

Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Kreditnehmer anscheinend gezielt an Treffpunkten wie Cafés und Kulturvereinen von Mitgliedern der Tätergruppe angesprochen wurden, um Kredite zu beantragen. Die Erstellung der gefälschten Unterlagen und die Korrespondenz mit den Banken übernahmen dann nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen weitgehend die Mitglieder der Tätergruppe.

Vier Haftbefehle wurden gestern vollstreckt, teilte Baumert mit — einer davon unmittelbar vor dem Betreten eines Flugzeuges am Flughafen Düsseldorf. Bislang konnten neben einem fünfstelligen Bargeldbetrag auch umfangreiche Beweismittel wie gefälschte Personalpapiere aufgefunden werden. Weitere mutmaßliche Mitglieder der Tätergruppe wurden vorläufig festgenommen — darunter der 51-jährige Krefelder. Den Beschuldigten drohen wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges langjährige Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren pro Tat.

(RP)