Krefeld: Großer Jubel für Friedensmesse

Krefeld: Großer Jubel für Friedensmesse

Beim Konzert des Crescendo-Chors sang der Imam den Gebetsruf in der Josefkirche.

Vor ausverkaufter Josefkirche hob Heinz-Peter Kortmann am Sonntagabend den Taktstock zur Friedensmesse "The Armed Man" von Karl Jenkins, und man konnte die vorfreudige Anspannung im Crescendo-Chor und im Publikum knistern hören. Einen tiefen Eindruck hinterließ schon der Auftakt. "L'Homme armé" begann schlicht mit Trommeln und Pfeifen wie in der alten Militärmusik, der es entstammt, wurde dann aber instrumental und stimmlich schrittweise auf- und ausgebaut, bis es zu einer ebenso prächtigen wie bedrohlichen Fülle angeschwollen war.

Es folgte der Auftritt des aus Düsseldorf angereisten Imams Fahri Agzikara. Er sang den muslimischen Gebetsruf, der im Schiff der Josefkirche einen ganz besonderen Reiz entfaltete. Aus den instrumentalen Bässen stieg dann das Kyrie auf mit einem herrlich schlichten Gesangs-Solo für Ewa Stoschek und einem hymnischen Part für den Chor. Nur Männerstimmen und eine Schrecksekunde, ähnlich wie in Haydns Sinfonie mit dem Paukenschlag, kennzeichneten eine Psalmen-Interpretation und mündeten in ein rhythmusbetontes Sanctus, das sowohl choral als auch in den opulenten Blechblasakzenten mit der Klangfülle des Barock mithalten konnte.

Und nach einer gewissen Atempause in "Hymn Before Action" tobte die Schlacht los - in geordnetem, aber ungeheuer stürmischem Angriff, von Jenkins in lodernden Farben ausgemalt, von Kortmann mit Leidenschaft dirigiert und vom Rheinischen Oratorienorchester und dem Crescendo-Chor zum Greifen plastisch gestaltet bis hinein in das Durcheinanderschreien der Sterbenden auf dem Schlachtfeld. In der nachfolgenden Stille hätte man in der Kirche die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können.

Jenkins hat es ausgezeichnet verstanden, auch das Gedicht des Japaners Töge Sankichi über die Explosion der Atombombe in Hiroshima und den Auszug aus dem antiken indischen Epos "Mahabharata" in seine einerseits facettenreiche, andererseits stets stringente musikalische Sprache zu integrieren, und das Ensemble empfand dies in bewundernswerter Stilsicherheit nach - im Hiroshima-Gedicht mit pointierten Soli von Sopranistin Stoschek und Bass-Bariton Justus Seeger.

Danach wirkte das "Agnus Die" fast schon zu lieblich, aber die Faszination des Streicherparts, der in das finale Lied "Better Is Peace" mit seinen keltischen Verzierungen führte, war unwiderstehlich. Mit dieser glänzend vorbereiteten und gelungenen Aufführung hat sich der Crescendo-Chor einen neuen Meilenstein auf seinem Weg gesetzt, und der Jubel der Zuhörer war überwältigend.

(RP)