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Große Pläne für das Stadtbad Neusser Straße in Krefeld

Stadtbad Krefeld : Große Pläne für das Stadtbad

Ein Berliner Architektenbüro hat Szenarien für die Nutzung des Stadtbad-Areals vorgelegt. Die Vorstellungen reichen von einer luxuriösen Wellness-Oase bis zu einem Bürgerschaftszentrum. Die Stadt ist für das kostengünstigste Modell.

Das Stadtbad ist städtebaulich beides: Traum und Alptraum. Alptraum, weil Gelände und Gebäude kleinteilig, vielfältig und baulich schwer angegriffen sind; ein Traum, weil die Jugendstil-Badarchitektur immer noch berückend  schön ist. Oberbürgermeister Frank Meyer ergänzt, dass das Bad auch ein „biographischer Ort“ sei: „Viele haben dort schwimmen gelernt.“ Am Freitag stellte er ein Gutachten vor, das Szenarien für die Nutzung des Geländes und die Rettung des denkmalwerten Bades ausgearbeitet hat. Vorweg: Die Stadt favorisiert nicht den einen großen Wurf, sondern eine modulartige Entwicklung, die baulich in fünf Jahren beginnen könne.

Das Stadtbad-Gelände umfasst knapp 10.000 Quadratmeter Fläche und beherbergt sehr unterschiedliche Gebäude. Foto: Kolb Ripke / Stadt Krefeld

Das Berliner Architekturbüro Kolb Ripke hat Gelände und Gebäude analysiert und drei Konzepte entworfen, die ausdrücklich keine statischen Blöcke, sondern einen Baukasten darstellen sollen. Gutachter Thomas Kolb stellte kurz das Gelände vor: 9500 Quadratmeter Fläche und sechs sehr verschiedene  Gebäude mit extrem kleinteiligen Strukturen wie den Wannenräumen (aus der Zeit, als man in Ermangelung eines Badezimmers in der eigenen Wohnung zum Vollbad in der Wanne noch ins Schwimmbad gehen musste) bis zu den großen, prachtvollen Schwimmhallen.

Meyer rekapitulierte  die vergeblichen Bemühungen der vergangenen Jahre, private Investoren zu gewinnen; selbst in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums und niedriger Zinsen habe sich nichts gefunden. Meyer zitiert aus Schillers „Wilhelm Tell“, um deutlich zu machen, dass man in eine andere Richtung denken müsste:   „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,/ Und neues Leben blüht aus den Ruinen.“ Und so stellen sich die Gutachter dieses neue Leben vor:

Konzept 1 sieht eine teilweise Anknüpfung an die Badvergangenheit des Komplexes vor – Überschrift: „Gründerzentrum, Kultur und Soziales mit Sportbad“. Demnach soll das Herrenbad als Sportbad reaktiviert, das Damenbad zur Veranstaltungshalle umgebaut und die Wandelhalle zum Gründerzentrum „mit Schwerpunkt Gesundheitsbildung“ ausgebaut werden. Auf dem hinteren Gelände sollen eine Kita und Neubauten für Gründer entstehen. Kostenpunkt: 30 Millionen plus städtische Zuschüsse über 575.000 Euro.

Konzept 2 will die Bad-Vergangenheit konsequent wiederbeleben: Aus dem Stadtbad soll  ein „Haus der Gesundheit,“ werden – mit Möglichen zu schwimmen, Sport zu treiben sowie Wellness- und Fitnessangeboten. Vorgesehen sind  Räume für kulturelle Veranstaltungen. Ein solcher Wellnesstempel hat nach Überzeugung der Gutachter das Zeug,  200.000 Besucher im Jahr anzuziehen. Die Investition liegt – inklusive Tiefgarage  – bei 42 Millionen Euro, der Zuschussbedarf pro Jahr durch die Stadt bei 415.000 Euro im Jahr.

Konzept 3 – Favorit der Stadt – löst sich konsequent von der Bad-Vergangenheit und setzt unter der Überschrift „Kultur- und Gründerzentrum Stadt-Bad-Quartier“  auf eine kleinteilige Entwicklung unter Einbeziehung von Initiativen aus der Stadtgesellschaft wie den „Freischwimmern“. Geschaffen werden sollen Räume für die „Gründer- und Kreativszene“ Krefelds, mit Ateliers, Geschäfts- und Büroräumen, die allesamt für kleines Geld vermietet werden sollen. Bei diesem Modell werden Investitionen über  24 Millionen Euro nötig – jährliche Unterhaltskosten für die Stadt entfallen.

Dieses Konzept kommt der Freischwimmer-Initiative entgegen, die die Entwicklung des Stadtbad-Geländes als partizipatives Projekt der Bürgerschaft vorantreiben. Die Freischwimmer, die für ihr Engagement mit dem erstmals verliehenen Heimatpreis der Stadt ausgezeichnet wurden, waren mit Marcel Beging und  Katrin Mevißen vertreten. Planungsdezernent Marcus Beyer erläuterte, dass die Gebäude zurzeit gesichert werden; Sorge, dass das Jugendstil-Bad über die sich Jahre hinziehende Entwicklung, verfallen, müsse man nicht haben.