Krefeld Großbrand bei Roeren: Die Beweislage ist dünn

Krefeld · Ein 57-Jähriger wird der fahrlässigen Brandstiftung verdächtigt. Er hat laut Kripo und Staatsanwaltschaft zugegeben, in der Holzhandlung eine Zigarette weggeworfen zu haben. Für den Gesamtverband der Versicherer reichen solche Angaben zur Klärung der Haftungsfrage nicht.

Großbrand: PK von Polizei und Staatsanwaltschaft
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Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Großfeuers bei Roeren gehen weiter. Im Fokus ist ein 57 Jahre alter Tatverdächtiger, der laut Kriminalhauptkommissar Nikolaus Magis, zugegeben hat, am 9. Juli gegen 17 Uhr in der Gartenmöbelausstellung bei Roeren geraucht zu haben. Er wisse nicht, ob er die Zigarette ausgetreten oder nur weggeschnippt habe, berichtete die Polizei.

Wie sind die Ermittler darauf gekommen, dass es sich um Brandstiftung handeln muss?

Die Ermittler sind nach dem Ausschlussverfahren vorgegangen. Demnach kommen weder elektrische Ursachen (wie Kurzschluss) noch chemische Ursachen (zum Beispiel Selbstentzündung), mechanische Ursachen (unter anderem Funkenflug nach Flexarbeiten) oder atmosphärische Ursachen (zum Beispiel Blitzeinschlag) infrage. Bleiben laut Kripo nur vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung übrig.

Wieso glaubt die Kripo nicht, dass es sich um Vorsatz gehandelt hat?

Gegen Vorsatz spricht, dass der Brand zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit entstanden sein soll, nämlich zu einer Zeit, als auf dem Werksgelände und der Zufahrt zu den Betrieben auf dem benachbarten Kasernenhof noch viel Betrieb war. Auch der Hausmeister drehte gegen 17 Uhr noch seine Runden auf dem Gelände. Das Feuer hat an nur einer Stelle seinen Anfang genommen. Brandstifter legen oft an mehreren Stellen Brände. Es ist für die Polizei kein Motiv erkennbar. Es haben sich keine Brandbeschleuniger nachweisen lassen, und es hat trotz einer Belohnung von 20.000 Euro nicht einen einzigen Hinweis gegeben. Also bleibt nur Fahrlässigkeit.

Ist der Fall mit der Aussage des 57-Jährigen aufgeklärt?

Nein, die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, sie gehen weiter. Laut Oberstaatsanwalt Klaus Dieter Menden muss die Anklägerin in einem Gerichtsverfahren nachweisen, dass es die besagte, um 17 Uhr weggeworfene Zigarette des Tatverdächtigen gewesen ist, die zweifelsfrei für den Brand ursächlich war.

Kann der Tatverdächtige seine Aussage zurücknehmen?

Ja, er kann die Aussage widerrufen und muss sich als Beschuldigter auch nicht zur Sache äußern. Er darf in einem Strafgerichtsprozess als Angeklagter sogar straffrei lügen.

Die Versicherung Roerens hat für die Regulierung des Schadens laut Kripo 30 Millionen Euro zurückgelegt. Kann die Versicherung den Verursacher des Brands in Regress nehmen?

Ja, das kann sie. Grundsätzlich, so eine Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin, gilt: Zuerst reguliert der Sachversicherer, dann werden Haftungsfragen geklärt. Somit bekommen die versicherten Unternehmen und Handwerker zuerst einmal ihre Entschädigung, um die Betriebe wieder aufbauen zu können.

Muss der 57-Jährige für den Schaden geradestehen?

Dazu müsste man ihm erst einmal nachweisen, dass er den Schaden verursacht hat. Ein Schuldspruch in einem Strafgerichtsverfahren wäre schon ein Hinweis für seine Schuld und macht die Sache wahrscheinlicher, dass er in Regress genommen wird, informiert eine GDV-Sprecherin. Letztlich müsste das aber in einem Zivilverfahren geklärt werden. Und da funktioniert seine Haftpflicht quasi wie eine Rechtsschutzversicherung. Sein Versicherer zahlt nämlich nur, wenn die Schuld des Versicherungsnehmers nachgewiesen ist.

Würde dabei eventuell auch danach gesucht, ob ein Dritter eine Mitschuld an der Höhe des Schadens hat? Ein Feuerlöschhydrant war nicht funktionstüchtig und soll den Beginn der Löscharbeiten verzögert haben.

Ja. Es würde untersucht, ob das Ausmaß des Schadens hätte geringer ausfallen können, erklärt die GDV-Sprecherin. Zu prüfen wäre auch, ob in den zu Schaden gekommenen Betrieben alle Brandschutzauflagen eingehalten waren und Schutzinstallationen funktioniert haben. Das gilt wohl auch für die Dachkonstruktion im benachbarten Kasernenhof, in der unbemerkt ein Schwelbrand entstanden war.