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Interview: Meistergriller Sascha Solecki: "Grillsaison ist von Neujahr bis Silvester"

Interview: Meistergriller Sascha Solecki : "Grillsaison ist von Neujahr bis Silvester"

Sascha Solecki (32) gehört dem Team "Einfach gut grillen" an. Bei den Deutschen Grillmeisterschaften 2014 wurde das Team Dritter in der Kategorie Fisch. Am Sonntag richtet sein Team die NRW-Grillmeisterschaften aus. Ein Gespräch unter Grillern.

Herr Solecki, langsam wird es Herbst, draußen wird es kälter. Ist die Grillsaison nicht eigentlich schon vorbei?

Solecki Warum? Grillen kann man doch das ganze Jahr hindurch. Eine Grillsaison gibt es für mich nicht. Für mich endet die Grillsaison am 31. Dezember und beginnt am 1. Januar.

Sie grillen also auch im Schnee?

solecki Klar, wieso nicht? Im Winter dauert es halt ein bisschen länger, bis das Fleisch gut ist, aber das ist doch nicht schlimm. Ich habe auch schon im tiefen Schnee gegrillt. Das war ganz lustig, weil die Nachbarn da geklingelt haben und fragten, ob es bei mir brennen würde, weil es so qualmt im Garten.

Sie haben schon zwei E-Books mit Grillrezepten veröffentlicht, sind mehrfacher NRW-Meister im Grillen und waren zuletzt Dritter bei der Deutschen Meisterschaft. Was war das Bronzerezept?

Solecki Das war Fisch, und zwar Lachs in Zedernholz.

Verraten Sie mir das Rezept? Dann können das die RP-Leser nachgrillen.

Solecki Kann ich machen. (Das Rezept und zwei weitere finden Sie am Fuß der Seite, die Red.)

Wie grillen Sie selbst am liebsten?

Solecki Naja, ich habe elf verschiedene Grills zur Auswahl in meiner Grillhütte und grille schon seit 17 Jahren. Von der Art her grille ich am liebsten "Low and Slow".

Das heißt sanft und langsam.

Solecki Genau. Diese Technik kommt aus den Südstaaten der USA und wird dort beim Barbeque angewendet. Das Fleisch wird auf einem geschlossenen Grill zubereitet bei niedriger Hitze. Diese erreicht man am besten auf einem Smoker-Grill, wo in einer Art Nebenkammer das Feuer brennt und das Fleisch dadurch indirekt erhitzt wird. Für die Methode muss man allerdings auch ein bisschen Geduld mitbringen.

Das heißt, Sie grillen am liebsten mit Kohle.

Solecki Stimmt.

Das stellt für viele ein Hindernis dar, weil es nicht immer so einfach ist, die Kohle zum Glühen zu bekommen. Haben Sie da keinen guten Tipp?

Solecki Am besten geht das mit einem Anzündkamin, die gibt's in jedem Baumarkt, auch schon für kleines Geld.

Und das ist?

Solecki ...im Grunde ein kleiner Eimer mit Löchern. Dort hinein wird die Grillkohle gefüllt. Unter dem Behälter ist eine Ablage, auf die kommt ein Stückchen Holz oder eine Zeitung, die man entzündet. Dadurch wird die Kohle von unten erhitzt und entzündet sich. Durch den Kamineffekt wandert die Glut nach oben. Ist sie heiß, füllt man die Kohle einfach um.

Machen Sie das auch so?

Solecki (lacht) Nee, ich nehme einen Bunsenbrenner. Das geht schneller.

Im Grill sollte man die Kohle also nicht entzünden?

Solecki Das geht natürlich auch, aber da muss man auf das Material des Grills achten. Ich würde das nur bei Grills aus Edelstahl machen. Bei emaillierten Grills besteht die Gefahr, dass durch die Hitze beim Anzünden die Emaille abplatzt.

Was halten Sie von Flüssiggrillanzündern?

Solecki Unbedingt vermeiden. Wenn wir am Sonntag die NRW-Grillmeisterschaft veranstalten, dann zeigt die Hülser Feuerwehr mal, was passieren kann, wenn man Flüssiganzünder verwendet.

Kohle ist wohl nicht gleich Kohle.

Solecki Nein, natürlich nicht. Die Grillfreaks nehmen häufig Kohle aus Kokosnüssen. Die brennen deutlich länger als normale Kohle und geben vier, fünf Stunden die gleiche Hitze ab. Auch Pellets sind neuerdings ein Renner, allerdings nicht die zum Heizen, sondern Lebensmittel-geeignete.

Nehmen Sie die auch?

Solecki Ich nehme normalerweise Buchenholzkohle, aber in Gastroqualität, weil die Kohlestücke da in der Regel größer sind und nicht sofort durch den Rost fallen können.

Und auf den Grill kommt dann...

Solecki ...grundsätzlich erst einmal, alles was schmeckt. Im Trend ist derzeit, dass viele zu qualitativ hochwertigem Fleisch greifen, was dann auch mal etwas teurer sein kann. Ich mag vor allem Dry-Aged-Fleisch.

Sie meinen lange gereiftes Fleisch?

Solecki Genau. Das Fleisch reift ein paar Wochen in speziellen Kühlschränken. Normalerweise ist beim Anschneiden eines Steaks der Teller immer voller Saft. Beim Dry-Aged passiert das nicht, der Saft ist darin gebunden und tritt nicht aus. Das Fleisch hat einen buttrig-nussigen Geschmack, aber das mag nicht jeder. Das beste Dry-Aged-Steak habe ich bei Christian Rach in Hamburg gegessen. Der hat aber auch einen Indoorgrill für 80 000 Euro in der Küche, von dem es in Deutschland nur vier Stück gibt.

Gibt es Kardinalfehler beim Grillen?

Solecki Neben flüssigen Grillanzündern? Hmm. Geflügel darf nicht zu kurz auf dem Grill liegen, weil sonst die Salmonellengefahr zu groß ist.

Wie lange sollte ein Steak auf dem Grill liegen, bis es perfekt ist?

Solecki Das hängt vom Grill und der Dicke des Fleisches ab und natürlich auch vom Geschmack jedes Einzelnen. Ich drücke inzwischen mit dem Handschuh auf das Fleisch, dann weiß ich, ob es gut ist.

Kommt auf Ihren Grill auch Gemüse?

Solecki Naja, Veggy-Grillen ist sicherlich im Trend von den Medien, aber ich mache das, weil einige das wollen. Ich habe auch mal vegan probiert, aber das ist absolut nicht meins. Ich mag keinen Fleischnachbau.

INTERVIEW: OLIVER SCHAULANDT. SASCHA SOLECKIS GRILL-REZEPTE GIBT'S UNTER WWW.GUTGRILLEN.DE ALS DOWNLOAD.

(RP)