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Glücksspiel: Stadt Krefeld versiegelt zweite Kneipe

Corona-Krise in Krefeld : Stadt versiegelt zweite Kneipe

Notbetreuung in der Buchenschule: Erster Corona-Fall im Lehrerkollegium. Kontaktpersonen stehen unter Quarantäne. Das Gebäude wurde komplett desinfiziert. Das DRK-Team im Diagnosezentrum hat den Stresstest bestanden.

Einige wenige in der Stadt Krefeld halten sich nicht an das Kontaktverbot. Sie feiern eine Grillparty auf einem Kinderspielplatz, daddeln an Geldautomaten in einer Gaststätte, treffen sich in mehreren Gruppen auf einem Schulhof oder versammeln sich in Parks und öffentlichen Grünflächen, ohne den Mindestabstand zueinander einzuhalten. Ordnungsdezernent Ulrich Cyprian berichtete am Montag im Rathaus darüber, dass seine Mitarbeiter vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) am Samstagabend die zweite Gaststätte in der Innenstadt hätten versiegeln müssen. Sechs Personen vertrieben sich an zwei Glücksspielautomaten die Zeit. Den Inhaber erwarte ein Bußgeldbescheid, erklärte Cyprian.

Nicht minder erstaunt war eine KOD-Streife am Samstagvormittag. Auf einem gesperrten Kinderspielplatz sollte eine Grillparty steigen. Die Vorbereitungen der vier Personen waren in vollem Gange. Auch diese Teilnehmer müssen mit einem Bußgeldbescheid rechnen. Die Männer, Frauen und Kinder in den Grünanlagen oder auf dem besagten Schulhof hätten sich auf Ansprache einsichtig gezeigt und die Plätze geräumt, berichtete der Ordnungsdezernent. Lediglich ein „Wildpinkler“ sei mit einem Bußgeld belegt worden.

Resistent gegen Argumente und gute Worte zeige sich die Szene der Drogen- und Alkoholsüchtigen. Mittlerweile habe sich „ein dynamischer Verdrängungseffekt“ ausgebildet. Die Problemklientel sei nicht mehr ausschließlich am Theaterplatz, sondern in der gesamten Umgebung bis hin zum Südwall verstreut zu finden, sagte Cyprian. Das tolle Wetter am Wochenende habe einige Krefelder ins Freie gelockt. In der Gesamtheit sei die Bevölkerung sehr einsichtig und diszipliniert.

Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Diagnosezentrum an der Schwertstraße haben im Stresstest sehr überzeugt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)/Lammertz, Thomas (lamm), Jugendforscht

Die Zahl der mit dem Corona-Virus infizierten Krefelder hat sich um zehn von 198 auf 208 erhöht. „34 davon sind sicher genesen“, informierte Dr. Agnes Court, Leiterin des Gesundheitsamtes. Sechs Personen müssten intensivmedizinisch betreut und künstliche beatmet werden, sagte sie. Mittlerweile seien 1967 Abstriche gemacht worden, 180 Ergebnisse der Tests stünden noch aus. Oberbürgermeister Frank Meyer lenkte das Augenmerk darauf, dass die Ausbreitung des Virus mit den täglich aktualisierten Zahlen nur annäherungsweise zu beschreiben sei. „Wir melden jeden Tag die Ergebnisse, die aus den Laboren übermittelt werden. Dabei ist nicht gewährleistet, dass die ausgewerteten Tests alle vom selben Tag sind“, sagte er.

Dass sich die Laborkapazitäten für die Stadt Krefeld in absehbarer Zeit erhöhen, teilte Stadtdirektorin Beate Zielke mit. Das Chemische Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Rhein Ruhr Wupper habe seinen Sitz in der Seidenstadt und dürfe nach Freigabe durch das entsprechende Ministerium seine großen Laborkapazitäten auch für die Analyse der Abstriche auf Sars CoV 2 nutzen. Das CVUA schaffe es, im Veterinärbereich 500 Tests pro Tag auszuwerten. Die Größenordnung dürfte im humanmedizinischen Feld ähnlich sein, sagte Zielke. Die Kapazitäten stünden allerdings nicht für Krefeld alleine zur Verfügung. Auch andere Kommunen wollten an der Verbesserung teilhaben. Bislang hat die Stadt Verträge mit Laboren für rund 200 Analysen pro Tag.

In der Notfallbetreuung in der Buchenschule, in der überwiegend Kinder von medizinischem Personal beaufsichtigt werden, sei ein Mitglied des Lehrerkollegiums positiv auf das Corona-Virus getestet worden, berichtete Schuldezernent Markus Schön. Alle Kontaktpersonen befänden sich in häuslicher Quarantäne. Das Reinigen und Desinfizieren des Gebäudes dauere eine Woche. „Selbst, wenn eine Schule oder Kindertagesstätte kurzfristig wie die Buchenschule einmal ausfallen sollte, haben wir Stand-by-Einrichtungen, in die wir ausweichen könnten“, informierte Schön.

Einen positiven Corona-Fall habe es in den ersten Tagen nach der Eröffnung des Diagnosezentrums an der Schwertstraße auch beim DRK-Personal gegeben, informierte Dr. Agnes Court. Dort sei am Freitag ein Stresstest erfolgt. Mit dem Ergebnis sei sie sehr zufrieden. Die zehn Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes hätten in drei unterschiedlichen Räumen in Abschnitten von zehn Minuten fünf Abstriche machen können. Dabei sei von der Koordinierung und Terminierung gewährleistet gewesen, das die zu Testenden nicht miteinander in Kontakt gerieten. Ergänzt um einen Arzt steig die Zahl der Abstriche pro zehn Minuten auf sechs. Das seien 36 pro Stunde und bei den üblichen werktägigen Öffnungszeiten (8-12 und 14-16 Uhr) maximal 216 Tests am Tag. Die Schutzkleidung des Personals, die aus Mundschutz, Kittel und Handschuhen bestehe, werde bei jedem Patienten gewechselt. Dadurch sei der optimale Schutz gewährleistet, so Dr. Agens Court.

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