Krefeld Giftige Gase in Bunker entdeckt

Krefeld · Die Feuerwehr verbot gestern das Betreten der Luftschutzräume am Canisiusplatz. Nach fast 30 Jahren wurden sie zum ersten Mal wieder geöffnet, weil die unterirdischen Gebäude vermessen und kartiert werden sollten.

 Der Plan für den neuen Canisiusplatz – die roten Punkte markieren die Bunker. Sie sind röhrenförmig angelegt und umrahmen den Platz.

Der Plan für den neuen Canisiusplatz – die roten Punkte markieren die Bunker. Sie sind röhrenförmig angelegt und umrahmen den Platz.

Foto: Davids Terfrüchte und Partner

Vermessungsexperten durften das vor kurzem wiederentdeckte Bunker- und Stollensystem am Canisiusplatz gestern nicht betreten: Für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung hätte unter Umständen Lebensgefahr bestanden. Die Fachleute der Feuerwehr waren unter Atemschutz in die seit mehreren Jahrzehnten erstmals wieder geöffneten Schutzräume am ehemaligen Hindenburgplatz geklettert und hatten giftige Gase gemessen. Die CO2-Konzentration habe im kritischen Bereich gelegen, berichtete Einsatzleiter Marcel Goldbach von der Krefelder Feuerwehr auf Anfrage.

 Nur unter Atemschutz konnten gestern Feuerwehrmänner die CO2-Konzentration in den alten Bunkerräumen unter dem Canisiusplatz messen.

Nur unter Atemschutz konnten gestern Feuerwehrmänner die CO2-Konzentration in den alten Bunkerräumen unter dem Canisiusplatz messen.

Foto: Samla.de

Bei dem Bunker in der früheren Hindenburgsiedlung handelt es sich um eine vierteilige Stollenanlage. Die Stollen sind untereinander nicht verbunden. Die Anlage war seit 1984 verschlossen. Nach fast 30 Jahren konnte daher nicht ausgeschlossen werden, dass einerseits die Sauerstoffkonzentration in der Anlage unterhalb des Grenzwerts abgesunken ist, während andererseits die Kohlenstoffdioxidkonzentration zu hohe Werte aufweist. Dies war heute in dem letzten der vier geöffneten Stollen der Fall, in dem unter anderem auch ein geringer Sauerstoffgehalt von nur 19 Prozent (Normalwert: 21 Prozent) gemessen wurde.

Die Ursache dafür sei ein sehr geringer Luftwechsel in den unter Erde und dichtem Grün gelegenen Stollen bei gleichzeitig stattfindenden Zersetzungsprozessen von Pflanzenteilen. "Dabei entstehen Faulgase", informiert Goldbach. Nach ausreichender Belüftung könne die Anlage in Kürze gefahrlos begangen werden, erklärte Stadtsprecher Manuel Kölker. Die vier Bunker sollen im Zuge der neuen Platzgestaltung im Auftrag des Grünflächenamts vermessen und kartiert werden.

Der Plan für die Neugestaltung des Canisiusplatzes, auf dem im Frühjahr mehr als hundert Scharlachkastanien gefällt werden mussten, sieht unter anderem ein neues Wegesystem vor. Geplant ist, ein äußeres und ein inneres Wege-Karree zu erstellen. Dieses soll an drei Seiten auch durch diagonal verlaufende Wege miteinander verbunden werden. Im Viereck des mittleren Wegs sollen Spielmöglichkeiten für Kinder bis 14 Jahre entstehen. Außerdem soll die Parksituation auf dem Platz neu geordnet werden, vor allem das Parken am Platzrand soll unterbunden werden. Der Entwurf hat in der Politik auch deshalb überzeugt, weil er die geringsten Kosten verursache. Schließlich stehen für die gesamten Arbeiten nur 230 000 Euro zur Verfügung.

"Wir haben die Eingänge zum Lüften offen gelassen und auch abgesperrt, damit sie niemand betreten kann", berichtet Goldbach. In den kommenden Tagen werde die Feuerwehr eine erneute Messung durchführen, um zu sehen, ob die Vermesser ihre Arbeit im Innern des vierten Luftschutzraums aus Stahlbeton gefahrlos erledigen können. Anschließend werde der Bunker wieder verschlossen.

(RP)
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