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Krefeld: Gesundheitsamt schließt Waldorf-Kita

Krefeld : Gesundheitsamt schließt Waldorf-Kita

Wegen Schimmels wurde der Kindergarten an der Kreuzbergstraße nun vom Gesundheitsamt geräumt. Die Problematik ist zumindest schon seit Anfang des Jahres dem Kita-Vorstand bekannt.

Der Waldorfkindergarten an der Kreuzbergstraße ist wegen Schimmelbefalls geräumt worden. Nach einer Begehung am Freitag mit einem sachverständigen Malermeister sei diese Entscheidung gefällt worden, sagte Gesundheitsdezernent Thomas Visser gestern auf Anfrage.

Die Decken in allen vier Gruppenräumen seien so stark mit Schimmel befallen, dass sich Übergangslösungen verboten hätten. Maßnahmen wie Anstrich oder das Säubern der Oberfläche mit Alkohol wäre "vergebliche Liebesmüh gewesen", betonte Visser; die Stadt habe aus Fürsorge um das Kindeswohl handeln müssen. "Die Situation war glasklar, da musste man kein Gutachten abwarten." Die knapp 90 Kinder werden nun in zwei anderen Krefelder Waldorf-Kindergärten und einer städtischen Einrichtung untergebracht.

Vissers Dezernat war am vergangenen Montag von besorgten Eltern über den Schimmelbefall informiert worden. Die Behörde reagierte schnell: Am Dienstag habe es die erste Begehung gegeben; die ganze Woche über sei man im Kontakt mit dem Kindergarten gewesen, bis dann am Freitag zum Abschluss eine Begehung mit dem Sachverständigen, mit Kindergartenleitung und Förderverein stattgefunden habe. Auf dieser Grundlage sei dann die Räumung verfügt worden.

Nach Angaben von Eltern sorgt das Problem innerhalb der Elternschaft schon seit geraumer Zeit für Unruhe. Spätestens seit Februar gibt es beim Kindergarten-Vorstand Nachfragen wegen Schimmelbefalls. Der Kindergarten habe versucht, das Problem einzudämmen, indem Wände mit Alkohol abgewaschen worden seien - ohne nachhaltigen Erfolg.

In der vergangenen Woche sei von der Kita ein Schimmel-Gutachten in Auftrag gegeben worden - das Ergebnis steht aus; die Stadt hat es nicht abgewartet: "Die Situation war eindeutig, wir konnten nicht warten, die Decken waren stark befallen, der Schimmel zog schon die Wände runter und saß teils im Fensterbereich", betonte Visser. Er wollte sich zur Vorgeschichte nicht äußern und betonte, die Stadt sei erst am vergangenen Montag alarmiert worden.

Er warnte allerdings grundsätzlich davor, massiven Schimmelbefall mit provisorischen Maßnahmen zu bekämpfen: "Wenn das über mehrere Monate so gelaufen ist, dann ist das brisant. Wir reden hier über die Gesundheit von Kindern wie zum Beispiel über Atemwegserkrankungen." Verschärfte Kontrollen zieht die Stadt nicht in Erwägung: "Wir können nicht alle Kitas kontrollieren, da gibt es auch eine Eigenverantwortung der Kitas", sagte er.

In den kommenden zwei Wochen wird nun eine Ursachenanalyse betrieben. Unklar ist, ob der Schimmelbefall auf bauliche Mängel oder auf ungenügendes Lüften zurückzuführen ist. Das Gebäude ist laut Visser in Privatbesitz, die Stadt hat es angemietet und an die Kita weitervermietet. In der Elternschaft regt sich Unmut darüber, dass die Ursachen der Schließung nicht mitgeteilt werden, so eine Mutter.

"Wir wissen nicht offiziell, warum der Kindergarten geschossen wurde und wie lang das so bleibt", sagt sie. Es hänge nur ein Zettel des Gesundheitsamts an der Eingangstür an der Kreuzbergstraße, der die Eltern darüber informiere, dass die Einrichtung dichtgemacht wurde.

Besonders kurios findet sie, dass die Kita so lange offen geblieben sei, obwohl der Vorstand und die Leitung von der Problematik gewusst haben und man nun nicht mal das Ergebnis des Gutachtens abwarte, das vergangene Woche in Auftrag gegeben wurde. "Erst, als das Ganze in die Öffentlichkeit gekommen ist, wird etwas gemacht. Das ist doch unglaublich", sagt sie.

Der Vorstand des Waldorfkindergartens war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

(RP)