Gesellschaft Renaissance Immobilien und Beteiligungen AG: Krefelder entwickeln Kunsthaus Barmen

Historische Gemäuer : Krefelder entwickeln Kunsthaus Barmen

Die Krefelder Gesellschaft Renaissance Immobilien und Beteiligungen AG hat vergangenes Jahr ein Gebäude mit rund 3200 Quadratmetern auf zwei Etagen gekauft und will dort ein besonderes Konzept verwirklichen.

Die Krefelder Renaissance Immobilien & Beteiligungen AG hat ein Faible für historische Gemäuer – und jetzt auch für Kunst. In Wuppertals  berühmten Stadtteil Barmen will sie beide Anliegen miteinander verbinden. Auf dem Areal der ehemaligen Fabrikanlage von Halbach & Meister soll ein Kunsthaus mit schicken lichtdurchfluteten Ateliers entstehen.

Die Krefelder Gesellschaft hat das Gebäude mit seinen rund 3200 Quadratmetern auf zwei Etagen vergangenes Jahr gekauft und will dort ihr besonderes Konzept verwirklichen: Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund eine Million Euro. Es sollen Einzel- und Gemeinschaftsateliers für rund 30 Künstler entstehen. Die Sheddächer der alten Fabrik eignen sich dafür perfekt, sie lassen viel Tageslicht hinein. Einige Räume sind bereits an eine Kunsthandwerkerin und einen Modellbauer vermietet.

Die Idee stamme von der Wuppertaler Künstlerin Bianca Baierl, sie habe auch die konzeptionelle Leitung: ein Haus ausschließlich für die Kunst, erklärte ein Sprecher der Renaissance AG. In den alten Fabrikhallen soll Kunst zudem begehbar sein, Kunstausstellungen mit direktem Kontakt zu den Künstlern machen aus den Ateliers so einen Erlebnisort. Jedes Wochenende werden die Ateliers für das Publikum geöffnet. Workshops und Kurse mit Künstlern sind geplant sowie alle sechs Monate Versteigerungen von hier geschaffenen Kunstwerken. Dazu gibt es auf der Webseite kurze Videoclips, die die Arbeiten der Künstler zeigen und die Künstler vorstellen. Gespräche mit diversen Künstlern laufen bereits. Denkbar ist auch ein Kunstpreis, der in Zusammenarbeit mit der Stadt vergeben wird. Gespräche mit der Stadt Wuppertal müssen noch geführt werden, auch dazu, ob eine Förderung einzelner Künstler möglich ist. Die Stadt versucht man mit ins Boot zu holen.

Im Erdgeschoss der Fabrik ist ein Café geplant, das von Studenten der Bergischen Universität Wuppertal, Fakultät für Design und Kunst, geführt werden soll. Auf der Terrasse des Cafés sollen es sich die Besucher bei schönem Wetter gemütlich machen und den schönen Blick über die Talsohle bis zu den Südhöhen genießen. Und wer gerne noch mehr sehen möchte, steigt auf die Aussichtsplattform über dem Café. Momentan wird geprüft, ob eine direkte Verbindung von der Nordbahntrasse zur Fabrik-Terrasse mit einem Stahlsteg im typischen Schwebebahn-Stahlbau-Design möglich ist. Angedacht war auch eine kleine Seilbahn oder ein Schrägaufzug. Diese direkte Verbindung von der belebten Trasse zum Kunsthaus würde für noch mehr Besucher sorgen. Laut der Renaissance Immobilien & Beteiligungen AG könnte man sofort mit den Umbauarbeiten beginnen. Anträge und Anfragen liegen der Stadt vor und die notwendigen Mittel liegen bereit.

Das Backsteingebäude selbst hat eine lange Historie: Gebaut wurde es um 1889 für ein Textilunternehmen. Die Firmengeschichte beginnt mit Friedrich Halbach. Er arbeitet in den 1920er Jahren als kaufmännischer Angestellter in einer Feilenfabrik und hat so erste Kontakte mit der Wärmebehandlung von Metallen. Denn die Feilen werden in einem Bleibad gehärtet. 1927 macht er sich in dieser Branche selbstständig, fängt in einer Garage mit einer Härterei an und gründet so die Firma Halbach. Er hat Kontakt zur Firma Josef Mayr in Hagen, die die Vertretung der Degussa, Abteilung Glüh- und Härtetechnik, innehat. Diese Verbindung kann er für sein Geschäft gut gebrauchen. Nach kurzer Zeit spezialisiert sich Friedrich Halbach auf die Härtung von Ketten. Dies geschieht in Salzbädern und von Hand in Salzbädern. 1928 tritt sein alter Schulfreund Heinrich Meister als gleichberechtigter Teilhaber in die Firma ein, nun nennen sie sich „Halbach & Meister“. Beide werden das Unternehmen 50 Jahre lang führen. Schnell verlagern sie den Betrieb in die Räume der ehemaligen Textilfabrik an der Germanenstraße. In den sogenannten Pferdeställen beginnt die Härterei kontinuierlich zu wachsen. Das Geschäft floriert und Mitte der 1930er Jahre kann das Unternehmen die Gebäude an der Germanenstraße kaufen. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges beschäftigt das Unternehmen 20 Mitarbeiter. Nach Ende des Krieges muss das Unternehmen zwei Jahre lang pausieren, entlässt aber trotzdem keinen Mitarbeiter. Mit dem alten Mitarbeiterstamm wird dann Anfang 1947 wieder neu begonnen. Kunden von Halbach & Meister waren hauptsächlich Agrarmaschinen-Hersteller.

Nach 50 Jahren scheiden die beiden Firmengründer mit 80 Jahren aus der Geschäftsleitung aus. Halbach & Meister ist an diesem Standort bis 1985 aktiv, dann zieht das Unternehmen fort. Die alte Fabrik wird danach teilvermietet.

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