Krefeld: Germania ist die meistgefragte Museums-Dame

Krefeld: Germania ist die meistgefragte Museums-Dame

Das Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert ist zurzeit in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen. Das Bild ist die gefragteste Leihgabe aus den Krefelder Kunstmuseen.

Im Kaiser-Wilhelm-Museum hat die Dame ihre eigene Kiste. Gut klimatisiert ruhte sie bereits zwischen ihren Reisen, als das Museumsdepot noch keine optimalen Bedingungen für die Kunst bot. Die Germania gehört zu den heimlichen Stars der Krefelder Kunstmuseen: Das Gemälde "Germania als Wacht am Rhein" von Lorenz Clasen, einem Vertreter der Düsseldorfer Malerschule, zählt zu den häufigsten Leihanfragen für Ausstellungen und ist entsprechend oft unterwegs. Bis zum 22. Januar ist das Bild an die Bundeskunsthalle in Bonn ausgeliehen für die Ausstellung "Der Rhein. Eine europäische Flussbiografie".

Die Germania ist das bekannteste Werk des Historienmalers Clasen (geboren am 14. Dezember 1812 in Düsseldorf, gestorben am 31. Mai 1899 in Leipzig): Über dem Rheintal wacht Germania im Brustpanzer mit dem Doppeladler gegen Frankreich im Westen. Clasen hat es 1860 nach seinem Umzug von Düsseldorf nach Leipzig gemalt. Über die Umstände gibt es widersprüchliche Aussagen. Eine Quelle sagt, Clasen habe das 220 mal 159 Zentimeter große Werk für das neue Rathaus im Von-der-Leyen-Schloss in Krefeld gefertigt. Aber es gibt auch die Überlieferung, dass im Jahr 1864 ein Leipziger Bürger namens Eduard Prell die germania als Geschenk an "meine Vaterstadt Crefeld" gegeben habe. Damals kam das wuchtige Bild ins Rathaus, denn das Kaiser-Wilhelm-Museum gab es noch nicht.

In Leipzig war die Krefelder Germania 2013 auf Heimaturlaub. In der Ausstellung "Helden nach Maß - Fragmente eines nationalen Mythos" zeigte das Stadtgeschichtliche Museum die Krefelder Leihgabe.

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Zu Clasens Oeuvre gehören unter anderem die historischen Bilder "Luther verbrennt die Bannbulle" und "Der Sängerkrieg auf der Wartburg". Doch "Germania auf der Wacht am Rhein" ist sein bekanntestes Werk - und es wurde zahlreich kopiert in den 1870er-Jahren. Nicht immer geht die Germania, die Personifikation Deutschlands, als Original auf Reisen. Oft kommen auch Anfragen nach einer Abbildung für Aufsätze - sogar aus USA.

Die Bonner Ausstellung thematisiert den Rhein als Strom der Römer. Diese nutzten den Fluss auch als Staatsgrenze: Der Niedergermanische Limes erstreckte sich von Vinxtbach in Rheinland-Pfalz bis zur Rheinmündung bei Katwijk an Zee in den Niederlanden und soll 2020 als Welterbe eingetragen werden. Dazu gehört das römische Kastell Gelduba, das als Ort neben Uerdingen, Linn und Krefeld immer noch auf einer Rheinkarte aus dem Jahr 1560 genannt wird. Das Kartenwerk von Caspar Vopelius (1511 - 1561) wird ebenfalls in der Ausstellung gezeigt. Vopelius' Karten und Globen zählen zu den bedeutendsten Werken des 16. Jahrhunderts.

(RP)
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