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Krefeld: Gericht: V-Mann-Einsatz legal

Krefeld : Gericht: V-Mann-Einsatz legal

Die Ermittlungstaktik der Krefelder Polizei im Mordfall Beate S. war rechtmäßig. Dies hat gestern das Landgericht entschieden. Der von der Krefelder Polizei eingesetzte V-Mann habe die Tatverdächtigen nicht unter Druck gesetzt.

Der Einsatz eines V-Mannes zur Ermittlung der Mörder von Beate S. (75) war gesetzeskonform. Alle dadurch ermittelten Erkenntnisse dürfen vor Gericht verwendet werden. Dies entschied gestern im spektakulären Fall "Witwenmord" das Landgericht Krefeld.

Die 75-Jährige war im März in ihrer Wohnung an der Camesstraße ermordet worden. Im Zeugenstand wurde am zweiten Prozesstag der Krefelder Kriminalhauptkommissar Gerd Hoppmann (53) gehört. Er räumte den Einsatz eines V-Mannes ein, bestritt aber die Darstellung des Hauptverdächtigen Stefan K., der sich vom "V-Mann aus dem Rockermilieu" unter Druck gesetzt gefühlt habe. Anwalt Stefan Tierel hatte deshalb gefordert, dass alle bisherigen Geständnisse seines Mandanten ihre Gültigkeit verlieren sollen. Das Gericht entschied: "Die Aussagen dürfen verwendet werden."

Was sagte Stefan K. wortwörtlich?

"Mord aus Habgier" lautet die Anklage. Das Wegberger Ehepaar Birgit und Stefan K. lernt das spätere Mordopfer Beate S. aus Krefeld-Fischeln vor rund zehn Jahren kennen. Damals liebt Beate S. den Vater von Birgit K.. Beate S. ist eine Ersatzoma für den Sohn der K.'s. Nach dem Tod ihres Vaters betreut Birgit K. die wohlhabende "Schwiegermutter" (150 000 Euro Vermögen, Eigentumswohnungen, kiloweise Goldschmuck). Die setzt ihre liebgewonnene Bekannte als Alleinerbin ein.

Doch Beate S. rechnet nicht damit, dass ihr Tod so schnell kommt. Am 16. März wird die Seniorin erdrosselt. Stefan K. (43) soll den bulgarischen Auftragskiller Hristo I. (31) aus Mönchengladbach mit dem Mord beauftragt haben. Belohnung: 23 000 Euro. Zahlreiche DNA-Spuren am Tatort machen I. dringend tatverdächtig.

Kennengelernt hatte der Bulgare seinen mutmaßlichen Auftraggeber Stefan K. wenige Monate zuvor. K. besitzt ein Haus an der Neusser Straße 81 in Mönchengladbach, das er seit Anfang 2011 als Bordell betreibt. Erst setzt K. dort Zuhälter aus der Düsseldorfer und Gladbacher Unterwelt ein: Friedhelm W. und Hans-Gerd H. überwerfen sich bald wieder mit ihm. Also habe er sich mit dem Bulgaren Hristo I. in Kontakt gesetzt, der das Bordell seitdem mit mehreren Bulgaren und bulgarischen Prostituierten betreibt. Als sich Beate S. mehrfach bei Birgit K. über den Lebenswandel von Stefan K. beschwerte, soll K. seinen mörderischen Plan gefasst haben.

Das Gericht muss jetzt die Frage klären: Wie hat Stefan K. den Bulgaren Hristo I. wortwörtlich instruiert? Gegenüber den Ermittlern räumte Stefan K. ein, dass er Hristo I. beauftragt habe, sich um die Seniorin "zu kümmern". Beide sprachen auf Englisch. Hristo I. habe für dieses "Kümmern" 23 000 Euro verlangt. Stefan K. sagt: "Mir war klar, dass er nicht mit ihr spazieren geht." Er bestreitet, einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. In seinen ersten Vernehmungen sagt er dubios: "Die haben mich gelinkt."

Ungeklärt ist auch die Rolle von Birgit K.. Vor der Tat hatte Stefan K. ihr gegenüber angedeutet, dass er die Seniorin töten lassen wolle. Laut Hoppmann soll Birgit K. nach dem Mord in einem abgehörten Telefonat gesagt haben, sie freue sich darauf, in einer "Badewanne voll Geld" zu liegen. Hoppmann geht davon aus, dass sie "mindestens Mittäterin" war. Birgit K. soll die Kontrolle über die Finanzen gehabt haben. Ohne sie wäre Stefan K. niemals an das Erbe gekommen.

Kommissar Hoppmann äußerte gestern sein Entsetzen: "Wir konnten uns nie vorstellen, dass so biedere bürgerliche Leute so etwas tun, und dann noch dem eigenen Sohn die Lieblingsoma nehmen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Witwenmord Beate S.: Prozessauftakt in Krefeld

(RP/rl)