1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Geheimnisse des Speerträgers

Krefeld : Geheimnisse des Speerträgers

Auf dem Schulhof des Arndt-Gymnasiums steht eine Statue, die nicht nur als Schullogo dient, sondern die auch eine rätselhafte Geschichte hat. Schüler haben diese nun erforscht. Doch manche Fragen blieben offen.

Westbezirk Die Statue, die auf dem Schulhof des Arndt-Gymnasiums steht, fehlt auf keinem Abiturfoto. Als stilisierte Linienzeichnung ziert "Der Speerträger" außerdem das Schul-T-Shirt, und auch auf Briefpapier und Homepage des Innenstadtgymnasiums ist er als Logo zu finden. Doch bis vor kurzem war vor allem in der Schülerschaft nur wenig über Geschichte und Bedeutung des allgegenwärtigen Denkmals bekannt. Deshalb hat sich eine Projektgruppe des Themas angenommen.

Akten wälzen im Schularchiv

"Es ist nicht richtig, wenn man ein Symbol trägt, aber nicht weiß, was es bedeutet", sagt die 15-jährige Ellen Neschew. Unter der Leitung von Historikerin Annegret Hols suchten Ellen und fünf weitere Schüler der 9. Klasse nach Informationen über den Speerträger und arbeiteten sich dazu durch dicke Akten des Schularchivs. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit präsentieren die Schüler auf einer riesigen Plakatwand, die im Eingangsbereich der Schule ausgestellt ist.

"Die Statue wurde im Jahr 1927 vom "Verein der ehemaligen Schüler des Gymnasiums zu Krefeld" als Ehrenmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer der Schule gestiftet", berichtet Ellen.

  • Die Presswerk Krefeld Gruppe hat Insolvenz
    Umsätze wegen Chipkrise dramatisch eingebrochen : Krefelder Presswerk meldet Insolvenz an
  • Majid Kessab ist glücklich: Für den
    Krefelder Tänzer : Majid Kessab gibt sein Kinodebüt in „Fly“
  • Gute Stimmung herrscht beim CHTC-Quartett auch
    CHTC-Spielerinnen bilden WG : Chaos am Chlodwigplatz

Die Bronzestatue ist eine Kopie des "Doryphoros" (griechisch für Speerträger) des griechischen Bildhauers Polyklet, der im 5. Jahrhundert lebte. Sie gilt als Symbol für den "perfekten Krieger" und als Idealbild des Humanismus. 1934 wurde eine Platte mit den Namen der Gefallenen ergänzt. "Interessanterweise war sogar der Name eines jüdischen Gefallenen, Ludwig Heymann, dabei, obwohl die Juden ja damals verfolgt wurden", erzählen die Schüler. Auf einer Gedenkplatte auf dem jüdischen Friedhof entdeckten sie diesen Namen nämlich wieder. Was unklar bleibt, ist, ob es sich um einen Schüler oder Lehrer des Arndt handelte.

Doch die Statue birgt noch weitere Rätsel. Zum Beispiel, wer eigentlich den Speerträger 1939 vor dem Einschmelzen gerettet hat. Unbeschadet überstand das Kunstwerk den 2. Weltkrieg versteckt im Kohlenkeller der Schule.

"Wir würden wirklich gern wissen, wer ihn damals dort hingebracht hat", sagt Dustin Tissen. Doch das ging aus den staubigen Unterlagen des Schularchivs nicht hervor. Der Retter bleibt unbekannt. Ebenso unklar ist, wer für den Diebstahl des Kopfes im Jahr 1985 verantwortlich ist. In der Nacht zum 29. Dezember verschwand damals das Haupt des Doryphoros und musste mit Hilfe vieler Spender aufwendig rekonstruiert werden. Obwohl die Frage, ob ein Krieger ein gutes Symbol für eine Schule ist, am Arndt-Gymnasium immer wieder Gegenstand kontroverser Diskussionen ist, hat sich der Doryphoros bis heute als Logo durchsetzen können.

(puv)