Geflüchtete fassen in Krefeld weiter Fuß auf dem Arbeitsmarkt

Caritas : Geflüchtete fassen in Krefeld weiter Fuß auf dem Arbeitsmarkt

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von September 2017 bis September 2018 um insgesamt 61 Prozent auf 874.

In Krefeld fassen immer mehr geflüchtete Menschen auf dem Arbeitsmarkt Fuß. Das geht aus dem Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW hervor. Und würden rechtliche Hürden fallen, könnte die Zahl noch größer sein, sagt die Caritas. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den Geflüchteten stieg zwischen September 2017 und September 2018 um 61 Prozent auf 874. Auch machen nach Angaben des Arbeitslosenreports deutlich mehr Flüchtlinge eine Berufsausbildung. Im September vergangenen Jahres waren es in der Stadt 106. „Diese positive Entwicklung verdanken wir auch all den Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der Träger und der Wohlfahrtsverbände, die mit großem Engagement bei der Integration in Arbeit und Ausbildung geholfen haben“, sagt Roman Schlag, Referent für Arbeitsmarktfragen beim Caritasverband für das Bistum Aachen. Der Verband ist Teil der Freien Wohlfahrtspflege in NRW.

Allerdings ist der Weg in Job und Ausbildung für viele Flüchtlinge noch immer lang und beschwerlich. „Wir bedauern, dass die rechtlichen Regelungen zur Arbeits- und Ausbildungsförderung geflüchteter Menschen nach wie vor sehr komplex und schwer durchschaubar sind“, sagt Schlag. Das kürzlich verabschiedete Ausländerbeschäftigungsförderungsgesetz hätte den Zugang zu den dringend notwendigen Maßnahmen der Ausbildungsförderung und berufsbezogenen Deutschförderung für alle Geflüchteten erleichtern können. Doch die Regelungen seien unzureichend, weil sie zu viele Gruppen Geflüchteter von einzelnen Leistungen ausschlössen. „Es wäre viel besser, wenn es folgende Regelung gäbe: Wer in Deutschland eine Arbeitserlaubnis erhält, bekommt auch sofort alle nötigen berufsvorbereitenden und ausbildungsfördernden Hilfen. Denn sie sind schließlich der Schlüssel zu einer qualifizierten Tätigkeit“, sagt Roman Schlag.

In NRW sind derzeit zwei Drittel der Geflüchteten (67 Prozent) nur im Niedriglohnbereich beschäftigt, was auch mit der Art Beschäftigungsverhältnisse zusammenhängt. In Krefeld sind derzeit annähernd 70 Prozent in Helferjobs tätig, circa 31 Prozent in Leiharbeit. „Viele Flüchtlinge arbeiten deutlich unter ihren Möglichkeiten“, beobachtet Duysal Altinli, Fachreferent für Integration und Migration beim Caritasverband für das Bistum Aachen. „Mit gezielter Sprachförderung, beruflicher Qualifizierung und einer erleichterten Anerkennung der im Ausland erworbenen Kompetenzen könnten wir deutlich mehr von ihnen als Fachkräfte gewinnen, die unsere Wirtschaft so dringend braucht.“

Das gilt nach Ansicht des Caritasverbandes für das Bistum Aachen ebenfalls für viele Flüchtlinge, die noch auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Zahl der Hartz IV-Empfänger aus den acht zuzugsstärksten Asylherkunftsländern außerhalb Europas ist in Krefeld auf 2432 im November 2018 gestiegen. „Es kommt jetzt darauf an, sie so schnell und gezielt wie möglich zu qualifizieren. Nur so können wir verhindern, dass aus ihnen die Langzeitarbeitslosen von morgen werden“, sagt Roman Schlag, Fachreferent für Arbeitsmarktfragen.

Die Caritas begrüßt, dass Flüchtlinge verstärkt in Maßnahmen zur Beruflichen Weiterbildung bzw. zur Berufswahl und Berufsausbildung gefördert werden. Im Dezember 2018 erhielten in Krefeld 130 Menschen Unterstützung bei ihrer beruflichen Orientierung und Qualifizierung. Doch das reicht aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege in NRW nicht. Zu oft stünden aufenthaltsrechtliche Regelungen einer nachhaltigen Integration Geflüchteter in Ausbildung und Arbeit in wirklich zukunftsorientierten Berufen entgegen. „Wenn wir mehr Fachkräfte statt Hilfsarbeiter wollen, müssen wir dafür die rechtlichen Weichen richtig stellen“, sagt Roman Schlag.

Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz. Er stützt sich auf Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften.

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