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Gefährliches „Petrolkoks“ lagerte im Hafen in Krefeld

Umweltministerium recherchierte : Gefährliches „Petrolkoks“ lagerte im Hafen

Die Gefährlichkeit von Rückständen aus der Schwerölvergasung wurden von Shell offenbar über Jahrzehnte verniedlichend als Petrolkoks deklariert. Zu Unrecht, wie das Landesumweltministerium feststellt. Das Produkt, das auch von zwei Firmen im Krefelder Hafen verarbeitet wurde, gilt als krebserregend. Beschäftigte, die damit Umgang hatten, sorgen sich.

Die Rückstände aus der Schwerölvergasung in der Rheinland-Raffinerie der Firma Shell Deutschland GmbH Oil in Wesseling wurden lange Zeit als Petrolkoks an Kraftwerke, Verbrennungsanlagen und mineralstoffverarbeitende Betriebe auch im Krefelder Hafen weitergegeben. Das Umweltministerium hat eine Liste mit 24 Unternehmen veröffentlicht, die mit dem mutmaßlich krebserregenden Stoff gearbeitet haben. Er habe nach den heutigen rechtlichen Vorgaben nicht als Petrolkoks und auch nicht als Nebenprodukt eingestuft werden dürfen. Aktuell würden die Rückstände ausschließlich als gefährlicher Abfall betrachtet, der über eine Abfallbehandlungsanlage auf dafür zugelassenen Deponien entsorgt werden dürfe, erklärte das Umweltministerium.

Die Vorfälle in Krefeld liegen viele Jahre zurück. In den Jahren 2008 und 2009 lagerten im Krefelder Hafen bei der Firma CC Umwelt knapp 5500 Tonnen als Petrolkoks. Die Gefahr, die von dem mit Schwermetallen belasteten Shell-Produkt ausging, war den Beschäftigten seinerzeit nicht klar. Heute sorgen sich Betriebsräte aus dem Ruhrgebiet und wahrscheinlich auch die Beschäftigten in Krefeld, die Umgang mit dem „Petrolkoks“ hatten, um ihre und die Gesundheit ihrer damaligen Kollegen. Stäube und Verbrennungsabluft konnten über die Atemwege in die Lungen gelangen. Die Wirkung von Inhaltsstoffen, die im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen, tritt in der Regel erst nach Jahrzehnten auf. Der Auslöser der Erkrankung ist dann oftmals kaum auszumachen.

Sorgen dürften die neuen Nachrichten aus dem Umweltministerium auch bei Beschäftigten der MAV (Mineralstoff - Aufbereitung und Verwertung GmbH) an der Bataverstraße im Rheinhafen auslösen. Die MAV hat in den beiden erwähnten Jahren gut 4000 Tonnen „Petrolkoks“ verarbeitet.

Auslöser der Untersuchungen des Umweltministeriums war eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Michael Hübner zur Entsorgung „giftiger Pellets“ aus einer Raffinerie der BP in Gelsenkirchen. In dem Kontext hat das Umweltministerium intensive Recherchen zu den Rückständen aus der Schwerölvergasung von Shell in Wesseling.

Shell habe sie als Petrolkoks und Nebenprodukt an Dritte weitergegeben. Dabei unterschieden sich klassischer Petrolkoks und der Shell-Petrolkoks ganz grundlegend voneinander. Er weise höhere Gehalte von Nickel, Vanadium und Schwefel auf, teilte das Umweltministerium mit.  Die Sicherstellung der Einhaltung geltender Vorgaben obliege zuvorderst den Wirtschaftsbeteiligten. Zur Verbesserung des behördlichen Überwachungssystems solle der Einstufung von Rückständen als Nebenprodukt oder Abfall auch aus anderen Herstellungsprozessen verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet werden. Das Ministerium befinde sich dazu  mit den Bezirksregierungen in Abstimmung, heißt es aus der Landeshauptstadt.

CC Umwelt an der Bataverstraße hat in den Jahren 2008 und 2009 knapp 5500 Tonnen „Petrolkoks“ gelagert. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Stadt Krefeld sei aufgefordert worden, innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches die Rechtmäßigkeit der Verwendung von Petrolkoks zu überprüfen, sofern dieser in Anlagen als Brennstoff eingesetzt werde, erklärte Stadtsprecher Timo Bauermeister auf Anfrage unserer Redaktion.  „In Anlagen der Zuständigkeit der Stadt Krefeld wurde Petrolkoks nicht eingesetzt, so dass von hieraus nichts zu veranlassen war“, sagte Bauermeister.