Kolumne Kr Wie Krefeld: Fußnote zum Wahlkampf

Kolumne Kr Wie Krefeld: Fußnote zum Wahlkampf

In Wahlkampfzeiten tritt besonders deutlich zutage, dass der Sieg der Gender-Gerechtigkeit über unsere schöne deutsche Sprache vollkommen ist. Alle sagen Bürgerinnen und Bürger, Fischelnerinnen und Fischelner, Fußballspielerinnen und Fußballspieler oder greifen zu Schreibweisen wie SchülerInnen. Ein Großbuchstabe mittendrin, um den Bruch der Systematik anzuzeigen und dem Leser mit dem Stilett auf die Stirn zu piksen: Pass auf, jetzt sind männliche und weibliche Schüler gemeint! Wären Wörter Giraffen, würden wir in der Savanne Tiere mit zwei Hälsen sehen: einem männlichen und einem weiblichen.

Als Journalistin oder Journalist, die oder der um Zeilen kämpft, gehört es mittlerweile zum Tagwerk, gefühlt eine Milliarde "-innen" aus Texten heraus zu kürzen, weil man solche geschlechtergerecht breitgeklopften Sätze schlicht nicht lesen kann. Es ist ja schon beim Zuhören von Ansprachen schwer, die Litanei der "Tatatataer und Tatatataerinnen" zu ertragen. Es ist, wie gesagt, eine vollkommene Niederlage: Der Einwand, dass "maskulin" in der Sprache grammatikalisch und nicht semantisch definiert ist, ist so mausetot wie die Lateinerinnen und Lateiner im alten Rom.

Die Wahlkampfsprache wird durch diesen Zuwachs an Gendergerechtigkeit nicht gerade lebendiger; im Gegenteil. Der Floskelalarm wird eher lauter. Das Bestreben, ja nicht gegen Regeln gendergerechten Sprechens zu verstoßen, gibt vielen Beiträgen etwas VHS-mäßig Gelerntes: Politischer Wortbeiträger, gehst du zum Podium, vergiss dein Tatatataerinnen-Mahlwerk nicht. So bekommen selbst gute Reden etwas Waschzettelartiges: Ja keinen Spiegelstrich vergessen! Auch das trägt dazu bei, der politischen Sprache unserer Tage etwas Papierenes zu geben.

Ende der Fußnote. vo

(RP)