Krefeld: Führungswechsel an der Hochschule

Krefeld: Führungswechsel an der Hochschule

Führungswechsel an der Hochschule Niederrhein: Rektor Hermann Ostendorf übergab gestern an den Präsidenten Hans-Hennig von Grünberg. Der Streit um die Studiengebühren war nur Randthema, die Zukunft der Hochschule sahen die Redner rosig: mit mehr angewandter Forschung.

Am letzten offiziellen Amtstag von Rektor Hermann Ostendorf (65) war aller Ärger zwar nicht vergessen, jedoch verflogen. Mit Spannung war nach dem Streit um die Verwendung der Studiengebühren die Abschiedsrede von Minister Andreas Pinkwart erwartet worden. Dazu nur dies: "Die Fachhochschule Niederrhein erhebt Studienbeiträge, und dass dies auch in der Zusammenarbeit mit meinem Haus eine durchaus arbeitsintensive Angelegenheit ist, haben wir beide letztes Jahr hautnah erfahren." Ein Schmunzeln ging durch den Saal – und der scheidende Rektor sagte seinem Chef: "Ich danke Ihnen, Herr Minister, dass sie mir stets gesagt haben, wo es lang geht." Länger als der "Dank nach oben" (O-Ton Ostendorf) fiel der Dank nach unten aus – das Grußwort an all die Kollegen, die ihn in den 16 Jahren begleiteten. Eines war gestern Abend spürbar: Der scheidende Rektor hat seine HN als Steuermann gelenkt. Optisches Symbol: das Steuerrad, das während des Abschiedsabends mehrfach an die Wand projiziert wurde.

Norddeutsche Zusammenarbeit

500 Gäste aus Hochschulwesen, Politik und Wirtschaft waren zur Feier in das Krefelder Audimax Süd gekommen, um Hermann Ostendorf zu verabschieden und den neuen Präsidenten, Hans-Hennig von Grünberg (44), zu begrüßen. Vielleicht liegt es an der norddeutschen Herkunft beider Männer – Ostendorf ist Oldenburger, von Grünberg aus Eckernförde –, dass beide zuletzt fruchtbar kooperierten. Hans Hennig von Grünberg betonte in seinem Grußwort jedenfalls, wie viel er von Ostendorf habe lernen können: "Liebevoll hat er mich in meine Aufgabe eingeführt, mit großer Ruhe und immer schön langsam."

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Sogar über die Bilder im Amtszimmer haben beide geredet. "Da geht ein Schlag Mensch, den niemand aus meiner Generation so einfach wird ersetzen können." Michael Lent, Vizepräsident für Forschung und Lehre an der HN, skizzierte die Biografie Ostendorfs: "Sie haben als Wichtigstes ihre starke Persönlichkeit und eine gesunde Portion Humor in die Fachhochschule Niederrhein gebracht und in kritischen Situationen stets kühlen Kopf bewahrt."

Bei den Erwartungen an den neuen Präsidenten wurden – im Subtext – jedoch auch die Versäumnisse bisheriger Hochschulpolitik deutlich. Margot de Jong-Jennen, Vorsitzende des Hochschulrates, machte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Region deutlich. "Die Zukunft der Fachhochschulen wird davon abhängen, in welchem Maße sie angewandte Forschung betreiben." Pinkwart unterstrich die Wichtigkeit von "interdisziplinärer Kooperation der Fachbereiche."

Und vier Ziele nannte der neue Präsident von Grünberg. Er wolle das Profil der HN schärfen, die Forschungsbedingungen verbessern, sich verstärkt um die Masterstudiengänge kümmern und die HN internationalisieren. Er schloss mit dem typischen Ostendorf-Satz: "Ja, dann machen wir das doch so."

(RP)