Friedemann Layer dirigiert die Niederrheinischen Sinfoniker, als Solist glänzt der Kontrabassist Boguslaw Furtok in Krefeld

Konzerte in Krefeld : Glanzvolles aus Bruckners Musikerleben

Friedemann Layer dirigiert die Niederrheinischen Sinfoniker, als Solist glänzt der Kontrabassist Boguslaw Furtok.

Bei der Planung der Sinfoniekonzerte setzt Generalmusikdirektor Mihkel Kütson immer wieder einmal außergewöhnliche Instrumente in Solofunktion ein. Im vergangenen Jahr war es das Saxofon und nun – beim 5. Konzert der Saison – der Kontrabass. Mit dem Solokontrabassisten des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks, dem gebürtigen Polen Boguslaw Furtok, war ein ausgezeichneter Solist gefunden, der die enormen Schwierigkeiten des Kontrabasskonzertes aus der Feder des estnischen Komponisten Eduard Tubin (1905-1957) souverän meisterte. Dass er das einsätzige Opus mit den rasanten Passagen, Doppelgriffen, den hohen Flageoletts und der  umfangreichen Solokadenz auswendig spielte, zeigte einmal mehr, wie sehr er das nur in wenigen Passagen eingängige, teils sogar harsch anmutende Werk verinnerlicht hatte.

Das Publikum im Seidenweberhaus war gebannt angesichts der klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten des eher plump wirkenden Instrumentes, feierte den Solisten enthusiastisch und freute sich über die bis dahin entbehrte Sanglichkeit  der Zugabe („Rêverie“ von Giovanni Bottesini – mit Begleitung der Streicher).

Hatten die Niederrheinischen Sinfoniker – diesmal unter der Leitung des Gastdirigenten Friedemann Layer – bereits als anpassungsbereite Begleitung im Tubin-Konzert geglänzt, so gefielen sie ebenso in der tonmalerisch eindrucksvollen Sinfonischen Fantasie op.49 „Pohjolas Tochter“ von Jean Sibelius (1865-1957).

Anton Bruckner und dessen 1. Sinfonie c-Moll (in der späten Wiener Fassung von 1891, da  – laut Friedemann Layer – darin die sinfonischen Erfahrungen eines ganzen Musikerlebens vereinigt sind), geriet zum Gipfelpunkt des Abends.

Der aus Wien stammende, weitgereiste Dirigent, dessen wichtigste Stationen Düsseldorf, Mannheim, Montpellier, Paris, Dresden, Berlin und San Francisco waren, hatte das umfangreiche und komplizierte Werk  minutiös erarbeitet. Dazu wählte er  eine geänderte Sitzordnung des Orchesters: Erste und zweite Geigen saßen sich gegenüber, die Celli vor dem Dirigentenpult, die Bratschen halbrechts und die Kontrabässe links. Mit sparsamsten Bewegungen und ohne (zumindest für das Publikum) wahrnehmbare Emotionen leitete der Dirigent seine hoch motivierten Musiker. Die überzeugten mit seidigem Streicherklang, akkuraten Hörnern, prachtvollem Blech und reicher Differenzierung in den Holzbläsern. Nicht vergessen sei der vielbeschäftigte Paukist. So gelang den Niederrheinischen Sinfonikern eine eindrucksvolle Würdigung des stets von Skrupeln geplagten österreichischen Komponisten, der die Sinfonie als „Königsgattung aller Musik“ verstand.

Das Programm wird noch einmal gespielt am Freitag, 5. April, 20 Uhr, im Seidenweberhaus. Kartentelefon 02151 805125.

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