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Fridays for Future und die Krefelder Kommunalpolitik

Kommentar : FFF und die Kommunalpolitik

Fridays for Future ist in der Kommunalpolitik angekommen. Und macht die Erfahrung, die jeder macht, der in die Politik geht: Es wird gekämpft. Dabei schlagen sich die FFF-Leute gut. Die Kommunalpolitiker aber auch.

Eine Zahl macht die Dimension anschaulich: Rund 500 Bäume, die in Krefeld für 400.000 Euro gepflanzt werden, nehmen pro Jahr sechs Tonnen CO2 auf; ein einziger Krefelder verbraucht im gleichen Zeitraum rund zwölf Tonnen  CO2. Man müsste also rund 1000 Bäume pflanzen, um den CO2-Ausstoß eines Krefelders zu neutralisieren – für ganz Krefeld 230 Millionen Bäume (nach anderen Modellen: 180 Millionen Bäume).

Das zeigt, wie sehr der Mensch die Natur überfordert. Und es zeigt, was Klimawende meint. So ist die Verschärfung des Tons in der Debatte um den Klimaschutz in Krefeld aufschlussreich für beide Seiten: für die jungen Leute, die in der Kommunalpolitik mit Machtkämpfen und Ablauf-Regeln konfrontiert sind; und für Kommunalpolitiker, die sich jungen Aktenfressern gegenübersehen – was als Kompliment gedacht ist. Denn diese Erfahrung macht man immer wieder im Gespräch mit FFF-Aktivisten: Anders als die Empörungsspezialisten bei Facebook, die viel brüllen und wenig lesen, sind die jungen Leute beeindruckend bewandert in ihrem Thema. Einen Antrag auf den Weg zu bringen, der sich aus bereits verabschiedeten Klimaschutz-Beschlüssen speist, ist raffinierter, als es sich liest.

In der Tat  hat die SPD, die einst ein Klimapaket mit Grünen und Linken verabschiedet hat, ein Erklärungsproblem, wenn sie jetzt beim Wort genommen wird und rasch erste Maßnahmen mitbeschließen soll.  SPD-Ratsherr  Jürgen Hengst hat aber auch Recht, wenn er auf Abläufe, Verabredungen und Maßnahmen-Bündel pocht.  Zwei Lebensgefühle stoßen aufeinander: Die FFF-Jugend leben in dem Bewusstsein, dass wir kaum noch  Zeit für die Klimawende haben. Kommunalpolitiker wiederum leben unter der Knute von Gremienlogik, Bürgerprotesten und politischen Interessen. Beide Gefühlswelten sind im Bauauschuss aufeinandergeprallt. In Krefeld ist die Zeit der schönen Absichtserklärungen vorbei.

Politische Interessen gibt es bei all dem ja auch. Die Grünen profitieren von der Klimadebatte am meisten. Keine andere Fraktion im Rat kann ein Interesse daran haben, dass fortan nur noch die Grünen als die große Klimawende-Kraft in Krefeld wahrgenommen werden. Die Art, wie die anderen eine Gegenpositionierung versuchen, konnte man jüngst bei CDU-Ministerpräsident Armin Laschet beim Krefelder Zukunftskongress beobachten: Laschet empfahl seine Partei als die Kraft, die die großen Ziele im Auge hat, aber an der realistische Umsetzung arbeitet – anders als (so die Lesart Laschets) die Grünen, die viel fordern und sich wenig um Umsetzung und Folgen kümmern. Auch Hengst hat die Logik kommunalpolitischen Machens betont, und ebenso liegt die CDU auf dieser Linie, wenn sie geltend macht, es sei ein Fehler gewesen, in Klimakonzepten Unerfüllbares zu versprechen.

Bleibt zu hoffen, dass sich wirklich Konsensmöglichkeiten eröffnen. Eine Stadt klimafreundlich zu machen, kostet Geld und Kraft. Für beides braucht es einen ungewöhnlich kraftvollen Konsens. So schlägt die Stunde der Brückenbauer – das ist die Verantwortung aller: nicht Wege zum Konsens zu verbauen.