Fridays for Future: Erste Demo in Krefeld - Schülerprotest gegen Klimawandel

Schülerprotest gegen Klimawandel : Erste „Fridays for Future“-Demo in Krefeld

Am Freitag, 11 Uhr, demonstrieren vorwiegend Schüler gegen den Klimawandel. Die Organisatoren wünschen sich, dass auch viele Ältere, Eltern und Oberbürgermeister Meyer mitmarschieren.

Krefeld wird am Freitag, 15. März, die erste „Fridays for Future“-Demonstration erleben, mit denen Jugendliche in ganz Europa für entschlossenes Handeln der Politik gegen den Klimawandel protestierten. Die Veranstalter der Demonstration erwarten 500 bis 1000 Teilnehmer, der Demonstrationszug wird sich ab 11 Uhr vom Bahnhof aus auf den Weg durch die Stadt zum Rathaus bewegen. Schülern, die Unterricht versäumen, werden unentschuldigte Fehlstunden angerechnet: Die Reaktionen der Schulleitungen sind gespalten: Die Spannweite reicht von Sympathie für das Anliegen bis zu der Aufforderung an die Schüler, ihren Protest nach der Schule zu organisieren.

Bundesweit gehen die Schüler unter dem Stichwort „Fridays for Future“ auf die Straße und demonstrieren gegen den Klimawandel. Ihr Vorbild ist Klimaaktivistin Greta Thunberg – die Schülerin hatte mit Protesten vor dem schwedischen Parlament weltweit für Aufsehen gesorgt. In Krefeld gehört Björna Althoff zu dem Organisationsteam für den Protestzug. Die 29-Jährige ist Mutter zweier Kinder. Das Team hat sich in den sozialen Netzwerken organisiert. „Jeder, der möchte, kann für seine Region eine Whatsapp-Gruppe erstellen, Bekannte einladen und den Link auf der Homepage von ,Fridays for Future’ teilen“, erklärt Althoff das Prinzip. Die 29-Jährige hat die Demonstration für Krefeld angemeldet. Der Klimawandel sei das Kernthema, es gehe aber auch um den Kohleausstieg und Umweltfolgen wie ein ansteigender Meeresspiegel, Wetterkatastrophen und Heimatverlust. Dazu werden zu Beginn der Demonstration Reden gehalten.

Im Organisationsteam sind Schüler, Studenten, aber auch Eltern. Philipp Klaas ist einer der Schüler, die sich um die Organisation kümmern. „Es ist unsere Aufgabe als Schüler und Studenten, unsere Meinung klar und deutlich zu definieren. Wir wollen später nicht vor unseren Kindern und Enkeln in Erklärungsnot geraten, wenn sie fragen, warum wir nichts gegen den Klimawandel getan haben.“ Viele der beteiligten Schüler seien nicht volljährig, dürften also auch nicht wählen. „Zu demonstrieren ist für sie die einzige Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen“, sagt der Schüler des Moltke-Gymnasiums. Philipp Klaas wünscht sich von Oberbürgermeister Frank Meyer, dass er sich ähnlich verhält wie der Hamburger Bürgermeister. Der hatte sich unter die Demonstranten gemischt und das Gespräch mit den Schülern gesucht.

„Fridays for Future“ ist als Schülerstreik bekannt – in Krefeld möchten die Organisatoren ihn generationsübergreifend gestalten. „Die Demonstration soll repräsentativ sein“, sagt Klaas. Er wehrt sich zudem gegen den Vorwurf, Schüler wollten nur die Schule schwänzen. „Wir demonstrieren während der Schulzeit, weil wir so viel mehr Aufmerksamkeit bekommen.“ Die Schüler beziehen sich laut Philipp Klaas auf Paragraph 43, Absatz vier des Schulgesetzes, wonach Schüler auf Antrag der Eltern aus wichtigem Grund beurlaubt werden können. „Wir verpflichten uns dazu, den Lernstoff eigenständig nachzuholen“, sagt Klaas, der sich momentan auf sein Abitur vorbereitet.

Björna Althoff ist Mutter zweier Kinder. „Ich habe eine konkrete Angst um die Zukunft meiner Kinder“, sagt sie – als angehende Ärztin beschäftigt sie sich auch mit den medizinischen Auswirkungen und Folgen des Klimawandels. „Man beobachtet eine Zunahme an Allergien, mehr Herz- und Lungenprobleme durch Hitzewellen, Infektionskrankheiten breiten sich schneller aus, etwa auch Malaria.“

Anfragen bei Krefelds Schulleitungen blieben weitgehend erfolglos – die meisten wollten sich öffentlich nicht zu der Demonstration äußern. So viel wurde deutlich: Das Fernbleiben vom Unterricht wird als unentschuldigtes Fehlen gewertet; es gab auch Sympathiebekundungen: Der Regelverstoß sei ethisch nachvollziehbar, hieß es einmal.

Die Einzige, die sich öffentlich äußerte, war Christa Lunkenheimer, Leiterin der Albert-Schweitzer-Realschule: Sie sagt, man könne auch in der Freizeit demonstrieren; die Opferung von Freizeit sei sogar ein deutlicheres Signal. Im Allgemeinen findet Lunkenheimer es gut, dass sich Schüler engagieren.

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