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Krefeld: Fressnapf peilt zwei Milliarden Umsatz an

Krefeld : Fressnapf peilt zwei Milliarden Umsatz an

Torsten Toeller, Inhaber und Gründer von Fressnapf, reiht Rekord an Rekord. Obwohl er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, gibt es für seine rund 1400 Tierfutter und -zubehörmärkte wirtschaftlich nur eine Richtung - nach oben. Bis 2021 will die in Linn ansässige Fressnapf Holding SE weitere 800 Märkte eröffnen. Das schafft alleine in der Krefelder Firmenzentrale mehr als 100 neue Arbeitsplätze.

Das Jubiläumsjahr zum 25-jährigen Bestehen der Fressnapf-Gruppe in 2015 war schon ein Rekordjahr. 2016 steigerte die Holding den Umsatz noch einmal um 7,5 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr peilen die Verantwortlichen die Zwei-Milliarden-Euro-Marke an. "Wir sind hervorragend gewachsen, auf allen Ebenen", sagte Torsten Toeller, gestern bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse und der mittelfristigen Pläne bis ins Jahr 2021.

Der Firmengründer hob heraus, dass der Erfolgskurs auch während der Umstrukturierung des Unternehmens bei laufendem Betrieb nicht verlassen worden sei. Er habe sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen (wir berichteten) und die Verantwortung an eine elfköpfige Geschäftsführung übertragen. Deren Vorsitzender Alfred Glander sei ein langjähriger Bekannter und Vertrauter mit außerordentlichen Branchenkenntnissen. Für den kaufmännischen Teil finde er in Hans-Jörg Gidlewitz ein ebenso kompetentes Pendant.

Glander informierte, dass alle Ziele für das vergangene Geschäftsjahr erreicht und sogar übertroffen worden seien. Das betreffe die Eröffnung neuer Märkte ebenso wie die Steigerung der Umsätze absolut und in Prozent. Ein Blick über die Grenzen hinaus unterstreicht das ungeheure Potenzial auf dem Markt mit Produkten und Dienstleistungen für Haustiere. Vor allem Polen, aber auch Italien, Frankreich und die Schweiz zeigen Wachstumszahlen im zweistelligen Prozentbereich. Auf diese Fokusländer wollen Glander und Co. in Absprache mit dem Eigentümer und Verwaltungsratschef Toeller bis 2021 einen Schwerpunkt legen. 800 neue Märkte sollen bis dahin eröffnet werden: 80 in Deutschland, 120 in Polen, 150 in Italien und 300 in Frankreich. Die Nummer drei der Welt und Nummer eins in Europa bei den Märkten für Tierfutter und -zubehör sieht ein Potenzial für 1300 neue Märkte. "Das ist unsere Bruttozahl", sagt Glander. Die ins Visier genommen 800 neuen Märkte bedeuteten bereits ein Verdopplung eigener Filialen. In Deutschland arbeitet Fressnapf bekanntlich auch mit Franchise-Partnern. "Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern", sagte Toeller. In den zehn europäischen Ländern verzichtet Fressnapf jedoch auf das erfolgreiche Modell. Aus rechtlichen Gründen, aber auch, weil die Menschen dort eine andere Mentalität als in Deutschland haben.

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Zwei Drittel des Umsatzes macht die Gruppe mit Tierfutter, ein Drittel mit Zubehör wie Hundeleinen und Körbchen, aber auch Produkten wie Katzenstreu. "Das ist online nicht anders wie in unseren Märkten", erklärte Toeller. 45 Prozent des Umsatzes macht der Unternehmer mit Eigenprodukten für alle möglichen Zielgruppen. "Wir übernehmen so manchen Trend aus dem Humanbereich", berichtete Glander. Die emotionale Bindung der Tierhalter zu ihren Alltagsgefährten erreicht oder übersteigt sogar nicht selten die Zuneigung zu menschlichen Familienangehörigen und Bekannten.

Fressnapf tut alles, um seine Kunden kennenzulernen. Mit verschiedenen Instrumenten wie Payback-Karten, Welpenclub-Mitgliedschaften und anderes sammelt die Gruppe Daten und Informationen, die geeignet sind, die richtigen unternehmerischen Entscheidungen zu treffen und den Kunden über alle möglichen Kanäle gezielt anzusprechen.

Mit Online-Verkauf ist Fressnapf bislang nur in Deutschland unterwegs. Das soll sich in den kommenden drei Jahren allerdings ändern. Mit der Entwicklung sind die Verantwortlichen zufrieden. Der Umsatz stieg von 59 auf 70 Millionen Euro, und auch mit den Franchise-Partnern sei eine Übereinkunft erzielt worden, wie Stationär- und Online-Verkauf miteinander harmonieren können.

In Krefeld hat Fressnapf zuletzt 30 Millionen Euro in sein automatisiertes Kleinteilelager investiert. Derzeit wird die Technik verdrahtet und mit der eigenen IT verheiratet, informierte Glander. Im Juni soll es dann in Betrieb gehen. Die Automatik sei doppelt so schnell wie eine Kommissionierung komplett von Hand. Das neue Lager bietet Platz für 78.000 Lagerboxen und 10.000 Palettenplätze. "Das ist das logistische Herz von Fressnapf", sagte Glander. Wenige Kilometer entfernt in Duisburg im Hafen hat die Gruppe bereits ein neues Vorschaltlager eröffnet (wir berichteten). "Damit erhöhen wir unsere Lagerkapazitäten für die Zentrale in Krefeld."

(sti)