Krefelder ärgert sich über Internet: Fotohändler gibt auf — mit Frust-Brief im Schaufenster

Krefelder ärgert sich über Internet: Fotohändler gibt auf — mit Frust-Brief im Schaufenster

Nach fast 25 Jahren zieht Wolfgang Lennertz einen Schlussstrich und macht seinen Foto-Laden zum 30. April dicht. Seinem Ärger über dreistes Kundenverhalten macht er schon jetzt im Schaufenster Luft: "Wir sind es satt!"

Selten haben Krefelder Geschäftsleute ihren Unmut über Kunden und Onlineverkäufe offener geäußert als Dagmar und Wolfgang Lennertz. Ihren am Schaufenster zu lesenden Worten "Wir sind es satt!" lassen die beiden Taten folgen. Nach knapp einem Vierteljahrhundert schließt das Ehepaar seinen Laden "Wolfgangs Digital- und Fotoservice" zum 30. April an der Evertzstraße 18. Ihr Mann habe sein Hobby zum Beruf gemacht, sagt Dagmar Lennertz. Ihnen sei es nie darum gegangen, einfach nur Ware zu verkaufen. "Wir sind ganz individuell auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingegangen und haben, wenn sinnvoll, durchaus auch die preiswertere Kamera empfohlen", sagt sie. Da sei viel Enthusiasmus mit im Spiel gewesen.

Nach 30-minütigem Beratungsgespräch Feilschen über 5 Euro

Foto: Thomas Lammertz

Doch die Zeiten haben sich geändert: Beratung stelle keinen Wert an sich mehr dar, erklärt Wolfgang Lennertz im Gespräch mit unserer Redaktion mit viel Frust und eine Portion Enttäuschung in der Stimme. In einem Restaurant gebe es Trinkgeld, wenn der Gast mit Essen und Service zufrieden sei. In seiner Branche sei das anders. "Nach ausführlicher Beratung bekommen wir immer öfter zu hören, dass es die Kamera bei Internetanbietern zum Teil nur zehn oder 20 Euro günstiger gibt", berichtet der 54-Jährige, der Eigentümer seiner Ladenlokale in der Innenstadt ist.

Was der Kunde übersehe, sei, dass auch die Beratung und das Ladenlokal Kosten verursachten, dass er seine Ware in der Regel Praxistests unterziehe, die Batterien nicht extra berechne und vieles mehr. "Ich habe es einfach satt, nach 30 Minuten Beratungsgespräch über fünf Euro feilschen zu müssen", sagt er. Der inhabergeführte Einzelhandel sterbe aus, meint Wolfgang Lennertz.

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Entscheidung kein Schnellschuss

Als Fotofachgeschäft mit der Spezialisierung auf Nikon habe er viele Jahre ein Auskommen und Spaß bei der Arbeit gehabt. Das sei nun anders. Die Kaufkraft in Krefeld sei unterdurchschnittlich. Die Haltung der Kunden — dass Beratung stets gratis sei — könne er nicht verstehen und wolle er auch nicht akzeptieren. "Das gilt nicht für alle, aber leider für immer mehr." Gemeinsam mit seiner Frau ziehe er jetzt einen Schlussstrich. Diese Konsequenz sei über längere Zeit gereift und keinesfalls eine übereilte Reaktion aus aktuellem Anlass.

Er konzentriere sich jetzt auf den Ausverkauf mit Preisnachlässen von bis zu 70 Prozent und anschließend auf die Suche nach Mietern für die beiden rund 35 Quadratmeter großen Ladenlokale. Was mit der Wohnung geschieht, sei noch offen.

Update 10:41 Uhr: Auf unserer Facebook-Seite sorgt die Maßnahme des Händlers für eine lebhafte Diskussion:

(RP)