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Forscher aus Krefeld arbeiten mit hochenergetischem Röntgenstrahl

Hochschule Niederrhein in Krefeld : Krefelder Forscher arbeiten mit hochenergetischem Röntgenstrahl

Die Hochschule Niederrhein forciert am Januar 2021 mit dem Projekt Sylinda den Wissenstransfer mit der Industrie aus osteuropäischen EU-Staaten. Die Arbeit wird mit 900.000 Euro über drei Jahre gefördert.

Die Hochschule Niederrhein aus Krefeld reiht sich in ein wissenschaftliches Konsortium ein, um im südpolnischen Krakau nahe der tschechischen Grenze ab Januar 2021 Wege aufzuzeigen, wie osteuropäische Industrie von Forschungsergebnissen profitieren kann. Denn bei der Frage, wie man Unternehmen aus der Industrie in wissenschaftliche Transferprojekte integriert und wie man Forschungsergebnisse in die Praxis umsetzen kann, hat die Hochschule Niederrhein eine große Expertise aufgebaut. Die vor zweieinhalb Jahren erlangte Auszeichnung „Innovative Hochschule“ beruhte wesentlich auf der strategischen Vorgehensweise in dieser Frage.

Die Hochschule Niederrhein wird ihre Expertise beim Innovationstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auch den östlichen EU-Staaten zur Verfügung stellen. Sie  ist Teil eines Konsortiums bestehend aus der Jagiellonski Universität Krakau, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Synchrotron-Quelle Alba in Barcelona. Die Arbeit wird mit 900.000 Euro über drei Jahre gefördert. Projektstart ist am 1. Januar 2021 in Krakau.

Hintergrund: Noch in diesem Jahr erhält die Hochschule Niederrhein einen eigenen Zugang zu einer Beamline in Krakau, um dort chemisch-physikalische Messungen durchzuführen. Dazu wurde vor rund 16 Monaten ein Kooperationsvertrag mit dem polnischen National Synchrotron Radiation Centre Solaris der Jagiellonen-Universität geschlossen. Mit dem Projekt Sylinda unterstützen die Partner Solaris dabei, die Beamline Industriepartnern zugänglich zu machen und angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekte gemeinsam mit den Wissenschaftlern umzusetzen.

Eine Beamline ist Teil einer Synchrotron-Lichtquelle, eines kreisförmigen Elektronenspeicherrings, die ihrer Größe wegen in einer Halle untergebracht ist und in der Teilchen wie etwa Elektronen mit Lichtgeschwindigkeit herumgeschickt werden. An verschiedenen Stellen hat die Kreisbahn Ausgänge, an denen der Synchrotron-Strahl austritt. An diesen Stellen besteht die Möglichkeit, eine Beamline (Strahlrohr, Strahllinie) aufzubauen, um dort die Synchrotron-Strahlung – eine hochenergetische Röntgenstrahlung – für chemisch-physikalische Messungen zu nutzen. Diese erlauben den Forschern, tief in ihre jeweils zu untersuchende Materialien einzusteigen und chemische Prozesse auf atomarer Ebene zu verstehen.

Das Projekt mit Namen Sylinda läuft im Programm „Twinning – Widespread“, das dazu beitragen soll, die östlichen EU-Länder in Wissenschaft und Forschung in eine führende Rolle zu versetzen. Dazu soll es Trainings-Aufenthalte polnischer Wissenschaftler bei Alba in Barcelona und an der Hochschule Niederrhein geben, um über angewandte Projekte den Innovationstransfer in die Praxis zu lernen.

In einem Industrieworkshop bei Solaris werden die Möglichkeiten der Beamline für die Lösung praktischer Fragen den Betrieben und Unternehmen anschaulich demonstriert. Junge Wissenschaftler und Studierende der Hochschule Niederrhein haben dabei Gelegenheit, eigene Transferprojekte auf Postern vorzustellen. Zusätzlich gibt es ein Austauschprogramm für junge Wissenschaftler zwischen Solaris beziehungsweise der Jagiellonski Universität Krakau und der Hochschule Niederrhein. So können junge Wissenschaftler aus Krefeld eigene Experimente am Strahlrohr in Krakau durchführen. Im Gegenzug lernen ihre polnischen Kollegen an der Hochschule Niederrhein mehr über angewandte Projekte mit Industriepartnern, zum Beispiel im Institut für Oberflächentechnik. In Barcelona wird es eine Summer-School für junge Wissenschaftler aller Projektpartner geben, bei der neben inhaltlichen Themen auch die Möglichkeit zum Netzwerken besteht.