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Krefeld: Flüchtlingsunterkünfte: Eigentümer bieten fast nur Schrott-Immobilien an

Krefeld : Flüchtlingsunterkünfte: Eigentümer bieten fast nur Schrott-Immobilien an

Die Stadt hat vor Jahren mehrere Asylbewerberheime geschlossen, weil Flüchtlinge dezentral in Wohnungen untergebracht werden sollten. Jetzt zeigt sich: Der Stadt werden nur ungeeignete Wohnungen angeboten.

Der Bedarf an Flüchtlingsunterkünften in Krefeld wächst rasant — jeden Tag kommen derzeit im Schnitt ein bis zwei neue Flüchtlinge nach Krefeld. Die Entscheidung der Krefelder Politik, Asylbewerberheime zu schließen und die Asylbewerber auf Wohnungen im Stadtgebiet zu verteilen, könnte sich nun als fatal erweisen: Obwohl die Stadtverwaltung einen dringenden Appell an private Vermieter gerichtet hat, Wohnraum anzubieten, haben sich erst 14 Immobilienbesitzer gemeldet. Deren angebotene Wohnungen seien aber in so schlechtem Zustand, das sie wohl nicht genutzt werden können, teilte die Stadt mit. Als erste Behelfslösung wird nun die Don-Bosco-Schule im Südbezirk zum Flüchtlingsheim umgebaut; weitere Schulen, Turnhallen und Miet-Container könnten bald als Ersatzmaßnahmen folgen.

Monatlich rund 50 Flüchtlinge kommen derzeit nach Krefeld: Zum Stichtag 30. September waren 628 Flüchtlinge in Krefeld, zwei Wochen später bereits 663. "Dies zeigt die Dynamik der Entwicklung", sagt Stadtsprecherin Angelika Peters. Die Verwaltung rechnet mit einer verschärften Lage ab 2014, wenn dann die in der EU Freizügigkeit genießenden Bulgaren und Rumänen auf dem freien Wohnungsmarkt nicht fündig werden und in Obdachlosenunterkünften beherbergt werden müssen.

Vor wenigen Jahren erst hatte die Stadt Asylbewerberheime an der George-C-Marshall-Straße in Linn und Emil-Schäfer-Straße in Bockum sowie am Kanesdyk in Inrath geschlossen. Stattdessen sollte die Stadt auf Antrag des Rates ein Konzept für die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen realisieren. Seit 2012 steigen die Flüchtlingszahlen auch in Krefeld wieder rasant — und das Konzept der dezentralen Unterbringung stößt an seine Grenzen. Geeignete Immobilien sind rar. Am 9. Oktober hatte die Stadt einen öffentlichen Aufruf an Immobilienbesitzer gestartet, Wohnungen für Flüchtlinge bereitzustellen. Erst 14 Wohnungen seien ihr angeboten worden, teilte die Stadtverwaltung mit. Diese würden derzeit auf ihre Eignung geprüft: "Es ist erkennbar, dass der überwiegende Teil dieser Wohnungen erhebliche Mängel aufweist, die eine Nutzung ausschließen", teilte Stadtsprecherin Angelika Peters mit. Die Stadt räumt in einer Vorlage ein: "Der private Wohnungsmarkt ist nur in Ausnahmefällen verfügbar, da von den Eigentümern durch die intensive Belegung eine erhöhte Abnutzung sowie soziale Probleme mit der Nachbarschaft befürchtet werden."

17 Wohnungen hatte die Stadt zuletzt noch einmal angemietet — die meisten davon allerdings von der städtischen Tochter Wohnstätte. Parallel setzt die Stadtverwaltung derweil ihre Umbauarbeiten am neuen Flüchtlingsheim Don-Bosco-Schule fort. Wie viele Personen dort tatsächlich in einem Raum schlafen werden, hängt laut Stadt beispielsweise davon ab, ob Einzelpersonen, Paare oder Familien untergebracht werden und welche religiösen und ethnischen Konstellationen zu berücksichtigen sind. 70 bis 100 Flüchtlinge sollen an der Don-Bosco-Schule einquartiert werden. 18 Toiletten und zwölf Duschen stehen ihnen zur Verfügung. Wie lange sie dort einquartiert werden, hängt von der Menge der Wohnungen ab, die die Stadt auf dem freien Markt generieren kann.

Meldungen an die Stadt: Tel. 861870.

(RP)