„Festival der Phantasie“ in Krefeld : Phantasie und Topmusik auf Burg Linn

„Wir wollten das Jahr mit einer kleinen, feinen Veranstaltung beginnen. Doch das ‚Festival der Phantasie‘ hat alle Erwartungen übertroffen“, sagt Museumsdirektorin Jennifer Morscheiser.

Als die letzten Klänge des Lieds „The Bard‘s song“ durch den Rittersaal der Burg Linn dringen und die 199 Besucher des binnen zehn Minuten ausverkauften Konzerts, das mit einer Lesung der Fantasy-Autoren Bernhard Henne und Markus Heitz verbunden ist, jubeln, strahlt Blind-Guardian-Leadsänger Hansi Kürsch über das ganze Gesicht. „Das ist etwas ganz Besonderes für mich. Ich bin in Linn aufgewachsen und habe immer schon davon geträumt, mal auf der Burg zu spielen. Jetzt hat sich die Gelegenheit ergeben, und die haben wir genutzt“, schwärmt der Musiker, der sonst vor zig Tausend Fans in großen Hallen, Stadien und auf Festivals spielt.

Genauso begeistert sind die Zuschauer inklusive „Burgherrin“ Jennifer Morscheiser. „Wir wollten das Jahr mit einer kleinen, feinen Veranstaltung beginnen. Doch das ‚Festival der Phantasie‘ hat alle Erwartungen übertroffen. Wir haben gleich am Samstag über 700 Bändchen verkauft und haben fast keine mehr. Lesungen und Konzert waren blitzschnell ausverkauft, und die Menschen haben schon eine Stunde vor Öffnung des Museums angestanden. Unglaublich“, sagt die Museumsdirektorin über das ganze Gesicht strahlend.

 Bereits die Illumination am Eingang der Burg deutete den Charakter eines verwunschenen Ortes an, der im inneren transportiert wurde.
Bereits die Illumination am Eingang der Burg deutete den Charakter eines verwunschenen Ortes an, der im inneren transportiert wurde. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dabei ist es aber nicht nur das Konzert mit Lesung der beiden Bestseller-Autoren, die die Besucher begeistern. Am ganzen Wochenende stehen vor allem Spiele im Mittelpunkt. An fünf verschiedenen Orten stellt der Verein KrähenCon verschiedene Rollenspielsysteme vor. „Wir wollen den Menschen diese Form des Spiels näher bringen“, erzählt Mitorganisatorin Heike Dahmen. Erfahrene Spielleiter geben den Besuchern einen Einblick in die Welten verschiedener Pen-and-Paper-Rollenspielsysteme. Dabei spielen die Spieler in einer Art interaktivem Roman eine Figur in einer vom Spielleiter gleich einem Schriftsteller im Kopf der Spieler kreierten Welt. „Hier steht natürlich Fantasy im Vordergrund. Aber eigentlich spielen wir alle Systeme. Auch in Endzeitwelten oder dergleichen“, erzählt Dahmen. Doch nicht nur Rollen-, auch Brettspiele können gespielt werden. Neben dem Rittersaal ist eine Brettspielgruppe mit über 100 Spielen vor Ort. „Es macht richtig Spaß“, sagt Marijana Sipus, die Verantwortliche, die derzeit auch als Praktikantin im Museum Burg Linn aktiv ist.

Ein Fokus liegt auch auf Autorenlesungen. Gleich 14 von ihnen – acht am Samstag und sechs am Sonntag – sind da. Die meisten lesen in der Küche der Burg am Kaminfeuer. Lediglich die Stars der Szene, der Krefelder Henne und Heitz, lesen beim großen Abendevent im Rittersaal.

Die Ritterkämpfe, die im Burghof von der Linner Ritterrunde aufgeführt werden, begeistern dabei nicht nur die kleinen Besucher, auch die anderen schauen zu, als die historisch akkurat gerüsteten Ritterdarsteller sich mit verschiedenen Waffen von Kurz- bis Langschwert und Streitaxt duellieren. Und wer es doch etwas moderner möchte, der kann auch die Burgverteidigung in der 3D-Animation spielen, die seit Monaten in der Burg zu einer festen Einrichtung geworden ist.

Viele leuchtende Augen bis hin zu den erfahrenen Metal-Rockern von Blind Guardian zeigen: Das Festival ist ein großer Erfolg. Grund genug für Veranstalterin Jennifer Morsch­eiser, zu sagen: „Es war das erste Festival der Phantasie, aber es wird nicht das letzte bleiben. Wir sind total begeistert vom Feedback und wollen, dass unsere Bändchen neben denen von Wacken und Rock am Ring am Arm getragen werden.“ Da stimmt auch Kürsch zu, der sich vom Publikum mit den Worten „Das ist das Ende unserer Burgentour“ verabschiedet.