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Ferienspiele "Spiel ohne Ranzen" in Krefeld feiert Jubiläum mit Jules Verne

Jubiläum in Krefeld : Spiel ohne Ranzen feiert mit Jules Verne

Seit 45 Jahren organisiert der Arbeitskreis Krefelder Frauenverbände die Ferienspiele. Aus diesem Anlass soll es Jubiläumsangebote für die Spiele geben – darunter ein außergewöhnliches Theaterstück und einen Mitmachzirkus.

Fast wäre Spiel ohne Ranzen eine einmalige Angelegenheit geblieben. Die Auftaktveranstaltung im Jahr 1973 anlässlich der 600-Jahr-Feier der Stadt  hieß noch „Lollipopp“; es hatte auf dem Bauplatz eine Handvoll Verletzungen mit Hammer und Nagel gegeben; auch ein Riesenluftkissen zum Springen galt als verletzungsgefährlich, und so wurde 1974 diskutiert, ob man die ganze Idee nicht aus Sicherheitsgründen wieder beerdigen sollte. Bekanntlich kam es nicht dazu. Zwar hat sich die Stadt als Veranstalter tatsächlich zurückgezogen, doch übernahm 1975, also vor nun 45 Jahren, der Arbeitskreis Krefelder Frauenverbände (AKF) die Federführung bei der Organisation.  Das Jubiläum ist nicht ganz klassisch, markiert aber doch ein Datum, das für eine immense ehrenamtliche und bürgerschaftliche Leistung für eine der sympathischsten Aktionen im Krefelder Stadtleben steht.

Das Ziel damals wie heute: den daheim gebliebenen Krefelder Kindern Freude und Abwechslung zu bereiten. Bis heute ist der Arbeitskreis ebenso auf tätige Mithilfe wie auf Spenden angewiesen. Und so war es ein willkommener Auftakt für dieses besondere Jahr, als Karsten Hoyer den Erlös einer Tombola beim traditionellen Gänseessen der CHTC Tennis-Herrenmannschaften 40, 50 und 55 in Form eines Schecks über 2.500 Euro an den Arbeitskreis Krefelder Frauenverbände übergab. Willkommene Spenden zum Jubiläumsjahr gab es bislang auch vom Brauchtumsverein Creinvelt oder dem Krefelder Unternehmer Hansgeorg Hauser (auch bekannt als Vorsitzender des Fördervereins für das Haus der Seidenkultur). Hauser hatte zu seinem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr um Spenden gebeten; mit einem Teil des Erlöses will er für „Spiel ohne Ranzen“ zum Jubiläum einen Mitmachzirkus finanzieren.

Weiteres großes, außergewöhnliches Projekt: Im Rahmen der Spiele soll ein 50-minütiges Musik- und Theaterstück für Kinder aufgeführt werden. Titel: „In 28 Tagen durch Europa“. Das Stück, das sich an Kinder von fünf bis zwölf Jahren richtet, lehnt sich an den Jules-Verne-Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“ an. Zur Handlung des Stücks: Nachdem Phileas Fogg und sein Diener Passepartout die Wette der Weltumrundung gewonnen haben, feiern sie im Londoner Club ihren Erfolg. „Wer noch nicht Europa gesehen hat, kennt die Welt nicht“, behauptet plötzlich forsch ein deutscher Gentleman und fordert die beiden Abenteurer zu einer neuen Wette heraus: In nur 28 Tagen sollen sie alle Länder Europas bereisen und ein Rätsel lösen.

Gemeinsam mit den Musikern des Pindakaas Saxophon Quartetts gehen Phileas Fogg (Schauspieler Frank Dukowski) und Passepartout (Schauspieler Marcell Kaiser) auf eine rasante Abenteuerreise durch den Kontinent mit all seinen Sprachen, Währungen, Kulturen und Nationalitäten.  Die Vielfalt spiegelt sich in Musik, von Klassik über Folklore bis hin zu Jazz und Filmmusik: Melodien, die man mit Ländern oder Regionen in Verbindung bringt: Seien es Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ für Großbritannien, Georges Bizets „Torero-Marsch“ für Spanien, Motive aus Edvard Griegs „Peer Gynt Suite“ für Skandinavien oder Wiener Walzer für Österreich. Das Ganze verspricht,  ein Riesenspaß zu werden und eine kindgerechte Liebeserklärung an Europas Kultur und Vielfalt. Zudem ist es pädagogisch wertvoll, mit Vor- und Nachbereitung erprobt an vielen Schulen.

Auch für das Grundprogramm  braucht Spiel ohne Ranzen Geld: Immerhin werden bis zu 1.000 Kinder täglich mit Frühstück,  Mittagessen, Obst, Snacks und Getränken verpflegt. Zu den Attraktionen gehören der Bauspielplatz, das Puppentheater, der Menschenkicker, die Hüpfburg, die Stadtwald-Bahn, Segeln auf dem Elfrather See, aber auch das Kinder-Schminken, Basteln, Verkleiden, Kisten-Klettern oder Drachenbauen. „Möglich ist uns dies alles vor allem durch die Sach- und Geldspenden, die wir unter anderem von in Krefeld ansässigen Unternehmen erhalten, den SWK, von Volksbank und Sparkasse, Bäckerinnung, aber auch von Round Table, Sappeuren und Landsknechten, Lions Club, Zonta Club, Gesellschaft Creinvelt, einer Vielzahl von Sportvereinen, Stadtsportbund aber auch von Grünen, CDU, FDP und SPD – um nur einige zu nennen“, berichtet die AKF-Vorsitzende Kerstin Jensen. „Geldspenden wie die vom CHTC helfen uns immer wieder, plötzlich ausfallende Sachspenden aufzufangen, sei es die Lieferung von Containern oder Zelten, oder die medizinische Notversorgung oder die Nutzung einer Spülmaschine zu bezahlen.“

Wichtig sei dem AKF  das Thema Bildung und Förderung von Kindern. „Aus diesem Grunde bieten wir für die Kinder an mehreren Tagen auch den Besuch des Zoos mit Führung, eine Führung durch das Kaiser-Wilhelm-Museum mit anschließendem Workshop, den Besuch eines Bauernhofs mit Führung“, so Jensen weiter. Jede Spende komme zu 100 Prozent an: „Unsere fünf Vorstandsmitglieder, allesamt berufstätig,  sind ehrenamtlich tätig. Wir haben weder Personalkosten, noch unterhalten wir eine Geschäftsstelle, so dass alle Einnahmen unmittelbar in Spiel ohne Ranzen fließen.“