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Krefeld: Ferienspaß unter schlechten Bedingungen

Krefeld : Ferienspaß unter schlechten Bedingungen

30 sozial benachteilige Kinder nahmen am Ferienprojekt der Mosaikschule teil. Dort beklagt der Kinderschutzbund baulichen Zustände.

Tanzlehrer Obi Odametey schickt die Grundschüler auf die blauen Matten. Als er das Kommando "Und jetzt den Blumentopf!" gibt, fangen die Kinder an, die akrobatische Figur zu zweit auf die Beine zu stellen. "Das ist meine Lieblingsübung", sagt Afola Zimmermann (8), die gemeinsam mit 30 anderen Kindern am Ferienprogramm "Afrika" des Offenen Ganztags Löwenzahn teilgenommen hat. Doch abseits dieser spaßigen Woche sieht der Alltag für viele der Teilnehmer weniger kindgerecht aus.

"Solche Möglichkeiten bekommen sie im privaten Umfeld meist kaum geboten", erklärt Birgit August, Vorsitzende des Kinderschutzbunds Krefeld. Trotz des Ferienspaßes gibt es auch in der Schule Anlass zur Sorge. "Die Kinder sind in der Offenen Ganztagsschule (OGS) zwar oft besser aufgehoben als zuhause, der Zustand der Schulen in sozial schwachen Quartieren ist aber besorgniserregend", kritisiert August. Das trifft auch auf die Mosaikschule zu. Die Pädagogen seien zwar hervorragend geschult, die Räume der OGS verfallen aber immer weiter. "Die Fenster schließen nicht richtig, die Dämmung ist schlecht, und der Fußboden löst sich auf. Uns graut es schon vor dem Winter", benennt Bozena Kaschura, Koordinatorin der OGS, nur einige der Probleme. "Zur Mittagszeit hat nicht jedes der OGS-Kinder einen Sitzplatz", ergänzt sie.

Das Problem liegt nach Ansicht von OGS und Kinderschutzbund bei Eltern und Politik. Im Gegensatz zu Grundschulen in "Gunstlagen" gebe es an der Mosaikschule keine aktive Elternschaft, die sich für die Belange der Schule einsetzt, so Dietmar Siegert, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes. Dadurch würden diese Schulen von der Politik schnell mal vergessen. "Es kann doch nicht sein, dass Schulen in Gunstlagen genau so viele Gelder bekommen wie diejenigen mit hohem Förderbedarf", kritisiert Siegert. Die Mosaikschule sei eine der Einrichtungen, die bislang zu kurz kommen. Rund ein Drittel der Schüler stamme aus sozial schwachen Familien, viele haben einen Migrationshintergrund.

Im Alltag ist die Arbeit mit Schülern und Eltern daher oft schwierig für die pädagogischen Fachkräfte. "Wir müssen die Eltern teilweise anrufen und Elternbriefe erklären. Viele haben große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, manche sind sogar Analphabeten", sagt Kaschura. Beispielhaft hierfür: Ein Erstklässler habe nicht gewusst, wie rum man ein Buch hält - bei ihm zuhause habe es keine gegeben.

Deshalb ist die OGS-Koordinatorin froh, den Kindern in den vergangenen Tagen Abwechslung geboten zu haben: "Im Alltag erreicht man einfach nicht alle. Hier lernt man sie richtig kennen und hat gemeinsam so viel Spaß, dass die Kinder mich alle schon fragen ,Was machen wir denn in den nächsten Ferien?'".

(RP)