Krefeld: Feiner Folk – auch mal mit Wummerbass

Krefeld: Feiner Folk – auch mal mit Wummerbass

12 000 Besucher kamen zum Folklorefest auf den Platz An der Alten Kirche. Abends wurde hitzig getanzt.

Italienische Leichtigkeit verzauberte am Freitagabend den Platz an der Alten Kirche zum Auftakt des Folklorefestes, und dazu trugen – neben der Buntheit des internationalen Speisenangebots an den Ständen rundum – vor allem die Musiker von "Spakka Neapolis 55" bei. Unter wohltuendem Verzicht auf elektrische Instrumente (außer der Bassgitarre) zelebrierten sie die quecksilbrig-flotte, süditalienische Volkskunst der Tarantella.

Am weitesten entfernt vom Folkloristischen, aber sehr mitreißend war die Musik von N.O.H.A. Foto: Lothar Strücken

Im Workshop animierten Sängerin und Tänzerin Monica Pointo und Geiger Antonio Fraioli zum Tanzen und brachten Schwung ins Volk. Ein junger Mann tanzte sogar in vorübergehender Ermangelung einer Partnerin mit seinem Klapprad. Im Konzert danach gelang es dem Quintett prächtig, das ursprüngliche, von hellen Klängen und hohen Tönen, wenn auch nicht immer nur von heiteren Inhalten geprägte Flair der Tarantella mit behutsamen Modernisierungen in Rhythmik und Arrangements in die Gegenwart zu übersetzen. Und auch der natürliche Charme der grazilen Sängerin verfehlte seine Wirkung nicht.

Mika Vember setzte den stillen Glanzpunkt des Samstags. Foto: Strücken,Lothar

Straßenmusik in der Stadt mit "Sound Pregnancy", "Flatlanders Folk" und "Kent Coda" und Kinderlieder auf der Bühne mit "Zaches & Die Grenzgänger" – so begann der Samstag, und bei "Papa mag O-Saft" machten die Kleinen begeistert mit. Das Mondo Mash Up Sound System, teilweise personalidentisch mit dem Horst Hansen Trio, schleppte die Vielzahl ihrer Instrumente gar nicht erst auf die Bühne, sondern entfesselte ein Feuerwerk aus HipHop, Ska, Rock'n' Roll und Funk mit hochgradig jazzigen Qualitäten zu ebener Erde, was dem Erfolg keinen Abbruch tat.

Mika Vember aus Wien repräsentierte das Singer/Songwriter-Genre. Ihre leicht spröde Stimme ergab mit Martti Winklers Akkordeonbegleitung einen warmen Sound. Nur kamen leider ihre hörens- und nachdenkenswerten Texte nicht so gut rüber wie in einem geschlossenen Saal oder Club. Dieses Problem hatten Cankisou nicht. Karel Herman röhrte erst wie ein Didgeridoo, dann klangen die Tschechen wie eine Horde Orks auf Kriegspfad. Nach zwei Titeln differenzierte sich ihre Musik von den Bläsern her über die Saiteninstrumente bis zum Satzgesang aus und wurde richtig interessant.

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Am weitesten entfernt vom Folkloristischen war der elektronische Sound des multinationalen Sextetts N.O.H.A. mit Wummerbässen, Maschinengewehr-Salven-Rhythmik und Rap-Sprechgesang. Doch dank des Könnens der Beschallungstechniker von Ilbertz, denen saubere und ausgewogene Klangbilder trotz erfreulich kompakter Umbau- und Soundcheck-Pausen gelangen, blieb auch diese Band anhörbar.

Die Krönung des Wochenendes kam diesmal aus Frankreich. Les Yeux d'la Tête ließen mit ihrem spritzig-witzigen Mix aus Chanson, Rock'n' Roll und Swing die gute Laune noch einmal richtig aufschäumen. Mochte der Abend schon kühl werden, es wurde noch mal hitzig getanzt.

Geschätzte 10 000 bis 12 00 Besucher bevölkerten in wechselnder Dichte den Platz an der Alten Kirche und sorgten für lebhaften Umsatz an den Ständen. So wurden auch alle 50 von Michael Hagmann aus Silber gefertigten Folklorefest-Eichhörnchen sowie Dutzende von Unterstützertassen im Design des Comic-Künstlers Frät verkauft. Der Erlös trägt zur Finanzierung des Festivals bei.

(RP)
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