Krefeld: Favoriten im Kampf um die Krähe

Krefeld: Favoriten im Kampf um die Krähe

Vor ausverkauftem Saal präsentierten sich die Finalisten im Wettbewerb um den Krefelder Nachwuchs-Kabarettpreis. Das Publikum in der Friedenskirche durfte mitentscheiden - und da zeichnen sich schon Favoriten ab.

Zum siebten Mal präsentierte das gemeinnützige Kabarett "Die Krähen" seine acht Kandidaten für den Nachwuchspreis "Krefelder Krähe" im ausverkauften Kulturpunkt Friedenskirche. So konnte das Publikum am Freitag und Samstag seine Stimmen abgeben, die immer ein Drittel Anteil an der Gesamtwertung haben.

Vielversprechend gelang der Auftakt mit Markus Kapp, der sich auf dem Klavier begleitete und vor originellen Einfällen sprühte. Zum Beispiel, dass wir im Medienzeitalter zwar permanent digitale Verbindung haben, aber kaum noch analoge Verbundenheit, oder dass Angela Merkel viel mächtiger sei als einst Kleopatra, da sie mit Beischlaf nur noch drohen müsse. Auch der riskante Versuch, ein gesellschaftskritisches Lied ausschließlich aus redensartlichen Tier-Metaphern zusammenzusetzen, gelang brillant.

Foto: Die Krähen/Matthias Schierbrand

Volker Weininger verbrachte die erste Hälfte seines Sets mit Lehrer- und Schüler-Bashing der ausgelutschten Art. Die Schilderungen der Erlebnisse seiner amerikanischen Ehefrau mit chinesischen Wurzeln im "weltoffenen" Deutschland zündeten besser.

Mut zum Experiment zeigten die "Krähen", die aus 35 Bewerbungen auszuwählen hatten, mit Ben Drummer. Die ersten Nummern konnte man mit ganz viel Mühe als Versuche einer Dada-Punk-Fusion verstehen. Unterhaltsamer wurden sie davon allerdings nicht. Als er sich ans Piano setzte, "Atemlos durch die Nacht" klimperte und dabei ein Gedicht sprach für diejenige, "die den Ventilator für Helene Fischer hält", bereitete das erheblich mehr Vergnügen.

Mit Schorsch, der einsamen Socke nach einer 60-Grad-Wäsche, bewies Lars Redlich - zur Gitarre singend - ein feines Gespür für die Komik des Alltags und fand angesichts der systematischen Täuschungen durch Industrie-Unternehmen und Politiker Trost in der Erfahrung, dass die Tropfen von der Nase seines Töchterchens tatsächlich noch echt sind.

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Matthias Weiss nahm am Piano Platz und sang seine Texte, die ihn als interessanten Liedermacher und Kabarettisten zugleich auswiesen. Das "Lied vom Dazugehören", ging an die Adresse all derer, die sich selbst nicht mögen und deshalb umso mehr um Anerkennung von anderen heischen. Die dafür besonders geeigneten Internet-Plattformen kamen in "Ge-liked, ge-friended, ge-followed" zur Sprache. Darin begegnete jemand seiner großen Internet-Liebe zum ersten Mal leibhaftig und war schlagartig entzaubert. Beide Titel hatten Reinhard-Mey-Qualitäten.

Einen merkwürdigen Eindruck hinterließ Roman Weltzien. Er ritt eine Attacke gegen die allgemeine gesamtgesellschaftliche Gehirnwäsche, präsentierte auch den einen oder anderen witzigen Texteinfall, gab aber wenig später jener einzelnen Veganerin Recht, die die Verbannung des Liedes "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" aus dem Glockenspiel-Repertoire des Limburger Rathauses ausgelöst hatte. Er zerpflückte nicht nur dieses, sondern auch noch das Lied "Auf einem Baum ein Kuckuck saß" auf eine Art und Weise, die verstehen lässt, warum viele Menschen die eifernden Übertreibungen einer missverstandenen Political Correctness inzwischen gründlich leid sind. Als Parodie wär's eine tolle Nummer gewesen, aber so war's wohl nicht gemeint.

Nach einem etwas exaltiert wirkenden Auftakt erwies sich Jakob Heymann doch rasch als bodenständig mit einem Lied, das mit den Zeilen begann: "Ich zähle Flüchtlings auf dem Weg zum Supermarkt, ich führe Strichliste" und so weiter, um in der Überraschung zu enden: "Ich wurde als Kind zu heiß gebadet." Der junge Mann spielt Klavier - so ähnlich wie Marc Cohn - und Gitarre, arbeitet aber auch gern mit Playback und verfügt über eine tolle Gesangsstimme und die Fähigkeit, philosophisch zu denken.

Den Abschluss machte das Duo Henning Ruwe & Martin Valenske mit ausgesprochen schwarzem Humor. Der Vorschlag, dem Mittelmeer den Friedensnobelpreis zu verleihen, weil es die meisten Flüchtlinge aufgenommen habe, war noch der am wenigsten makabre dieses Auftritts. Andererseits wirkten ein Sketch über zwei Sachsen im Nahen Osten und das konkrete parteienübergreifende Durchhecheln des gegenwärtigen politischen Spitzenpersonals der Republik eher gezwungen. Und den Ballwechseln zwischen den beiden mangelte es erheblich an Eleganz.

Preisverleihung: Am Samstag, 1. April, werden die drei Sieger des Wettbewerbs gekürt: 20 Uhr, im Stadtwaldhaus. Karten für die Preisverleihung gibt es für 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) bei den üblichen Vorverkaufsstellen.

(RP)
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