Krefeld: Fastenbrechen der Union: "Im Islam gibt es keinen Zwang"

Krefeld: Fastenbrechen der Union: "Im Islam gibt es keinen Zwang"

Hörbares Bekenntnis zu Toleranz und gegenseitigem Respekt war die Grußformel: "Guten Abend, Grüß Gott, Schalom und Salem Aleikum" - mit diesen Worten hat Mesut Akdeniz, Vorsitzender der "Union der Türkischen und Islamischen Vereine Krefelds", gestern Abend die Gäste des nun 16. offiziellen Fastenbrechens der Union begrüßt. Akdeniz sprach sich für Toleranz und Respekt gegenüber allen Religionen und auch Atheisten sowie "spirituell Gleichgültigen"aus. Er appellierte, gegen Rechtspopulismus und Extremismus Stellung zu beziehen: Rassisten und Extremisten müssten erfahren, dass "die Mehrheit keine schweigende Masse ist". Das offizielle Fastenbrechen der Türkischen Union, das gestern wie in den Jahren zuvor im Krefelder Hof stattfand, hat sich als kräftiges Zeichen der Bürgergesellschaft für Zusammenhalt und Toleranz etabliert. Zu Gast waren neben Muslimen Vertreter der christlichen Kirchen, der Kommunalpolitik und der Verwaltung. Einer kam erst später - aus Duisburg, vom Relegationsspiel des KFC Uerdingen, und zwar siegestrunken: Oberbürgermeister Frank Meyer.

Akdeniz rief dazu auf, Religionen vor Geringschätzung zu schützen - und er meinte ausdrücklich Islam, Christentum und Judentum. "Minarett, Kippa und Kreuz - die Sichtbarkeit religiöser Symbole steht unter Ideologieverdacht", beklagte er und bekannte sich zu einem Gemeinwesen, das von Offenheit, Respekt und Verantwortung geprägt sei.

Erstmals zu Gast war Hans-Joachim Hofer als neuer Vorsitzender des Katholikenrates. Er lobte die Atmosphäre des Abends, plädierte für den interreligiösen Dialog und erzählte die literarische Urgeschichte dazu: Lessings Ringparabel. Für die evangelische Kirche würdigte Pfarrer und Gemeindeverbandsvorsitzender Volker Hendricks den Ramadan: Protestanten hätten ja ein etwas gebrochenes Verhältnis zum Fasten, sagte er; dies sei Ausdruck protestantischen Freiheitsdenkens. Doch dürfe Freiheit nicht Beliebigkeit werden. Den Ramadan würdigte er als wichtiges Zeichen: "Auf etwas zu verzichten um einer höheren Sache willen: Da können wir von Ihnen, vom Ramadan, vom Fasten etwas Wichtiges lernen", betonte er und schloss mit den Worten: "Gottes Segen für Sie."

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Tagrid Yousef, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, erzählte von ihrer Kindheit. Sie habe ihren Vater immer gefragt, warum sie fasten müsse - die anderen täten es ja auch nicht. "Das Fasten ist für alle Menschen", habe ihr Vater geantwortet. Nicht gemocht habe sie, wenn ihr Vater an ihrer Zunge kontrollierte, ob sie das Fasten eingehalten habe. "Im Islam", sagte sie "gibt es keinen Zwang." Andreas Pamp, neuer Leiter des unlängst gegründeten Fachbereichs Integration und Migration, entschuldigte sich für negative Erfahrungen mit der Ausländerbehörde.

Grußworte kamen auch von Vertretern des türkischen Konsulats, die Festrede hielt Dr. Akki Arslan vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück. Das Fastenbrechen begann um 21.36 Uhr bei Sonnenuntergang.

(vo)
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