Krefeld: Familie Prehns schwierige Reise

Krefeld : Familie Prehns schwierige Reise

Die Familie des Vermissten Christian Prehn will vor Ort einen "garden of remember" einrichten.

Am 25. Februar jährt sich zum ersten Mal der Tag, an dem sich für Familie Prehn alles änderte. Seit dem 25. Februar 2014 gilt ihr Sohn Christian in Neuseeland als vermisst. Gestern nun machten sich seine Angehörigen auf den Weg zum Nelson Lakes National Park. "Wir treten die wohl schwerste Reise unseres Lebens an", schrieb Vater Jens Uwe Prehn gestern in einer Mail an alle Freunde, Helfer und Unterstützer.

Vor einem Jahr war Christian Prehn im Nelson Lakes National Park unterwegs. Er wanderte vor imposanter Kulisse in den neuseeländischen Alpen. Am "Travers Saddle" fanden Suchtrupps später den Rucksack des Vermissten, der noch voller Proviant gewesen sein soll. Der Fotoapparat jedoch fehlte.

Diese Stelle, an der Christians Rucksack mit dem Logo der Pinguine damals gefunden worden war, will die Krefelder Familie nun besuchen. Dazu werden sie sich in Nelson mit einem Polizisten treffen, der die Angehörigen per Helikopter zu der Hütte fliegen wird, die der Sohn zuletzt aufgesucht hatte. Von dort aus wird Familie Prehn in gut zwei Stunden zum "Travers Saddle" hochwandern.

"Der Officer will uns die zerklüftete Felsenlandschaft zeigen, und mit uns die Möglichkeiten erörtern, was dort passiert sein könnte", schrieb Jens Prehn in seiner Mail. Es wird vermutet, dass der 19-Jährige vom Weg abgekommen sein könnte.

Seinen Wagen ließ Christian Prehn vor einem Jahr am Eingang zum Nationalpark in St. Arnaud zurück. Auch diesen Ort werden Mutter, Vater und Bruder Tobias aufsuchen. "Wir treffen dort einen Mitarbeiter des Department of Conservation, der Naturschutzbehörde. Im dortigen Bereich des Nelson Visitors Garden wird die Naturschutzbehörde - angeregt durch unsere Anfrage - einen garden of remember einrichten", erklärte Vater Prehn und schrieb weiter: "Dort dürfen wir ein landestypisches Bäumchen pflanzen und auf einem daneben platzierten kleinen Felsen eine von uns mitgebrachte Messingplakette anbringen."

Nach der Rückkehr nach Deutschland will die Familie für ihren vermissten Sohn auch in Krefeld einen Ort des Gedenkens einrichten. Überlegungen gehen dahin, einen Baum auf der kleinen Insel an der Musikschule zu pflanzen und dort auch eine Plakette anzubringen. Genaueres muss noch mit den Verantwortlichen beim Grünflächenamt und bei der Musikschule abgesprochen werden.

Christian Prehn war Mitglied des Saxofon-Quartetts "Multiphonic" der Musikschule Krefeld und Preisträger bei "Jugend musiziert". Vor seiner Reise nach Neuseeland hatte der 19-Jährige sein Abitur am Fabritianum gemacht. In den Räumen des Gymnasiums fand Anfang April 2014 auch ein Benefizkonzert statt. Mit Hilfe der Spenden sollte eine Suchaktion in Neuseeland finanziert werden, die aber wegen des dort anhaltend schlechten Wetters immer wieder verschoben werden musste. Auch aktuell, schrieb Jens Uwe Prehn, habe die Polizei in Nelson die Familie vertröstet. Erst Mitte bis Ende Februar könne die Suche neu organisiert werden.

Christian Prehn war nach seinem Abitur im Oktober 2013 nach Neuseeland gereist. Ein Jahr lang wollte er das faszinierende Land auf eigene Faust erkunden. Dazu hatte er sich vor Ort ein Auto gekauft, aber auch immer wieder längere Wanderungen eingestreut. Am 22. Februar 2014 rief er bislang zum letzten Mal bei seiner Familie an. "Er sagte, dass er sich wohlfühle", erinnerte sich der Vater. An diese letzten Worte werden Mutter, Vater und Bruder vielleicht denken, wenn sie Christians Spuren in Neuseeland folgen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE